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„In der Halle ist es einfacher, Geld zu verdienen“: Louisa Lippmann und die Herausforderungen im Beachvolleyball
Vor einigen Jahren wechselte die Volleyballerin von der Halle in den Sand. Hier spricht sie über sportliche Fortschritte, finanzielle Herausforderungen und die wachsende Bedeutung von Social Media.
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Mit einem positiv überraschten Gefühl startet Louisa Lippmann in das neue Jahr. Positiv, weil das vergangene Jahr für die 31-jährige Beachvolleyballerin sportlich ziemlich gut lief. Überrascht, weil sie nicht erwartet hatte, dass sie sich mit ihrer neuen Beachvolleyball-Partnerin Linda Bock so schnell einspielen würde. „Natürlich schwingt auch etwas Müdigkeit von der WM mit, aber ich bin sehr stolz.“
Grund für Stolz gibt es allemal, denn das Duo wurde bei der WM im australischen Adelaide im November in der Vorrunde Gruppensieger und setzte sich in der Hauptrunde gegen zwei Neuseeländerinnen durch. Im Achtelfinale musste es sich dann allerdings gegen die Italienerinnen Valentina Gottardi und Reka Orsi Toth geschlagen geben. Da die beiden Deutschen erst seit einem Jahr ein Team bilden, und die deutsche Meisterschaft im September wegen Schulterproblemen von Linda Bock absagen mussten, war das dennoch eine starke Leistung.
„Wir haben uns gut eingegroovt, obwohl wir sehr unterschiedliche Typen sind“, sagt Lippmann. „Ich bin eher die Strukturierte, die viel nachdenkt. Linda hingegen ist ein Freigeist. Auf dem Feld ist das hilfreich, weil sie sich in jede Aktion stürzt und mutig ist.“
Von der Halle in den Sand
Lippmann und Bock kennen sich aber nicht erst, seit sie gemeinsam im Sand spielen, sie waren auch schon zusammen Teil des Nationalteams – damals allerdings noch im Hallenvolleyball. Lippmann entschied sich im Jahr 2022 dazu, von der Halle in den Sand zu wechseln, Bock folgte nach einem Kreuzbandriss 2024. „Für das erste Jahr haben wir gute zusammengefunden“, sagt Lippmann. Als besonderen Erfolg hebt sie die Qualifikation für die Heim-EM im vergangenen Jahr hervor, die das Duo auf dem neunten Platz beendete.
Zugleich kassierten die beiden aber auch einige deftige Niederlagen und mussten Rückschläge verkraften. Bei einem Spiel in der Türkei etwa sprang Lippmann auf einen Stein und zog sich ein Loch im Fuß zu. „Da kann man nicht viel machen. Desinfizieren, verbinden, viel Schmerzmittel nehmen und versuchen weiterzuspielen“, so Lippmann. „Aber auch Niederlagen haben uns nach vorn gebracht. Solche Momente legen offen, wo man steht.“

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Zwischen den Jahren war Lippmann, die in Hamburg lebt, zu Besuch in Berlin, beim Bundesligisten BR Volleys, mit dem sie seit vergangenem Jahr kooperiert. „Es macht unheimlich viel Freude, zuzuschauen. Männer-Volleyball finde ich insgesamt sehr interessant. Das ist eine ganz andere Athletik, Frauen-Volleyball verfolge ich aktuell eher wenig.“
Eine Ausnahme bilden Spiele des SSC Schwerin, bei dem Lippmann einst unter Vertrag stand und der ihr dabei half, auch international Aufmerksamkeit zu erhalten. Fünfmal wurde sie während ihrer Karriere zur Volleyballerin des Jahres gewählt, überdies stand sie bei Vereinen in Russland, China und Italien unter Vertrag.
Eine Quote für einheimische Spielerinnen
In diesen Ländern gibt es – anders als in Deutschland – eine Quote für einheimische Spielerinnen. Lippmann würde es befürworten, wenn eine solche Mindestanzahl auch in Deutschland eingeführt werden würde. „Zu Beginn wäre das vielleicht ein Risiko, weil die Spielerinnen weniger Erfahrung haben als College-Spielerinnen aus den USA. Aber langfristig würde man damit nicht nur die Liga stärken, sondern auch die Nationalmannschaft. Wir haben viele Nachwuchsspielerinnen mit großem Potenzial.“
Im Beachvolleyball ist man noch viel abhängiger vom sportlichen Erfolg.
Louisa Lippmann
Für sie selbst fühlt sich Hallenvolleyball aktuell aber „ziemlich weit weg an“. Sie hat sich längst im Beachvolleyball eingefunden, auch wenn der Übergang nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich herausfordernd war. Vorher war sie bei einem Verein angestellt und erhielt dadurch nicht nur ein monatliches Gehalt, sondern war dort versichert und bekam Wohnung und Auto gestellt.
Nun ist sie selbstständig und muss sich selbst um Sponsoren kümmern. „Ich habe erst beim Wechsel gemerkt, wie viel ,einfacher’ es ist, Geld in der Halle zu verdienen. Im Beachvolleyball ist man noch viel abhängiger vom sportlichen Erfolg.“
Bei Turnieren gibt es zwar Preisgelder und auch der Verband unterstützt die Sportlerinnen. „Aber bei den vielen Reisen, die man im Jahr macht, rechnet sich das kaum.“
Daher würden die sozialen Medien eine zunehmend wichtige Rolle spielen, meint Lippmann. Ihr folgen auf Instagram mehr als 86.000 Menschen, regelmäßig lädt sie auf YouTube Videos hoch, in denen sie Fans in ihren Alltag mitnimmt. „Das war anfangs komisch, aber es ist ein wichtiger Weg, um Reichweite zu generieren. Heutzutage geht es immer mehr darum, sich gut zu vermarkten und den Sponsoren Werbeflächen zu bieten.“
Bei Turnieren sind die Logos ihrer Sponsoren auf Armbinden, Stirnbändern, Bikinihosen und temporären Körpertattoos zu lesen. „Man muss auch ein wenig von dem anbieten, was abseits des Felds passiert“, meint Lippmann. Sie selbst teilt neuerdings viele Fotos von ihrem Hundewelpen Timmy. Für das neue Jahr hat sie sich neben sportlichen Zielen auch vorgenommen, viel Zeit mit ihrem Hund zu verbringen.
Gemeinsam mit Linda Bock will sie „weitere Entwicklungsschritte nehmen“, damit es 2027 mit der Olympia-Qualifikation klappt. Und sie hat auch schon die Spiele in weiter Zukunft im Blick. „Ich würde es Deutschland und vor allem der Hauptstadt von Herzen wünschen, die Spiele auszutragen. Olympia hat eine unglaubliche Kraft, Menschen zu vereinigen, insbesondere in Zeiten der Krisen und Kriege.“
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