Vorschau auf die Bundesliga-Saison : Zander, Zingler und die gefüllten Eier

Hertha schlägt Bayern – und verliert das Derby gegen Union! Eine Vorschau auf die neue Saison. Natürlich rein fiktiv.

Frank Lüdecke
Rettet tatsächlich Frank Zander die Stadionpläne von Hertha BSC?
Rettet tatsächlich Frank Zander die Stadionpläne von Hertha BSC?Foto: Imago

Gareth Bale versucht es noch einmal über die linke Seite. Aber es scheint, als würde er selbst nicht mehr an sich glauben. Zu oft ist die Last-Minute-Verpflichtung Bayern Münchens von Lukas Klünter abgelaufen worden. So entwickelt sich das erste Heimspiel der neuen Saison zum Desaster für den Rekordmeister. Ivan Perisic fuchtelt an der Seitenlinie mit den Armen, er ist noch nicht spielberechtigt. Aber nachdem Dodi Lukebakio den dritten Treffer für Hertha BSC erzielt hat, lässt auch die Last-Second-Verpflichtung Neymar den Kopf hängen. Es läuft einfach nicht. Fehlstart! Das Gesicht von Uli Hoeneß wird noch länger als die Pässe Jerome Boatengs, die allesamt im Seitenaus landen. Er kündigt Konsequenzen an.

In Berlin dagegen läuft die Presselandschaft heiß. Hertha BSC: Ein „Big-City-Club“! Wohin des Weges? Europa League? Champions League? Meisterschaft?

Der Erfolg bringt auch noch mal Bewegung in die Stadionfrage. Berlins Sportsenator Andreas Geisel erklärt, das Land könne einem Neubau von Hertha BSC möglicherweise doch zustimmen, solange der Verein seine Heimspiele im Olympiastadion austrage. Michael Preetz reagiert verhalten.

Am zehnten Spieltag erfolgt das mit Spannung erwartete Stadt-Derby: Union gegen Hertha. Es gab bereits im Vorfeld Probleme. Union mochte nicht an einem historischen Tag wie dem 9. November Fußball spielen. Weil Geschichte wichtiger als Sport sei. So findet das Spiel nun am 2. November statt. Wie die AOK mitteilt, handelt es sich beim 2. November 2019 um den sogenannten „Gefülltes-Ei-Tag“. Ein weltweites Event! Ein Tag, an dem es sich besonders anbieten würde, gefüllte Eier zu essen. Diesen Umstand hatten die Planungsverantwortlichen vollständig übersehen. Nach Überprüfung durch Vereinsvorstände und die DFL einigt man sich aber, das Spiel trotzdem stattfinden zu lassen.

Schon im Vorfeld taucht in der Stadt ein Flugblatt auf, das sowohl die Bedeutung der kapitalistischen Lebensweise für das Erdklima offen legt, als auch die Rolle taurinhaltiger Limonade für die Verhinderung eines archaischen Fußballkonzeptes. Während sich die Vollprofis aus Westend minutiös und unter Bereitstellung modernster Trainingstechnik vorbereiten, geht es in Köpenick gemächlicher zu. Hier verkaufen die Spieler Selbstgebackenes auf dem Trainingsgelände, um sich noch ein wenig dazu zu verdienen.

Für Dortmund geht es bergab

Die Herthaner sind überrascht, wie lange der Mannschaftsbus fährt, ohne die Stadtgrenzen zu verlassen. Einige ausländische Spieler wähnen sich bereits in Polen. Einig sind sich aber alle, wie grün der Bezirk sei. Während des Spiels sind die Herthaner zunehmend verwirrt, dass es in einem Fußballstadion so laut zugehen kann. Sie verlieren irgendwann die Nerven und schließlich auch das Spiel. Es endet 3:2 für Union. Durch einen Freistoß von Anthony Ujah in letzter Sekunde. Die Köpenicker jubeln über den Erfolg gegen die Kapitalisten aus dem Westen und schwenken überschwänglich ihre Trikots in die Höhe, auf denen der Name eines luxemburgischen Immobilienunternehmens zu erkennen ist, das – Gerüchten zufolge – auch einst für die finanzielle Ausstattung des Hertha-Investors Lars Windhorst verantwortlich zeichnete. Komplizierte Angelegenheit. Nach dem Derby meldet sich erneut Sportsenator Geisel: Im Falle des geplanten Stadionneubaus prüfe man derzeit den Standort eines stillgelegten Klärwerks in Lübars. Genaueres könne er noch nicht sagen.

Bis zur Winterpause hat sich der Rückstand von Bayern auf Borussia Dortmund auf stattliche 14 Punkte ausgeweitet. Hoeneß reagiert. Auf einer Pressekonferenz gibt sich der Präsident kryptisch: Wo viel Schatten ist, muss viel Licht verborgen sein, zitiert er Laotse. Während die Medienlandschaft noch mutmaßt, was mit diesem Rätsel gemeint sein könnte, ist Niko Kovac 20 Minuten später entlassen. 48 Stunden später ist er bereits Trainer von Anorthosis Famagusta. Der neue Mann an Bayerns Seitenlinie, Ernesto Valverde, fordert im Kader der Bayern einige kleine Nachjustierungen. So werden in der Winterpause Kai Havertz, Timo Werner, Coutinho und Ousmane Dembele für insgesamt 600 Millionen Euro nachverpflichtet.

Borussia Dortmund startet in die Rückrunde mit einer empfindlichen Heimniederlage gegen den FC Augsburg. Danach geht es weiter bergab. Bei den Herthanern gibt es dagegen Neues zu berichten: Während es bislang in den Rückrunden stets zu unerklärlichen sportlichen Einbrüchen gekommen war, setzt die Misere diesmal bereits zum Ende der Hinrunde ein. Auch wird die Verletztenliste immer größer. Während man zu Saisonbeginn noch den Ausfall von Boyata, Dilrosun, Maier, Pekarik und Plattenhardt zu beklagen hatte, fehlt nun bereits der halbe Kader. Man ist gezwungen, das Team mit einigen begabten Junioren aufzufüllen, was die Spielstärke der Mannschaft nicht unbedingt erhöht. Trainer Ante Covic kündigt an, der in den letzten Jahren immer wieder auftretenden Verletztenmisere entgegenzuwirken und die Trainingssteuerung von externen Experten überprüfen zu lassen, sobald dafür Zeit sei.

Bei Hertha herrscht Erleichterung

Am 34. Spieltag überholt Bayern Münchens renovierter Kader die verunsicherten Dortmunder. Das Team von Lucien Favre verliert sein letztes Heimspiel gegen Hoffenheim durch ein äußerst unglückliches Eigentor von Mats Hummels. Uli Hoeneß tanzt ausgelassen auf dem Marienplatz und kündigt für die neue Saison eine Transferoffensive an.

Union beendet die Saison auf einem hervorragenden elften Platz. Man hat zwar in der Ferne selten Land gesehen, ist aber zu Hause stets eine Macht geblieben. Um noch einmal die antikapitalistische Ausrichtung des Vereins hervorzuheben, veranlasst Präsident Zingler, für das letzte Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf den Bratwurstpreis von 2,50 Euro auf 2,20 Euro senken zu lassen.

Auch bei Hertha herrscht eine gewisse Erleichterung. Man hat das letzte Spiel der Saison – nicht wie so oft – zu Hause verloren! Es war ein Auswärtsspiel, gegen Gladbach. Nach einer standesgemäßen Rückrunde fällt man in der Endabrechnung von einem zwischenzeitlich vierten Platz auf den zehnten zurück. Manager Preetz will von Enttäuschung nichts wissen. Man hat sich gegenüber der Vorsaison verbessert und stünde sogar einen Platz vor Union, womit die Gewichtung im Berliner Profifußball eindeutig geklärt sei. Außerdem könne man Ziele nicht verfehlen, die gar nicht ausgerufen wurden. Das sei unfair und den überzogenen Erwartungen der Berliner Medienlandschaft geschuldet.

Überraschend meldet sich noch einmal Sportsenator Geisel mit einem neuen Vorstoß in der Stadionfrage. Man sei bereit, das Gelände einer ehemaligen Mülldeponie in Lichtenberg zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung dafür sei, dass Hertha BSC eine neue S-Bahn-Linie ab Bahnhof Friedrichsfelde-Ost finanziere. Darüber hinaus müsse der Bundesligist in einem Nutzungsplan deutlich machen, welche Künstler in den kommenden Jahren im Olympiastadion auftreten könnten. Frank Zander erklärt sich spontan bereit.

Der Kabarettist Frank Lüdecke ist seit diesem August Chef der Berliner „Stachelschweine“ und schreibt jeden Montag im Tagesspiegel über die Bundesliga.

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