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Karim Adeyemi bei Borussia Dortmund: Grenzerfahrungen zwischen Genie und Wahnsinn
Angreifer Karim Adeyemi hat viel Talent, aber zuweilen Probleme mit der Disziplin. Zuletzt machte er Schlagzeilen wegen illegalen Waffenbesitzes. Ob der Dortmunder aus der Affäre die richtigen Schlüsse zieht?
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Es ist schwer Karim Adeyemi zu stoppen, wenn er mit vollem Speed, den Ball am Fuß, in die gegnerische Hälften stürmt. Beides beherrscht er spielerisch. Zunächst den Sprint – in dieser Kategorie ist er einer der Schnellsten der Bundesliga. Hinzu kommt die nötige Technik, das Spielgerät zu Dingen zu verleiten, die er will.
Mit diesen Fähigkeiten hat es Adeyemi weit gebracht. Aktuell gehört er zur Stammbesetzung des Großklubs Borussia Dortmund. Am Dienstag erst glänzte Adeyemi wieder mal als Torschütze in der Champions League, der BVB gewann nicht zuletzt dank seiner Topleistung mit 4:0 gegen die spanischen Abwehrkünstler aus Villarreal. Außerdem gehört er seit einiger Zeit regelmäßig zum Nationalmannschaftskader.
Adeyemi ist darüber hinaus gerade mal 23 Jahre alt und wegen seiner vorgeblich unbekümmerten Verspieltheit in einer anderen Sache zu einem großen Bundesliga-Gesprächsthema geworden. Es geht dabei um illegalen Waffenbesitz. Die FAZ listete zuletzt auf, was sich alles in der von Adeyemi bei TikTok bestellten sogenannten „Mystery-Box“ befunden haben soll: ein Teleskopschlagstock, zwei Sturmhauben, drei Messer, zwei Schlagringe und ein Blendlicht. Von Adeyemi war bisher zu hören, dass er nie vorhatte, diese Dinge zu benutzen.
Doch warum hat er sie erstanden? Zur Selbstverteidigung? Weil er nicht wusste, was sich in einer solchen Box alles ansammeln kann? Oder weil es doch dem Lifestyle eines jungen Mannes entspricht, der es schätzt, sich im Gangsta-Look zu präsentieren, zumindest privat? Adeyemi ist mit der schweizerischen Rapperin Loredana verheiratet und lässt die Welt am Jet-Set-Leben der jungen Familie in den sozialen Medien teilhaben.
Jet-Set-Ehe mit der Rapperin Loredana
Der Strafbefehl wurde bereits am 30. Oktober rechtskräftig, Adeyemi akzeptierte die Strafe von 60 Tagessätzen à 7500 Euro, was sich auf 450.000 Euro summiert. Als vorbestraft gilt er damit nicht. Aber erzählt hat er den Verantwortlichen seines Klubs nichts davon und auch nicht denen der Nationalelf, bei der er sich aufhielt, als die „Bild am Sonntag“ den Fall am 16. November publik machte. DFB-Sportdirektor Rudi Völler sagte dazu: „Das ist naiv oder dumm, egal, wie man es dann nennt.“
Aber Folgen hatte das für Adeyemi weder beim BVB noch beim DFB. Es gab zwar Einbestellungen und Besprechungen in der Causa, aber keine teaminternen Sperren.
Am vergangenen Samstag wurde Adeyemi beim Spiel der Dortmunder gegen den VfB Stuttgart eingewechselt, erzielte kurz vor Schluss das Tor zum zwischenzeitlichen 3:2 und zeigte danach mit schnellem Schließen und Öffnen der rechten Hand die klassische Bla-Bla-Geste, nach dem Motto: Redet ihr ruhig über mich, es belastet mich nicht. Das war das genaue Gegenteil einer reumütigen Einsicht in den Vorfall. Das Schicksal wollte es zudem so, dass Stuttgart noch zum 3:3 ausglich.
Immer wieder gibt es beim BVB Kontroversen um Adeyemi. Mal diskutiert er mit Trainer Niko Kovac am Seitenrand, was bei 80.000 Zuschauern im Stadion und einer Live-Übertragung im Fernsehen natürlich nicht unbeobachtet bleibt. Noch vor Bekanntwerden seines Waffendeals fiel er Ende Oktober nach seiner Auswechslung im Heimspiel gegen Köln dadurch auf, dass er eine Trinkflasche auf die Bank schleuderte. Als Elfjähriger flog er einst aus seinem Nachwuchsteam des FC Bayern, der Grund waren Probleme mit der Disziplin.
Dortmunds Sportchef Lars Ricken betonte zuletzt, dass Adeyemi „eine teure Strafe leisten musste, niemand geschädigt wurde und der Spieler auch weiterhin als nicht vorbestraft gilt“. Das ist ein mildes verbales Urteil, das auch darin seine Ursache haben dürfte, dass Ricken nicht den Marktwert seines Spielers zerstören will. Adeyemis Vertrag läuft noch bis Sommer 2027, inzwischen hat er sich der Berateragentur von Jorge Mendes angeschlossen. Mendes gilt als klassischer Abwickler von Großdeals. Dafür aber ist auch das Image seiner Klienten sehr wichtig.
Am Sonnabend, im Topspiel bei Bayer 04 Leverkusen (18.30 Uhr/Sky), kann Adeyemi wieder an seinem Marktwert arbeiten. Als Spieler, der rasend schnell ist und zudem extrem ballsicher.
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