Finale um die deutsche Meisterschaft : Der Druck ist weg bei Alba Berlin

Nach zwei Pleiten in zwei Spielen gegen Bayern München hat Alba nichts mehr zu verlieren. Die Statistik in K.-o.-Spielen gibt ein Fünkchen Hoffnung.

Ein Schrittchen hintendran. Martin Hermannsson (r.) hat mit Alba die beiden ersten Spiele der Finalserie verloren.
Ein Schrittchen hintendran. Martin Hermannsson (r.) hat mit Alba die beiden ersten Spiele der Finalserie verloren.Foto: Andreas Gora/dpa

In vermeintlich aussichtslosen Situationen klammern sich Menschen an jede noch so kleine Hoffnung. An Aberglaube, an Trotz oder auch an historische Vorbilder. Martin Hermannsson dachte nach der knappen Niederlage im zweiten Finale um die deutsche Meisterschaft gegen Bayern München an die NBA. Genauer gesagt an die Endspiel-Serie in der nordamerikanischen Profi-Liga aus dem Jahr 2016. "Golden State hat nach einer 3:1-Führung auch noch 3:4 verloren", sagte der isländische Guard in Diensten von Alba Berlin und erinnerte an den sensationellen Titelgewinn der Cleveland Cavaliers vor drei Jahren.

Wie damals das Team um Superstar LeBron James steht auch Alba seit Mittwoch mit dem Rücken zur Wand. In der Best-of-Five-Serie gegen die Bayern steht es 0:2, mit einem weiteren Sieg könnten die Münchner schon am Sonntag in eigener Halle (18 Uhr, live bei Magentasport und Sport1) die Titelverteidigung feiern – als vierter Klub nach Leverkusen, Alba und Bamberg ohne Niederlage in den gesamten Play-offs.

Auch wenn Albas Chancen mittlerweile nur noch minimal sind, geben sich die Berliner nicht auf. Die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt. "Wir wissen, dass die Serie nicht vorbei ist", sagte Kapitän Niels Giffey und gewann der schwierigen Situation sogar etwas Positives ab. "Vielleicht ist es ganz gut, dass ein bisschen Druck weg ist und wir am Sonntag befreit spielen können." Auch wenn Alba in den vergangenen anderthalb Jahren vier Mal knapp an einem Titel vorbeigeschrammt ist, gibt es durchaus ein paar Hoffnungsschimmer. "Wir standen schon oft mit dem Rücken zur Wand und müssen daraus lernen", sagte Spielmacher Peyton Siva.

Betrachtet man die Play-off-Serien in Bundesliga und Eurocup seit Amtsantritt von Trainer Aito Garcia Reneses im Sommer 2017, hat Alba sieben Spiele absolviert, in denen das Team vor dem Ausscheiden stand. Im anglophilen Basketball spricht man dabei von "Do-or-die". In der aktuellen Saison überlebte Alba drei der vier K.-o.-Spiele – zweimal im Eurocup-Viertelfinale gegen Malaga und in Spiel zwei der Finalserie gegen Valencia. Im entscheidenden dritten Spiel gab es gegen das spanische Spitzenteam dann allerdings eine Niederlage.

Alba verhinderte schon mal eine vorzeitige Meisterfeier

In der vergangenen Spielzeit setzte sich Alba im fünften Spiel des Bundesliga-Viertelfinals gegen Oldenburg durch und verhinderte im vierten Finalduell mit den Bayern deren vorzeitige Meisterfeier. Die steig dann jedoch wenige Tage später in München. Die Bilanz in "Do-or-Die"-Spielen lautet also 5:2. Dazu kommen sieben Spiele im BBL-Pokal, wo es pro Runde nur ein Spiel gibt. Davon gewann Alba fünf, verlor allerdings jeweils knapp im Finale.

Dass sich Alba ob der geschrumpften Chancen auf den Titel aufgibt, steht aber auch ohne einen Blick in die Statistik nicht zu befürchten. In den beiden bisherigen Duellen der Finalserie begegneten die Berliner dem Rivalen aus dem Süden auf Augenhöhe. "Es ist nicht so, dass sie uns locker besiegen. Wir sind nah dran", sagte Sportdirektor Himar Ojeda. "Jedes Spiel gegen München war ein großer Kampf und das wird auch am Sonntag so sein."

Zuletzt haben Kleinigkeiten den Ausschlag zugunsten des Favoriten gegeben, mal hatte Alba Pech mit Schiedsrichterentscheidungen, mal verlor das Team in der entscheidenden Phase den Faden. Solche Schwächen sind von den Bayern nicht zu erwarten, wie schon in der gesamten Saison steht das Team nicht für attraktiven Basketball, ist aber ein Vorbild an Stabilität. "Die Bayern haben 40 Minuten ihr Ding gemacht", sagte Franz Wagner. "Die sind eiskalt, egal ob sie vorne oder hinten liegen." Mit dieser Abgezocktheit kann die junge Berliner Mannschaft noch nicht mithalten.

Doch während Trainer Reneses sein Team trotz der Niederlage in Spiel zwei lobte und sagte, es habe schon das Maximum geleistet, sehen einige Spieler noch Steigerungspotenzial. "Ich glaube nicht, dass wir das schlechtere Team sind, denn wir können noch besser spielen", sagte Hermannsson und formulierte einen Vorsatz für Sonntag. Nach den schwachen Leistungen in den ersten beiden Spielen "will ich mein richtiges Gesicht zeigen".

Das gilt im Prinzip auch für Alba als Team. Eine 0:3-Niederlage in der Finalserie würde der begeisternden Saison und den bisherigen Leistungen Albas gegen die Münchner nicht gerecht werden. Das sieht wahrscheinlich selbst Bayerns Sportdirektor Marko Pesic so, auch wenn sich der ehemalige Alba-Profi natürlich eine Münchner Meisterfeier am Sonntag in eigener Halle wünscht. "Wir sind erst im zweiten von fünf möglichen Spielen", sagte Pesic der dpa. "Aber von der Qualität der Spieler und von den Spielweisen ist es das beste Endspiel, das ich jemals in der Bundesliga gesehen habe."

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!