• Kreative Ideen in der Coronavirus-Krise: Tennis Borussia versteigert Platz auf dem Mannschaftsfoto

Kreative Ideen in der Coronavirus-Krise : Tennis Borussia versteigert Platz auf dem Mannschaftsfoto

Auch der Fußball-Oberligist muss derzeit neue Einnahmequellen auftun. Neben selbstgenähten Masken kommen vor allem Auktionen bei den Fans sehr gut an.

In der hinteren Reihe, dritter von rechts, ist noch ein Platz frei. So bewirbt Tennis Borussia die Auktion auf der eigenen Webseite.
In der hinteren Reihe, dritter von rechts, ist noch ein Platz frei. So bewirbt Tennis Borussia die Auktion auf der eigenen...Foto: Tennis Borussia/Craig Robinson

Der Bierstand hinter dem Fanblock im Mommsenstadion heißt bei den Anhängern von Tennis Borussia seit langem nur Biberstand, benannt nach dem Spitznamen des Verkäufers. Später gründeten sich die Biberstand Boys, eine Musikgruppe, die bekannte Lieder auf den Fußball-Oberligisten umdichtet. Der Titel eines sehr beliebten Liedes lautet „Ich will in die FuWo“. Und weiter im Refrain: „Nur ein Foto von mir.“

Der große Fußball interessiert den Sänger laut Text nicht, er will einfach einmal im Fachblatt „Fußball-Woche“ auftauchen. Den Song hat der Verein nun für eine Aktion in Zeiten der Coronavirus-Krise aufgegriffen. „Hier ist deine Gelegenheit. Zur Auktion steht ein Platz auf dem TeBe-Mannschaftsfoto“, heißt es auf der Webseite.

Die Auktion kommt bestens an

In der dazugehörigen Grafik ist auch schon ein Platz markiert worden: hintere Reihe, dritter von rechts. Das Foto erscheine dann im nächsten Saison-Sonderheft der FuWo, dort werden alle Teams der höheren Ligen abgebildet. „Einen gerahmten Abzug für die Schlafzimmerwand gibt es obendrauf“, verspricht Tennis Borussia.

Die Auktion kommt bestens an, schon in den ersten Stunden ging der Preis von einem auf 600 Euro hoch. Samstagnachmittag stieg er sogar auf 1902 Euro, angelehnt an das Gründungsjahr des Vereins. „Freitagabend hätte ich gesagt, vierstellig wäre super. Dass wir bereits jetzt deutlich drüber sind, ist überwältigend“, sagt Vorstandsmitglied Tobias Schulze. Die Auktion läuft noch bis zum kommenden Freitag.

Durch die Unterbrechung der Saison seit Mitte März hat der Tabellenführer der NOFV-Oberliga Nord das gleiche Problem wie so viele Vereine: Die Kosten laufen weiter, Einnahmen gibt es allerdings in der aktuellen Situation kaum. Erfolgreiche Ideen anderer Klubs wie den Verkauf virtueller Bratwürste oder Geistertickets wollten die Verantwortlichen nicht kopieren.

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„Dann ist uns eingefallen, dass wir noch einige schöne Sachen im Schrank hängen haben“, sagt Schulze. Als erstes ging ein von Ex-Profi Ansgar Brinkmann beim Traditionsmasters im Januar in der Max-Schmeling-Halle getragenes und von ihm signiertes Trikot für 232 Euro weg. Ein guter Preis, findet Schulze, „aber es ist ja auch ein echter Brinkmann.“

Anschließend musste eine Steigerung her, „ein absoluter Kracher“, wie Schulze sagt. Das Mannschaftsfoto! Dies soll nicht die letzte Versteigerung sein. Doch was kann da noch drübergehen? Ein Fan hat bereits angefragt, ob demnächst vielleicht ein Platz im Team bei einem Spiel unter den Hammer kommt.

Sehr großer Beliebtheit erfreuten sich zuvor selbstgenähte Masken mit Vereinslogo. Sie wurden nicht versteigert, sondern verkauft und waren sofort vergriffen. Mehr als 800 Euro brachte zudem eine zweistündige Live-Auktion im Internet, bei der ein langjähriges Mitglied Fanartikel veräußerte, die nicht in Serienproduktion gegangen waren.

Kevin Kühnert ersteigert eine Tischuhr

Schulze schlug bei einem Schlüsselanhänger in Herzform zu, Kostenpunkt 16 Euro. Badeschlappen brachten stattliche 40 Euro. Dem TeBe-Fan und Juso-Chef Kevin Kühnert (SPD) war eine Tischuhr 205 Euro wert. „Ich muss einen Schluck trinken“, sagte der gerührte Hobby-Auktionator vor dem heimischen Bildschirm zwischendurch mit Blick auf die zahlreichen Gebote.

Durch Masken, Auktionen und weitere Ideen kam bislang insgesamt eine fünfstellige Summe zusammen, „das hilft uns sehr, wir sind liquide“, sagt Schulze. Er sieht neben dem finanziellen einen weiteren wichtigen positiven Aspekt bei den vielfältigen Aktionen: „Das Vereinsleben, wie wir es gekannt haben, fällt gerade flach. Aber es bleibt auf eine andere Art erhalten.“

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