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Das Verhältnis zwischen Xabi Alonso und seinem Star Vinícius Júnior soll schwierig gewesen sein.

© dpa/Manu Fernandez

Entlassung von Xabi Alonso: Real Madrid bleibt ein Spielerverein – und allergisch gegen Innovation

Xabi Alonso schien der perfekte Trainer für Real Madrid zu sein. Dass er so schnell gescheitert ist, zeigt ein strukturelles Problem beim erfolgreichsten Klub der Welt.

Julian Graeber
Ein Kommentar von Julian Graeber

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Die italienische Trainerlegende Arrigo Sacchi hat nicht einmal zwölf Monate bei Real Madrid gearbeitet, und das ist mittlerweile 20 Jahre her. Doch ein ungeschriebenes Gesetz des erfolgreichsten Fußballklubs der Welt hat er pointiert auf den Punkt gebracht: „Wenn in Kolumbien ein Flugzeug abstürzt, ist für Florentino Pérez der Trainer von Real Madrid schuld.“

Das musste am Montagabend auch Xabi Alonso zur Kenntnis nehmen. Nach dem 2:3 im Supercup gegen den FC Barcelona wurde der 44 Jahre alte Baske entlassen – nur sieben Monate, nachdem er als großer Heilsbringer im Estadio Santiago Bernabéu empfangen worden war.

Schuldlos ist Alonso natürlich nicht, doch bestätigt sein Scheitern ein generelles Problem bei Real Madrid. Was Marketing, Internationalisierung und Infrastruktur angeht, ist der Klub auf der Suche nach neuen Erlösmöglichkeiten zu neuen Wegen bereit. Auf sportlicher Ebene ist Real allerdings allergisch gegen jegliche Innovation.

Das zeigte vor wenigen Wochen die Kritik der ehemaligen Ernährungsberaterin der Profimannschaft, die den Klub beschuldigte, ihre Empfehlungen bewusst ignoriert und sie praktisch an der Arbeit gehindert zu haben. Das zeigt auch die kurze Zeit von Alonso auf der Trainerbank. Für seine Ideen – hohes Pressing, mehr Intensität, flexiblere Taktik – konnte er Mannschaft und Vorstand nur in Ansätzen gewinnen.

Hier muss sich sicher auch Alonso hinterfragen. Real Madrid ist nunmal nicht Bayer Leverkusen und Robert Andrich nicht Vinícius Júnior. Launische Stars wie der brasilianische Weltfußballer von 2024 lassen sich ungerne erklären, wie sie den Gegner im Pressing anlaufen sollen. Das Verhältnis zu Vinícius soll seit einer Auswechslung im Clásico im Oktober schwierig gewesen sein – und wenn ein Trainer in Madrid die Stars verliert, ist er verloren.

Real verschenkt eine große Chance

Während sich der große Rivale Barça immer auch über Trainer definiert hat, ist Real eindeutig ein Spielerverein. Das war schon bei den Galácticos um Luis Figo, Zinédine Zidane, Ronaldo – der Echte – und David Beckham so. Das hat sich seitdem nicht geändert.

Die größten Erfolge gelangen mit Trainern, die ihren Fokus auf den Umgang mit diesen Stars legten. Carlo Ancelotti und Zidane gewannen mit Real je dreimal die Champions League und das sicher nicht, weil sie taktisch so innovativ waren.

Mit der Entlassung von Alonso hat Real Madrid die große Chance ausgelassen, sich fußballerisch zu modernisieren und unabhängiger von den Launen der Stars zu machen. Die Voraussetzungen waren ideal. Alonso hat nicht nur bei Leverkusen erste Erfolge als Trainer erreicht, sondern zuvor selbst bei Real gespielt. Er war Champions-League-Sieger und Weltmeister. So einem hören selbst die großen Stars zu.

Doch die vermeintliche Traumehe hielt nicht lange. Vermutlich hat Alonso die Macht der großen Egos unterschätzt – ihm fehlte dabei aber auch der Rückhalt der Chefetage. So war für Florentino Pérez mal wieder der Trainer schuld.

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