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Der Spieler Christian Eriksen wird vom Platz getragen.
© AFP

2 Minuten, die Eriksen das Leben retteten: Eine Rekonstruktion der Blitzreaktion von Ärzten, Spielern und Schiedsrichtern

Beim EM-Spiel in Kopenhagen bricht Christian Eriksen plötzlich zusammen. Die schnelle Hilfe ist beeindruckend. Ein Protokoll.

Es war in der 43. Minute des EM-Spiels zwischen Dänemark und Finnland, als Christian Eriksen zur Seitenlinie lief, um einen Einwurf anzunehmen - und plötzlich zusammenbrach. Der dänische Mittelfeldregisseur stürzte vornüber und blieb regungslos auf dem Bauch liegen.

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Während inzwischen alles auf einen Herzanfall hindeutet, sahen sich Spieler, Betreuer und Offizielle am Samstagabend im Kopenhagener Parken-Stadion zunächst mit einer völlig ungewohnten Situation konfrontiert. Dass sie trotzdem in Sekundenschnelle reagierten, rettete Eriksen das Leben. Das zeigt das Protokoll der ersten beiden Minuten nach seinem Zusammenbruch.

Minute 0:02 - Der finnische Torhüter Lukas Hradecky, obwohl rund 30 Meter entfernt, erkennt die Lage zuerst: Er reißt beide Arme hoch und rennt aus seinem Tor heraus in Richtung Eriksen, um auf ihn aufmerksam zu machen.

Minute 0:03 - Finnlands Mittelfeldspieler Robin Lod, der in der Nähe steht, hebt den Arm und dreht sich zu Schiedsrichter Anthony Taylor um, der umgehend pfeift.

Minute 0:05 - Der britische Referee winkt die dänischen Mannschaftsärzte herbei. Auch Borussia Dortmunds Däne Thomas Delaney ist bereits aus dem Mittelfeld herbeigeeilt und ruft heftig gestikulierend die Ärzte.

Minute 0:06 - Dänemarks linker Verteidiger Joakim Maehle, der den Ball eingeworfen hatte, beugt sich über seinen Mitspieler, spricht ihn offenbar an. Weitere Spieler, dänische und finnische, winken ebenfalls die Ärzte herbei - diese müssen vom gegenüberliegenden Spielfeldrand kommen, mehr als 70 Meter laufen, mit Koffer und Taschen in der Hand.

Minute 0:12 - Kapitän Simon Kjaer greift gezielt Eriksens Kopf. Es hat den Anschein, als überdehne er den Nacken, damit die Atemwege frei sind.

Minute 0:22 - Der erste dänische Betreuer trifft bei Eriksen ein.

Minute 0:25 - Torwart Kasper Schmeichel schickt seine Mitspieler weg, damit das medizinische Team Platz zum Arbeiten hat. Allein Kapitän Kjaer bleibt bei seinem Mannschaftskameraden.

Minute 0:27 - Auch Teamarzt Martin Boesen erreicht den Patienten. "Er lag auf der Seite, atmete und hatte auch Puls", wird er später über Eriksen sagen. Doch das habe sich plötzlich geändert.

Minute 1:03 - Nach und nach trifft das Erste-Hilfe-Team aus dem Stadion bei Eriksen ein. Es hat nicht nur eine Trage dabei, sondern auch einen Defibrillator, der durch Elektroschocks den Herzmuskel so stimulieren kann, dass er wieder im Takt schlägt.

Minute 1:21 - Dortmunds Delaney winkt seine Mitspieler zu sich und bedeutet ihnen, sich nebeneinander aufzustellen, um Eriksen von den Blicken der Öffentlichkeit abzuschirmen.

Minute 1:53 - Nachdem die Helfer den Patienten auf den Rücken gedreht haben, beginnt Mannschaftsarzt Boesen mit einer Herzdruckmassage, um wieder Blut durch den Kreislauf zu pumpen. Bald darauf kommt der Defibrillator zum Einsatz.

[Mehr zum Thema: „In 90 Prozent der Fälle endet das tödlich“ - so blickt ein Kardiologe auf den Fall Eriksen (T+)]

Schnelle und koordinierte Hilfe rettet sein Leben

Mehrere Minuten kämpfen die Ersthelfer um Eriksen, ehe sie ihn auf einer Pritsche vom Platz fahren können. Auf einem Bild eines Agenturfotografen ist zu sehen, dass er zu diesem Zeitpunkt das Bewusstsein schon wiedererlangt hat.

Eriksen wird ins Rigshospitalet gebracht, noch am Abend meldet die Uefa, sein Zustand sei stabil. Seine Mitspieler können sogar mit ihm sprechen, offenbar über den Videodienst Facetime. Danach erklären sie ihren Wunsch, das Spiel fortzusetzen. Mannschaftsarzt Boesen führt Eriksens Rettung auf die schnelle und koordinierte Hilfe zurück. "Wir haben es geschafft, ihn zurückzuholen."

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