Skandal-Video des Hertha-Angreifers : Nicht nur Salomon Kalou hat sich blamiert

Fußballer Salomon Kalou verhöhnt durch sein Video die Corona-Maßnahmen. Sein Ex-Klub Hertha BSC gibt dabei ebenso ein schlechtes Bild ab. Ein Kommentar.

Künftig ist nicht einmal mehr auf der Bank ein Plätzchen für Salomon Kalou.
Künftig ist nicht einmal mehr auf der Bank ein Plätzchen für Salomon Kalou.Foto: Matthias Koch

Herrje, immer wieder Hertha. Jetzt hat Berlins großer Fußballklub auch noch eine Coronakrise. Gottlob nicht wegen irgendeiner Infektion, sondern wegen des Umgangs mit den Regeln. Von wegen Abstand, Hygiene, Vorsicht - 25 Minuten Facebook live mit Salomon Kalou als Moderator zeigen nichts davon, im Gegenteil.

Stattdessen mangelnde Schutzausstattung und Nähe und Körperkontakt zu anderen Spielern, darunter Kapitän Vedad Ibisevic, und zu einem Vertreter des Trainerstabs. In diesen Zeiten sowieso ein No-Go. Alle Normalbürger müssen sich an die Regeln halten - Sportstars (und manche Politiker) nicht?

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Dann auch noch die Geschichte mit dem Gehaltsverzicht, der ja vorher werbewirksam in Szene gesetzt worden war. Erkennbar fühlen sich die Spieler über den Tisch gezogen; unabhängig von der falschen Abrechnung, die offenbar erst durch das Video entdeckt wurde.

Die Hertha-Führung hätte mal besser nicht von der „Verfehlung eines einzelnen Spielers“ gesprochen. Denn als wäre das nicht schon ärgerlich genug, kommt auch das Bild nach außen hinzu, das die Hertha damit abgibt.

Es wird noch schwieriger, dem Anspruch vom Investor Windhorst gerecht zu werden

Es wirkt unprofessionell, und sorglos.

Die anderen Vereine in der DFL - und deren Fans - werden sich schon noch bedanken. Auf die eine oder andere Weise. Später, wenn es wieder geht, auch im Stadion, ist zu vermuten.

Und das in einer Saison, in der so vieles schon daneben gegangen ist. Der vierte Trainer, Abstiegsgefahr, das Klinsmann-Desaster und die Nachwirkungen.

Alles das ist noch nicht wirklich in den Gremien aufgearbeitet. Es wird nun noch schwieriger werden, dem Anspruch des Investors Lars Windhorst gerecht zu werden.

Das Thema „Big-City-Club“ wird wieder eines werden - und die Klub-Verantwortlichen einholen.

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