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Gianluigi Buffon schaut auf Irland und nicht zum Spiel Spanien gegen Kroatien.

© Reuters

Die Spiele des Abends: Spanien, Italien oder Kroatien: Wer kommt weiter?

Entscheidung in der Gruppe C: Die Italiener fürchten einen torreichen Nichtangriffspakt im Parallelspiel zwischen Spanien und Kroatien. Dabei muss Italien gegen Irland selbst erst einmal das Taktieren einstellen.

837 Pässe – in Worten: achthundertsiebenunddreißig – haben die Spanier in ihren ersten beiden EM-Spielen im Schnitt gespielt. Damit hat sich ihr Klein-klein-Fußball, mit dem sie bei der EM 2008 durchschnittlich 544 und bei der WM vor zwei Jahren in Südafrika 681 Pässe spielten, zu einem Klein-klein-klitzeklein-Fußball entwickelt. Die Kroaten sind fest davon überzeugt, diesen Spielfluss unterbrechen zu können. Trainer Slaven Bilic verkündet: "Psychisch sind wir sehr stark, aber wir haben auch viel Kraft." Es könnte allerdings sein, dass diese Kraft den Kroaten irgendwann ausgeht. Irgendwo zwischen den spanischen Pässen 662 und 714. Wer möchte, kann ja mitzählen.

Italiens und die Kultur des Misstrauens

In ihrem letzten Gruppenspiel geht es für die Italiener um die Wurst, vor dem Anpfiff ist allerdings hauptsächlich von Keksen die Rede. Im in Sachen Spielmanipulation nicht unerfahrenen Italien nennt man eine stillschweigende Übereinkunft zwischen zwei Mannschaften „biscotto“ („Keks“). Ein solches Gebäck könnten Spanien und Kroatien im zweiten Spiel der Gruppe C aus dem Ofen zaubern: Wenn sie sich 2:2 oder 3:3 trennen, könnten die Italiener gegen Irland noch so hoch gewinnen – und wären trotzdem ausgeschieden. „Wir haben eine Kultur des Misstrauens“, sagt Trainer Cesare Prandelli über die Verschwörungstheorien in der Heimat. „Wir müssen unsere Partie gegen Irland gewinnen. Das ist unsere Pflicht. Über andere Resultate spekuliere ich nicht.“

Prandellis Kapitän Gianluigi Buffon äußerte sich noch eindeutiger: „Biscotto hier, biscotto da – als ob wir schon gegen Irland gewonnen hätten“, schrieb der Torwart auf seiner Facebook-Seite. „Wir denken an uns und versuchen zu gewinnen.“ Der Rest sei „heiße Luft, Thekengeschwätz, Mutmaßungen Mittelmäßiger und Argumente der Verlierer“. Nach zwei Unentschieden gegen Spanien und Kroatien müssen die Italiener ihre eher defensive Grundeinstellung gegen die ebenfalls sehr defensiven Iren aufgeben, Prandelli spricht vor der Partie von drei bis vier möglichen Umstellungen in der Mannschaft. Wahrscheinlich wird sich der 54-Jährige von seiner Dreierabwehrkette verabschieden, die Rückkehr zum früheren 4-3-1-2-System gilt als sicher.

Der frühere Wolfsburger Andrea Barzagli, der sich im letzten EM-Test eine Wadenzerrung zugezogen hatte, hat sich fit gemeldet und könnte in die Startelf rücken. Der zuletzt nicht überzeugende und zudem leicht angeschlagene Angreifer Mario Balotelli wird wohl zunächst auf der Bank bleiben. Für ihn würde der erfahrene Antonio di Natale stürmen, dem das 1:0 gegen Spanien gelungen war. Die bereits ausgeschiedenen Iren wollen sich mit Anstand aus dem Turnier verabschieden, die irischen Fans interessieren sich ohnehin nicht wirklich für Wurst oder Kekse, sondern hauptsächlich für Bier. (Tsp)

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