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Viktorias Erfolgstrainer Thomas Herbst.

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Viktoria-Trainer Thomas Herbst: "Wir dürfen nicht anfangen zu träumen"

Ex-Bundesliga-Profi Thomas Herbst ist Trainer beim aufstrebenden Berliner Traditionsverein BFC Viktoria. Im Interview spricht er über die aktuelle Entwicklung des Oberligisten, der auf dem Weg ist, sich als dritte Kraft im Berliner Fußball zu etablieren.

Herr Herbst, Sie sind mit neun Punkten aus drei Spielen in die Rückrunde gestartet, haben gerade den Spitzenreiter Torgelow geschlagen. Was macht die Mannschaft jetzt anders als in der Hinrunde? 

Zunächst mal hatten wir als Aufsteiger gewisse Anpassungsprobleme in der neuen Liga, was sicherlich normal ist. In der Hinrunde konnten wir uns deshalb oft nicht behaupten. Wir haben aber eine stetige Entwicklung genommen und sind inzwischen gefestigt.  Auch die Winterneuzugänge Breitkopf, Lamotte und Lemke spielen eine wichtige Rolle. Jetzt müssen wir uns noch auswärts beweisen, bisher waren wir vor allem zu Hause erfolgreich.

Fabian Lamotte hat mal in der Bundesliga für Schalke 04 gespielt, ein Ex-Profi für die Oberliga also. Welche Rolle kann er bei Viktoria spielen?

Er hat eine Achillessehnen-Operation hinter sich und muss sich erst noch stabilisieren. Man sieht aber schon im Training dass er eine hohe Qualität hat. Allein schon dadurch, dass er kaum Ballverluste hat. Das klingt banal, aber genau darum geht es. Ich hoffe, dass der ein oder andere sich diesbezüglich noch was bei ihm abschauen kann.  

Sind seine Probleme mit dem ungewohnten Kunstrasen nun überwunden?

Das ist noch ein bisschen fraglich. In den Wintermonaten haben wir ausschließlich auf hartgefrorenem Kunstrasen trainiert, das ist natürlich ungünstig für die angeschlagene Achillessehne. Aber inzwischen hatten wir schon die ersten Einheiten auf Rasen.  

Im Berliner Pokal sind Sie als einer der Topfavoriten überraschend im Achtelfinale ausgeschieden. Wie sehr schmerzt diese Niederlage?

Das war schon eine große Enttäuschung. Aber es ist auch eine undankbare Aufgabe, unter der Woche, bei Flutlicht und auf Kunstrasen. Das soll keine Ausrede sein, aber man sieht ja auch am Berliner AK, wie schwer die sich gegen Club Italia aus der Landesliga getan haben (2:1 nach Verlängerung, Anm. der Redaktion). Aber vielleicht erweist sich das Pokal-Aus ja im Nachhinein noch als Vorteil, weil wir jetzt keine Doppelbelastung mehr haben.

Auf die Plätze drei und vier, die wohl zum Aufstieg reichen werden, haben Sie aktuell sieben Punkte Rückstand. Ist das noch machbar?

Es ist natürlich schwierig in so einer Liga so einen Rückstand aufzuholen, weil die anderen eine große Stabilität haben. Wir müssen auf uns selbst schauen und dürfen natürlich nicht schwächeln, wenn es zu den direkten Duellen kommt. Wir haben gezeigt dass wir jeden schlagen können.

Viele Szenarien sind denkbar, aber wichtig sind die eigenen Hausaufgaben

Sogar der fünfte Platz könnte reichen, wenn Hansa Rostock aus der Zweiten Liga absteigt und deren Reserveteam dadurch der Aufstieg in die Regionalliga verweigert wird. Beschäftigen Sie sich mit solchen Szenarien?

Es wäre fahrlässig, sich nicht damit zu beschäftigen. Trotzdem ist es als Trainer wichtig sich aufs Tagesgeschäft zu konzentrieren und dort die entsprechenden Hürden zu nehmen. Am Ende nutzt ja alles nichts, wenn man seine eigenen Hausaufgaben nicht macht.

Und horchen Sie sich auch mal um, wie es mit den Ambitionen der Konkurrenten an der Tabellenspitze aussieht? Es wäre ja nicht das erste Mal, dass ein Aufsteiger verzichtet.

Es interessiert einen schon, schließlich kann man immer gewisse Resthoffnungen haben, dass vielleicht jemand zurückzieht.  Deshalb ist es aber umso wichtiger für uns, selbst nicht zu patzen und den Platz, den wir jetzt haben, zu halten und zu stabilisieren. Wir dürfen uns nicht mit zu vielen Nebensächlichkeiten beschäftigen.

Das Logo des Oberligisten BFC Viktoria 89.

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Sie kennen sich sowohl im Profi- als auch im Amateurfußball aus. Als Spieler waren Sie in den 80er Jahren unter anderem bei Bayern München und Borussia Mönchengladbach, als Trainer haben Sie im Berliner Fußball viel erlebt. Welcher dieser Erfahrungsschätze hilft Ihnen als Trainer von Viktoria mehr?

Ich denke, dass ich durch alle Ligen durch sehr viel erleben durfte. Und vieles davon kann ich bei Viktoria einbringen, sei es die Stabilität bei Bayern München oder die Aggressivität von Borussia Mönchengladbach.  Man kennt die Unterschiede und auch die Rückschläge. Das Pokal-Aus zum Beispiel war eine große Enttäuschung für die Mannschaft.  

Bei Tennis Borussia, Ihrer letzten Station vor Viktoria, stiegen Sie in die Regionalliga auf. Ein Jahr später endete Ihre Zeit dort mit Insolvenz und Zwangsabstieg.  Auch davor waren Sie bei Vereinen in denen es eher turbulent zuging, unter anderem Türkiyemspor.  Steht der Aufschwung bei Viktoria auf einem stabilen Gerüst?

Ich denke dass wir nicht nur im fußballerischen Bereich sondern auch im Organisatorischen ein gute Stabilität haben. Es gibt kleine Dinge, die noch im Niveau angehoben werden könnten, aber es ist auch wichtig, dass der familiäre Touch erhalten bleibt. Man sieht, dass die Tendenzen ganz klar nach oben zeigen, die Ziele werden mit Ruhe und Stabilität erreicht.

Ihr Präsident hat im vergangenen Sommer von einem Drei-Jahres-Plan für den Aufstieg in die Regionalliga gesprochen, damit sich der Verein gleichmäßig weiterentwickeln kann. Jetzt könnte es schon im ersten Anlauf klappen. Käme der Aufstieg vielleicht zu schnell?

Noch ein Jahr Oberliga würde dem Verein sicherlich gut tun, aber die Chance mit den vielen Aufstiegsplätzen sollte man schon nutzen. Der Aufstieg ist ja auch kein Wunschkonzert. Wichtig ist vor allem, dass man der Schnelligkeit auch folgen kann. Tempo und Qualität sind höher in der Regionalliga, da müssen wir gleich wieder ein anderes Niveau annehmen. Wir müssen realistisch an neue Aufgaben herangehen und nicht anfangen zu Träumen, vom Durchmarsch in die Dritte Liga oder so. Das ist auch wichtig für die Außendarstellung, um wechselwilligen Spielern zu signalisieren, dass bei uns solide und zuverlässig gearbeitet wird.

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