Wolfgang Kubicki im Interview : "Bei Union geht es um Fußball, nicht um Kommerz"

Wolfgang Kubicki sponsert Holstein Kiel, liebt Eintracht Braunschweig – und schwärmt für den 1. FC Union Berlin. Ein Interview.

Wolfgang Kubicki (rechts, mit Mike Krüger) hat nicht nur ein Herz für Holstein Kiel.
Wolfgang Kubicki (rechts, mit Mike Krüger) hat nicht nur ein Herz für Holstein Kiel.Foto: promo

Herr Kubicki, Sie waren nun schon häufiger im Stadion An der Alten Försterei. Was sucht man dort als FDP-Politiker?

Bei Union Berlin geht es in erster Linie um Fußball und nicht um Kommerz, das sind alles handfeste Jungs hier. Das Stadion hat meiner Frau auch gut gefallen. Und die Stimmung im Stadion ist sensationell, etwa vergleichbar mit St. Pauli.

Wie wurden Sie auf Union aufmerksam?

Wie der Kontakt zustande kam, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls war ich zum ersten Mal im Stadion, als Union gegen Kiel gespielt hat. Seither beschäftige ich mich intensiver mit der Geschichte Unions.

Die Hertha interessiert Sie nicht?

Ich bekomme natürlich die Rivalität zwischen Hertha und Union mit; in der Stadt gibt es nur „Eisern“ oder Hertha. Und es ist nicht gerade günstig in Berlin, was die Mehrheitsverhältnisse angeht, zu erklären, man findet Union besser als Hertha.

Dann wissen Sie ja auch, wer sich nicht vom Westen kaufen lässt, wie es in der Union-Hymne heißt.

Das Fanverhalten, sich gegen bestimmte Bestrebungen zu wehren, finde ich voll in Ordnung. Es hat mich beispielsweise fasziniert, dass Unioner und Kieler beim vergangenen Duell die ersten 20 Minuten komplett geschwiegen haben. Der Deutschen Fußball-Liga zu dokumentieren, dass es eigentlich mehr um Fußball gehen sollte und nicht um den Verkauf von Fernsehzeiten, ist ein klares Statement.

Würden Sie sagen, dass Union eine spezielle Ostmentalität auszeichnet?

Union zeichnet zumindest aus, dass die Fans viel für ihren Verein geleistet haben. Ohne sie gäbe es den Klub wahrscheinlich gar nicht. Das ist eine sehr enge Beziehung, die so in kaum einem anderen Verein gelebt wird. Egal, ob das nun den Bau des Stadions betrifft oder das legendäre Weihnachtssingen, das bundesweiten Ruhm erlangt hat.

Wenn der Stadionsprecher die Spielernamen der Unioner ausruft, versehen die Fans jeden mit dem Zusatz „Fußballgott“. Diese Gleichmacherei ertragen Sie?

Ach, das ist nicht mein Problem. In Kiel gibt es allerdings nur einen Fußballgott – das ist Patrick Herrmann, der aber leider weggegangen ist. Wenn der ein Tor geschossen hat – was ja selten vorkam –, wurde der auch gut gefeiert. Ich finde es bei Union für die Spieler schön, dass sie alle in dieser Form gewürdigt werden.

Nina Hagen singt in der Union-Hymne, dass es nur einen geben könne, „Eisern Union“ nämlich. Ist das noch mit ihrer Leidenschaft für Holstein Kiel vereinbar?

Natürlich, weil ich das gut nachvollziehen kann: Für jeden Fan ist sein Verein der größte. Die Zeile ist ja nicht böse gemeint, nicht als komplette Abgrenzung gegenüber allen anderen. Aber dieser Text ist vielleicht in der Geschichte von Union tiefer begründet. Denn hier gab es ja zu Ostzeiten die unmittelbare Konkurrenz zu einem Stasiklub.

Sie schwärmen geradezu. Können Sie wirklich noch guten Gewissens Kieler Fan sein?

Bitte vergessen Sie nie: Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich bei Eintracht Braunschweig gespielt.

Als rechter Läufer, stimmt das?

Rechter Läufer und Vorstopper, die Position gibt’s heute gar nicht mehr.

Hätten Sie auch linke Positionen übernehmen können?

Da ich Rechtsfuß bin, wäre das unpraktisch gewesen.

Haben Sie noch ein paar Erinnerungen an besonders schmerzhafte Niederlagen?

Nicht wirklich. Den Arm habe ich mir mal gebrochen, das Sprunggelenk kaputt gemacht. Und weil ich grundsätzlich ohne Schienbeinschützer spielte, zieren noch heute ein paar Beulen meine Beine.

War’s wirklich so schlimm?

Für mich galt immer: Wahre Männer kämpfen ohne Deckung. Deshalb habe ich auf Schutzmaßnahmen weitgehend verzichtet.

Gab es dafür wenigstens ein paar süß schmeckende Siege?

Als Zuschauer erinnere ich mich vor allem an den Meistertitel der Eintracht 1967. Ich sang zu der Zeit in einem Chor, weil ich eine glockenhelle Stimme hatte. 14 Tage vor einem Auftritt war ich aber im Stadion und habe wie ein Großer gebrüllt. Anschließend konnte ich nicht mehr singen. Der Chor musste kurz vor dem Auftritt in Wolfenbüttel neu besetzt werden – ohne meine Beteiligung.

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