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Ständige Regelverstöße bei der Vierschanzentournee: Das Skispringen hat ein wachsendes Imageproblem
Am Dienstag endet die 74. Vierschanzentournee. Aber weil es sportlich an Spannung fehlt, stehen vor allem die Grenzüberschreitungen beim Material im Fokus. Ein Deutscher hofft indes auf ein Happy End.
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Bei der 74. Vierschanzentournee liegt bislang die größte Aufmerksamkeit auf den slowenischen Springern. Einerseits ragt Domen Prevc heraus, der vor dem letzten Springen in Bischofshofen am Dienstag (16.30 Uhr, ARD und Eurosport) die Gesamtwertung mit 41,4 Punkten Vorsprung auf den Österreicher Jan Hörl anführt. Mit 0,3 Punkten Rückstand folgt Hörls Landsmann Stephan Embacher.
„Wenn Domen Prevc keinen großen Fehler macht oder er durch Umwelteinflüsse ‚abstürzt‘ – was ich nicht hoffe –, dann ist er wohl unschlagbar“, sagt Eurosport-Experte Markus Eisenbichler.
Das slowenische Team steht aber auch deshalb im Fokus, weil Timi Zajc wegen zwei Verstößen bei den Anzügen nach den Springen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen die neu eingeführte Rote Karte gesehen hatte. Für die Wettbewerbe in Innsbruck und Bischofshofen wurde er damit gesperrt.
Norwegischer Experte kritisiert Landsleute
„Da habe ich zwei Worte für: respektlos und dumm! Das beschreibt genau das, was dieser Typ ist“, äußerte Sven Hannawald in einem Interview mit Sport 1 seinen Unmut. Der bis dato letzte deutsche Gesamtsieger aus dem Jahr 2002 kritisiert: „Bei solchen Beispielen fehlen mir echt die Worte. Er scheint allgemein sehr kompliziert zu sein und in seiner eigenen Welt zu leben.“
Bei den Weltmeisterschaften in Trondheim im Februar und März 2025 wurde der Anzugskandal des Gastgeberlandes öffentlich. Und auch aktuell wird fast mehr über Anzüge und Verstöße gesprochen als über die sportlichen Leistungen. Das Skispringen hat aktuell ein großes Imageproblem.

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Zumal Zajc nicht der Einzige ist, der in den vergangenen Tagen negativ aufgefallen ist. Die Norwegerin Anna Odine Strøm hatte bei der Two-Nights-Tour der Frauen eine zweite Sohle gelegt. „Je höher man auf dem Schuh steht, desto tiefer kann man den Anzug tragen und desto tiefer sitzt der Schritt. Ein Zentimeter weniger Schritt als üblich ist ein großer Vorteil“, sagte der frühere Skiflug-Weltrekordler Johan Remen Evensen dem norwegischen Medium NRK.
Er bewertete das Verhalten als „einfach nur schwach“. Begründet wurde die Einlage mit einer Schiefstellung der Hüfte. Allerdings wurde diese erst nach der Kontrolle eingereicht.
Ihr Landsmann Halvor Egner Granerud fiel zudem mit einem zu kurzen Ski auf. Die Skier des Polen Pawel Wasek waren unrechtmäßig mit Fluor gewachst worden. Fluor ist seit mehr als zwei Jahren aus Umwelt- und Gesundheitsgründen bei Wettbewerben des Internationalen Skiverbands (Fis) verboten, war bislang jedoch eher im Langlauf oder bei den alpinen Skiern angewendet worden.
Schafft Felix Hoffmann noch den Sprung aufs Podest?
Horst Hüttel, Sportdirektor des deutschen Teams, lobt die verbesserten Kontrollen der Fis, die nach dem WM-Skandal stark in der Kritik stand. „Ich finde, man hat das Gefühl, die Fis hat es deutlich besser im Griff als die vergangenen drei Jahre“, sagte er. Das deutsche Team war bislang nicht negativ aufgefallen.
Was das Sportliche angeht, ebbte die Aufregung um die DSV-Springer allerdings auch mit jedem Springen etwas mehr ab. Nach dem dritten Platz durch Felix Hoffmann in Oberstdorf fehlten nicht nur auf den Führenden Domen Prevc, sondern auch auf die besten Springer aus Österreich und Japan stets ein paar Meter.
Eurosport-Experte Eisenbichler sagt über die Podiumschancen von Hoffmann, der aktuell mit 13,7 Punkten Rückstand auf Platz drei Fünfter ist: „Er muss einfach bei sich bleiben, dass sein Sprung passt und er ins Fliegen kommt. Dann ist vieles drin, in Bischofshofen ist schon viel passiert. Der Sieg wird sich nicht mehr ausgehen, aber ich würde hoffen, dass er am Ende der Tournee auf Platz zwei oder drei steht.“
Dann würde ihm zum Abschluss noch mal große Aufmerksamkeit zuteilwerden. Falls nicht wieder einmal Diskussionen um das Material den Sportlern die Show stehlen.
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