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VfB-Manager Fabian Wohlgemuth liegt falsch : Der Transfer von Nick Woltemade war erst der Anfang
Nick Woltemade wechselte für sehr viel Geld nach England. Stuttgarts Manager hält den Transfer für „historisch“ und „einmalig“. Dabei ist es die neue Normalität im Fußball.

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Beim VfB Stuttgart vermisst man den großen Stürmer mit den feinen Füßen, es machte Spaß, Nick Woltemade beim Fußballspielen zuzuschauen. Nun spielt er ebenso erfolgreich in England, bei Newcastle United, einem größtenteils vom saudischen Staatsfonds PIF finanzierten Klub.
Geld spielt dort keine Rolle. Schlappe 75 Millionen Euro soll der Klub für ihn bezahlt haben, mit Bonuszahlungen könnte sich die Gesamtsumme auf rund 90 Millionen Euro erhöhen.
Blickt man zurück auf das vergangene Jahr, ist dies aus deutscher Sicht neben dem Wechsel von Florian Wirtz (für 125 Millionen Euro von Leverkusen nach Liverpool) der aufsehenerregendste Transfer gewesen – auch deshalb, weil der FC Bayern an dem Spieler interessiert war, aber gegen den finanzkräftigeren Konkurrenten aus England keine Chance hatte (genauso wie im Fall Wirtz).
Blickt man wiederum auf das Jahr 2026, lehnt man sich mit der Annahme nicht zu weit aus dem Fenster, dass Transfers aus der Bundesliga ins Ausland in Woltemade-Dimensionen häufiger vorkommen werden.
Vor diesem Hintergrund überrascht die jüngst vom erfolgreichen VfB-Manager Fabian Wohlgemuth getätigte Aussage, der Transfer von Woltemade sei „historisch“ gewesen. „So eine Konstellation mit all den Einflussfaktoren wird wahrscheinlich einmalig bleiben.“
Wohlgemuth meinte damit wohl auch das penetrante Werben der Bayern und das Vorpreschen von Newcastle mit der horrenden Ablöse. Aber „historisch“, „einmalig“?
In die Aktie Profifußball wird immer mehr Geld gesteckt. Mit dem aggressiven Einstieg arabischer Staaten und Investoren in den Fußballmarkt bläht sich die Blase immer weiter auf. Wobei sich die Frage stellt, ob es sich überhaupt um eine Blase handelt.
Die Motive der Investoren, so zwiespältig man sie betrachten mag, haben Substanz. Das schöne Spiel kann dabei helfen, über manche Missstände hinwegzusehen. Wenn italienische Teams ihren Pokal in Riad ausspielen und wenn in Katar oder Saudi-Arabien eine WM ausgetragen wird, kann die (menschenrechtliche) Lage dort so schlimm doch nicht sein – so zumindest das Kalkül.
Außerdem begeistert Fußball Milliarden Menschen, die Vermarktungsmöglichkeiten sind nach wie vor gewaltig, und es gibt wenig Gründe anzunehmen, dass sich dies in naher Zukunft ändern sollte. Etwa, weil sich der Fußball mit seinen horrenden Ablösen und Gehältern sowie den immer teurer werdenden Tickets von den Menschen entfremdet? Wohl kaum.
Abgesehen von einigen Kritikern, vor allem aus dem europäischen Raum, ist es den meisten Fußballfans völlig egal, ob Lionel Messi bei einer WM in Deutschland oder in Katar kickt – auch wenn das Stadionerlebnis immer exklusiver wird. Die großen Spiele bei der WM in diesem Jahr etwa sind nur noch etwas für die Gutbetuchten.
Fabian Wohlgemuth darf sich jedenfalls schon einmal gefasst machen. Beim VfB Stuttgart gibt es Spieler mit riesigem Entwicklungspotenzial, etwa den Nationalspieler Angelo Stiller oder – vielleicht sogar noch mehr – die jungen Verteidiger Finn Jeltsch oder Luca Jaquez.
Gut möglich, dass in diesem Jahr Topklubs wie Borussia Dortmund oder der FC Bayern ein Auge auf diese Spieler werfen – und dann ein noch größerer (weil reicherer) Klub kommt und ein unmoralisches Angebot macht, das Wohlgemuth und der VfB nicht ablehnen können. Nein, die vielen Woltemade-Millionen waren nicht einmalig. Es kommt sehr bald noch viel mehr.
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