Leipzigs Ademola Lookman : Freie Schuhwahl für freie Bürger

Leipzigs Neuzugang Ademola Lookman schlittert gegen Mönchengladbach über den Rasen – und erzielt kurz vor Schluss den 1:0-Siegtreffer

Stolpern und siegen. Ademola Lookman fremdelte mit dem rutschigen Platz, aber im entscheidenden Augenblick war er zur Stelle.
Stolpern und siegen. Ademola Lookman fremdelte mit dem rutschigen Platz, aber im entscheidenden Augenblick war er zur Stelle.Foto: Thilo Schmuelgen/Reuters

Ademola Lookman kam bei der Grundlagenforschung nach seiner Bundesliga-Premiere zu einem eindeutigen Ergebnis: „Der Platz hier war rutschiger als in England.“ Der an feinsten englischen Rasen gewöhnte U-20-Weltmeister hatte es allerdings versäumt, angemessen auf diese Erkenntnis zu reagieren. Lookman war nur mit einem Paar Schuhe aus England nach Leipzig gekommen, und das trug der dann auch, als er im Spiel bei Borussia Mönchengladbach in der 78. Minute eingewechselt wurde. Eigentlich eine unprofessionelle Wahl, doch der vom FC Everton zu Rasenballsport Leipzig gewechselte Offensivspieler ließ sich nicht einmal von seinem Trainer Ralph Hasenhüttl („Er wollte sie nicht ausziehen, was soll ich machen?“) umstimmen. Freie Schuhwahl für freie Bürger also, und so sah der Auftritt des Angreifers dann auch zunächst aus. Hasenhüttl dachte schon daran, den eben aufs glitschige Feld geschickten Lookman nach fünf Minuten wieder herunterzuholen, „weil er nur ausgerutscht ist mit seinen Noppen“.

Doch dann wurde der Engländer noch zum Spielentscheider, als er im Duell an den Gladbacher Verteidigern vorbeizog und in der vorletzten Spielminute zum 1:0-Sieg für die Leipziger traf. Welch ein Glücksfall für den Debütanten, für seinen Trainer, der Lookman auf dem Platz gelassen hatte, und für seine neue Mannschaft, die von den acht Pflichtspielen davor nur eins gewonnen hatte. „Ich hatte mir von ihm genau das erhofft“, sagte Ralph Hasenhüttl, „dass er unbekümmert reingeht und was macht.“

Lookman ist nur bis zum Saisonende vom FC Everton ausgeliehen

Und wie er das machte, dieser gebürtige Londoner nigerianischer Herkunft. Als es galt, lief er den Gesetzen der Schwerkraft einfach davon, suchte die Eins-gegen-eins-Herausforderung und lebte seinen Torinstinkt perfekt aus. „Ich habe immer Vertrauen in meine Fähigkeiten“, sagte Lookman. Die Leipziger präsentierten ihn am Mittwoch in letzter Sekunde als einzige Neuerwerbung der Wintertransferperiode. Ins Schwärmen geriet darüber kaum jemand, da Lookman, in Everton nur selten eingesetzt, in Deutschland bis zum Samstag eine unbekannte Größe war. Das hat sich auf einen Schlag geändert. Auch innerbetrieblich dürfte diese Premiere für Lookman angenehme Folgen haben, die sein Mitspieler Kevin Kampl so beschrieb: „Ademola ist jetzt gleich etabliert in der Mannschaft, das macht nach dieser schönen Geschichte einige Dinge leichter.“

Mag sogar sein, dass der manchmal dickköpfige Lookman am Freitag, beim Heimspiel gegen den FC Augsburg neue Fußballschuhe trägt, mit denen er noch besser Tritt fasst. Sein Engagement für den Klub, der auch in der kommenden Spielzeit in der Champions League dabei sein will, wird nur von kurzer Dauer sein, da ihn Everton für 500.000 Euro nur bis zum Sommer ausgeliehen hat – ohne Kaufoption für die Leipziger. Mag sein, dass RB bis dahin eine Möglichkeit sieht, den von Sportdirektor Ralf Rangnick seit zweieinhalb Jahren beobachteten Briten fest zu verpflichten. Aber das würde wohl teuer werden, da Lookman bis 2021 an den FC Everton gebunden ist.

Trainer Hasenhüttl spürt schon länger, „dass wir auch transfertechnisch vor neuen Herausforderungen stehen“. Schließlich hat sich herumgesprochen, dass RB Leipzig zu den betuchteren Bundesligisten gehört, der zudem im Sommer mit den 75 Millionen Euro planen kann, die der Verein aus dem Transfer von Naby Keita an den FC Liverpool erlöst. Wie wichtig Keita noch immer für die Leipziger ist, weiß seit Samstag auch Ademola Lookman. Schließlich spielte der Guineer den Pass, aus dem der Engländer das Tor des Tages machte.

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