Rundumschlag von Hoeneß und Rummenigge : Die Würde des FC Bayern ist unantastbar

Die Bayern-Bosse setzen zur Medienschelte an – und sind das, was sie bei anderen kritisieren: despektierlich, respektlos, unverschämt. Ein Kommentar.

Rundumschlag. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben die schlechte Presse satt.
Rundumschlag. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben die schlechte Presse satt.Foto: dpa

Muss man sich eigentlich Sorgen um die Bayern machen? Um die natürliche und ewige Nummer eins des deutschen Fußballs, die sich im Moment auf Platz sechs der Fußball-Bundesliga wiederfindet? Seit Freitagmittag lässt sich diese Frage eindeutig beantworten: Nein! Alles bestens. Der FC Bayern München muss sich schon ziemlich sicher sein, dass sich das ganze Krisengerede in Wohlgefallen auflösen wird, dass er am Ende der Saison doch wieder wie gehabt über allen anderen thronen wird – bei allen offenkundigen Problemen der Mannschaft, bei allen Fehlern, die die in die Jahre gekommene Vereinsführung zuletzt gemacht hat. Sonst hätten sich die Herren Karl-Heinz Rummenigge, Uli Hoeneß und Hasan Salihmadzic nicht am Freitagmittag vor die versammelte Presse gesetzt, um zu einer umfassenden Medienschelte anzusetzen. Die Führungsriege verwahrte sich gegen „despektierliche, respektlose, unverschämte Kritik“ – und war am Ende genau das: despektierlich, respektlos und unverschämt.

Man könnte sich die Sache einfach machen und den Auftritt in eine Reihe setzen mit anderen legendären sogenannten Wutreden der Bundesligageschichte, mit Giovanni Trapattonis Flasche-leer-Ausbruch zum Beispiel. Aber genau das wäre zu einfach – und vor allem der Sache nicht angemessen. Die geradebrechte Generalkritik des Italieners Trapattoni hatte zumindest noch eine folkloristische Note. Hoeneß und Rummenigge handelten am Freitag geplant und wohl kalkuliert. Das verleiht ihrer Wut eine andere Qualität und macht sie gefährlich – weil sie eine latente Stimmung im Volk bedient: Die Medien? Lügen doch alle!

Dass die Bayern sich wehren, ist ihr gutes Recht

Um Missverständnissen vorzubeugen: Das Recht der Presse auf freie Berichterstattung schließt nicht das Recht auf falsche Berichterstattung ein. Dass die Bayern sich gegen falsche Darstellungen wehren, ist ihr gutes Recht. Dazu hält unser Rechtssystem auch diverse und durchaus wirkungsvolle Instrumente bereit. Einzelne Journalisten vor laufenden Kameras namentlich an den Pranger zu stellen, das sollte ein Klub wie der FC Bayern, der doch angeblich so viel Wert auf Würde und Anstand legt, eigentlich nicht nötig haben. Es sei denn, man will kritische oder missliebige Berichterstatter einschüchtern, ihnen klar machen, dass es schwer für sie wird, wenn sie ihre Haltung zu den Bayern nicht überdenken.

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Bayern-Bosse: Große Medienschelte, harte Kritik an Bernat
Bayern-Bosse: Große Medienschelte, harte Kritik an Bernat

Das ist der große Irrtum der Münchner in dieser Angelegenheit. Auch wenn sie es nach Jahren des Dauererfolges zunehmend gewohnt sein mögen: So wie sie falsche Berichterstattung nicht akzeptieren müssen, so besitzen sie eben auch kein Anrecht auf ausschließlich wohlwollende Berichterstattung. Wer schon Rechercheanfragen von Journalisten als respektlos begreift, offenbart ein sehr seltsames Verständnis von der Aufgabe und der Arbeitsweise der freien Presse. Da kann sich Uli Hoeneß, der Präsident der Bayern, noch so oft als großer Demokrat bezeichnen, wie er es am Freitag getan hat, und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sogar das Grundgesetz bemühen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ In Wirklichkeit meinte er natürlich: Die Würde der Bayern ist unantastbar.

Bernat habe einen "Scheißdreck" gespielt, sagt Hoeneß

Selbst für einen Ex-Bayern wie Juan Bernat, der den Verein im Sommer verlassen hat, gilt Artikel eins des Grundgesetzes nur noch eingeschränkt. Einen Scheißdreck habe Bernat in der vorigen Saison gegen Sevilla gespielt, sagte Hoeneß, kaum dass er sich zum Verteidiger der guten Sitten aufgespielt hatte. Ist das jetzt despektierlich, respektlos oder doch schon unverschämt? Was war mit Hoeneß’ Aussage, dass Mesut Özil seit Jahren nur „Dreck“ gespielt habe, dass ein Foul des Leverkuseners Karim Bellarabi „geisteskrank“ gewesen sei? Und wie soll man es nennen, wenn Hoeneß über Piotr Trochowski sagt: „Der kann normalerweise keine zwei Sätze geradeaus sprechen, und jetzt spricht er über Fußball-Politik“?

Es wäre zu einfach, den Auftritt vom Freitag mit den herkömmlichen Kategorien zu bewerten. Es wäre zu einfach, in der Attacke der Bosse nur ein geschickt gesetztes Ablenkungsmanöver zu sehen, um die Aufmerksamkeit von der kriselnden Mannschaft und dem in der Kritik stehenden Trainer abzuziehen. Dazu haben die Bayern zu einem Mittel gegriffen, das nicht mehr verhältnismäßig war.

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