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Streusalz wird knapp: Deutschland bereitet sich auf Winter-Sturmtief „Elli“ vor
Viel Schnee, starker Wind und Glatteis: Für Freitag ist gefährliches Winterwetter angekündigt. Es gab bereits Unfälle auf den Straßen. Alle wichtigen Meldungen hier.
Stand:
Alle neuen Entwicklungen zum Winter-Sturmtief über Deutschland lesen Sie jetzt hier:
14:32 Uhr: Fußballvereine bereiten sich auf Schnee vor
Für das Bundesligaspiel von Werder Bremen gegen Hoffenheim am Samstag (15:30 Uhr) sind 50 zusätzliche Mitarbeiter im Einsatz, um das Weserstadion von Schnee zu befreien und eine sichere An- und Abreise der Zuschauer zu gewährleisten. Bremen rechnet damit, dass das Spiel stattfinden kann, warnt aber vor möglichen Schneemengen.
Der VfB Stuttgart reagiert auf die Wettervorhersage, indem er bereits am Freitag nach Leverkusen fliegt, um wetterbedingte Probleme zu vermeiden. Das Spiel bei Bayer Leverkusen findet am Samstag um 18:30 Uhr statt.
Union Berlin bittet seine Fans um Hilfe bei der Schneeräumung vor dem Heimspiel gegen Mainz (Samstag, 15:30 Uhr).

© dpa/Uwe Anspach
14:00 Uhr: Obdachlose brauchen mehr warme Unterkünfte
Angesichts von eisigen Temperaturen und drohenden Winterstürmen warnen Sozialverbände vor dem Kältetod obdachloser Menschen. „Für Menschen, die auf der Straße leben, wird es mitunter lebensgefährlich“, sagte Elke Ronneberger, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland: „Umso wichtiger ist es, dass es ausreichend Übernachtungs- und Aufenthaltsplätze gibt, die Schutz vor Kälte bieten.“ Städte und Gemeinden seien gefordert, mehr warme Orte bereitzustellen und zu finanzieren.
13:32 Uhr: Fährverkehr an Nordseeküste wird wegen Sturms weitgehend eingestellt
Der erwartete Wintersturm „Elli“ bringt an der niedersächsischen Nordseeküste den Fährverkehr weitgehend zum Stillstand. Mehrere Inseln sind am Freitag nicht per Schiff erreichbar – darunter Langeoog, Norderney und Wangerooge.
13:22: Fehmarn-Bürgermeister kritisiert „Katastrophentourismus“
Jörg Weber (SPD), Bürgermeister auf Fehmarn, sagte bei „Welt“ über den Schnee an der Küste von Schleswig-Holstein: „Man muss ganz ehrlich sein, das Schlimmste ist dieser Katastrophentourismus“. Damit meint er Menschen, die das Unwetter filmen oder fotografieren, um anschließend in sozialen Netzwerken zu posten. Sie würden in Kauf nehmen, dass „ehrenamtliche Feuerwehrleute ihr Leben riskieren, um die dann nachher zu retten“.
13:03 Uhr: Wetterdienst warnt vor starkem Schneefall am Freitag
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt für Freitag vor starkem Schneefall und Schneeverwehungen. Die Warnung gilt ab 3.00 Uhr morgens und ist voraussichtlich bis Samstagmorgen um 3.00 Uhr gültig, wie es in einer Mitteilung heißt. Die Warnung gilt für Berlin und folgende Gebiete in Brandenburg: Kreis Barnim, Kreis Dahme-Spreewald, Kreis Havelland, Kreis Märkisch-Oderland, Kreis Oberhavel, Kreis Oder-Spree, Kreis Ostprignitz-Ruppin, Kreis Potsdam-Mittelmark, Kreis Prignitz, Kreis Teltow-Fläming, Stadt Brandenburg, Stadt Frankfurt (Oder), Stadt Potsdam.
12:45 Uhr: BER rüstet sich für Wintereinbruch – Verspätungen drohen
Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) hat nach Angaben der Betreibergesellschaft Vorkehrungen für den starken Schneefall ab Freitag getroffen, rechnet aber dennoch mit Behinderungen im Flugverkehr. „Von dem massiven Wintereinbruch sind mehrere Flughäfen betroffen, Abflüge verzögern sich, Flugpläne geraten durcheinander, es kann zu starken Verspätungen und auch zu Flugstreichungen durch die Airlines kommen“, teilte eine Sprecherin mit.
12:38 Uhr: Berliner Unfallkrankenhaus wegen Glätte „am Anschlag“
Im Berliner Unfallkrankenhaus werden zurzeit zahlreiche Menschen nach Glatteis-Unfällen behandelt. Seit Tagen kämen Menschen mit Knochenbrüchen, Platzwunden am Kopf oder Schädelhirntraumata in die Rettungsstelle, sagte Sprecherin Angela Kijewski. „Es gibt lange Warteschlangen, wir können nur empfehlen, jedes Risiko zu meiden.“ Sie empfehle, Spikes an den Schuhen zu befestigen, das sorge für einen besseren Halt.
Nicht nur wegen der Glätte, auch wegen Silvester und den zahlreichen Bölleropfern habe das Krankenhaus seit Tagen alle Hände voll zu tun. „Wir sind am Anschlag“, sagte Kijewski.
12:34 Uhr: 86-Jähriger stirbt nach Unfall mit Schneepflug in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg ist ein 86-Jähriger nach einem Unfall mit einem Schneepflug gestorben. Er starb einige Stunden nach dem Unfall am Mittwoch in einem Krankenhaus, wie die Polizei in Konstanz am Donnerstag mitteilte. Der Mann war demnach in Villingendorf im Landkreis Rottweil auf einem Gehweg unterwegs, als er von einem abbiegenden Räumfahrzeug erfasst wurde.
11:58 Uhr: Streusalz wird knapp
Wegen des Winterwetters und vielerorts starkem Schneefall sind Streusalz und andere Taumittel in zahlreichen Baumärkten vorübergehend ausverkauft. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei großen Baumarktketten.
„Regional haben wir teilweise eine stark erhöhte Nachfrage nach Streugut. Je nach Schnee- und Glättesituation ist derzeit kein Streugut mehr in einzelnen Märkten verfügbar“, sagte ein Sprecher von Hornbach. Die Liefersituation sei jedoch gut. Nachschub komme je nach Markt und Region entweder noch am selben Tag oder innerhalb der nächsten ein bis zwei Tage.
Die Umweltorganisation BUND warnt, Streusalz schade Böden, Pflanzen, Tieren und Gewässern. Auch Splitt und Granulat sollten vermieden werden, weil sie giftige Substanzen wie Arsen, Blei oder Quecksilber enthalten könnten. Die Umweltschützer raten Hausbesitzern bei Eis und Glätte stattdessen zu Sand, Kies, Sägespänen oder umweltzertifiziertem Streugut. Empfohlen werden Mittel mit dem Zeichen „Blauer Engel“.
11:47 Uhr: Berliner Stadtmission ruft zur Aufmerksamkeit gegenüber Obdachlosen auf
Die Berliner Stadtmission hat angesichts weiter sinkender Temperaturen die Berlinerinnen und Berliner aufgerufen, auf hilfsbedürftige Personen in Straßen und Parks zu achten. Aktuell gebe es etwas mehr als 1.100 Notübernachtungsplätze in der Stadt, sagte die Sprecherin der Stadtmission, Barbara Breuer, am Donnerstag im RBB-Hörfunkprogramm Radioeins. Bei geschätzt rund 6.000 obdachlosen Personen in der Hauptstadt könne nicht jeder ein warmes und sicheres Bett für die Nacht bekommen: „Darum sind alle aufgefordert, aufzupassen und mitzugucken“, sagte Breuer.
Trotz zweier Brandanschläge auf die drei Kältebusse der Berliner Stadtmission in der vergangenen Woche sind aktuell wieder drei geliehene Ersatzfahrzeuge unterwegs, um nachts Menschen auf der Straße zu helfen. Breuer forderte dazu auf, vor einem Anruf bei der Kältebus-Hotline potenziell hilfsbedürftige Menschen anzusprechen, um „vorzuchecken“, ob diese tatsächlich Hilfe benötigen. Das DRK-Team ist unter 030 600300 1010 erreichbar, das Team der Stadtmission unter 030 690 333 690.
Schulschließungen, Unfälle, Warnungen: Das Geschehen bis Donnerstagmittag
Wegen des erwarteten Sturmtiefs „Elli“ bleiben am Freitag in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie in Teilen Niedersachsens die Schulen geschlossen. Nach Angaben der zuständigen Behörden gibt es Notbetreuung und teilweise Distanzunterricht.
Laut der Warnung des Deutschen Wetterdienstes sind insbesondere Ostdeutschland, der Harz und die Region zwischen Bremen und Hamburg betroffen. Auch Schneeverwehungen sind dem DWD nach möglich. Besonders in der Nacht zum Freitag soll es zu teils kräftigen Schneefällen kommen.
Es gab schon Unfälle
Eis auf den Straßen und schlechte Sicht: Das Winterwetter hat auch Auswirkungen auf den Verkehr in Deutschland. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt heute vor Glatteisgefahr, weil es örtlich gefrierenden Sprühregen gibt. Aktuell gibt es Meldungen von Polizeistationen über erhöhtes Unfallaufkommen, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Im niedersächsischen Gehrde (Landkreis Osnabrück) ist ein Autofahrer bei einem Unfall ums Leben gekommen – die Polizei schließt Glätte als Ursache nicht aus.
Einem „Bild“-Bericht zufolge ist zudem ein Lastwagen auf der schneeglatten B8 bei Neustadt an der Aisch umgestürzt. Der 40‑Tonner geriet demnach ins Rutschen und kippte zur Seite. Der Fahrer wurde nur leicht verletzt, heißt es.
Auch politisch hat das Winterchaos Folgen. Der CDU-Vorstand hat seine Klausurtagung in Mainz wegen der aktuellen Wetterwarnungen abgesagt. „Aufgrund der eindringlichen Wetterwarnungen und der damit verbundenen Gefahrenlage sowie der angekündigten Zug- und Flugausfälle sehen wir uns leider gezwungen, unsere Jahresauftaktklausur am kommenden Freitag und Samstag abzusagen“, teilte eine Parteisprecherin am Donnerstag mit.
Behörde rät: Lieber zu Hause bleiben
Die Behörden rufen zu besonderer Vorsicht auf. Kliniken stellen sich auf Verletzte nach Stürzen und Unfällen ein. Die Winterdienste in Berlin und Brandenburg sind gefordert. Wer nicht unbedingt unterwegs sein muss, sollte zu Hause bleiben und das Auto stehen lassen, raten Wetterdienste und das Brandenburger Verkehrsministerium.
„Das wird schon eine extreme Lage“, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Potsdam zum Winterwetter. Über Berlin und Brandenburg zieht ein Sturmtief durch. Es bringt Schneefall, teils gefrierenden Regen und starken Ostwind. Bis zu zehn Zentimeter Schnee können am Freitagvormittag fallen, wie der DWD-Wetterfachmann sagte. Im Süden Brandenburgs könne der Niederschlag dann in Regen übergehen.
In manchen Regionen treten nach der bisherigen DWD-Prognose Windböen mit 50 bis 60 Kilometern in der Stunde auf. Es gibt Schneeverwehungen. Auch Einschränkungen im Straßen- und Bahnverkehr sind möglich – in Gebieten, in denen „der Wind durchpeitschen kann“, so der Meteorologe.
Bereits heute fällt wegen des Wetters in einigen Regionen Niedersachsens der reguläre Unterricht an Schulen aus. Stattdessen wird meist auf Distanzunterricht umgestellt. Auch auf den nordfriesischen Inseln Amrum und Föhr sollen die Schülerinnen und Schüler heute zu Hause bleiben.
In Hamburg gibt es aufgrund von Schnee und Glätte derzeit teils Einschränkungen bei der Müllabfuhr. In Saarbrücken war der Busverkehr gestern Abend vorübergehend eingestellt worden.
Bahn kündigt Zugausfälle an
Die Deutsche Bahn (DB) teilte mit, dass es witterungsbedingt bis Samstag zu Verspätungen und Zugausfällen im Fernverkehr kommen wird. Wer bereits ein Ticket habe, solle prüfen, ob er seine Reise verschieben kann. Tickets könnten auch zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden.
Der leitende Oberarzt der Zentralen Notaufnahme im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam, Bernhard Fleischer, sagte auf Anfrage: „Die derzeitigen Witterungsbedingungen stellen eine besondere Herausforderung dar und bergen ein erhöhtes Risiko für Stürze und Unfälle.“
Die Notaufnahme sei personell und organisatorisch auf ein womöglich erhöhtes Patientenaufkommen vorbereitet. Bereits in den vergangenen Tagen führte Glatteis zu einer erhöhten Zahl von Verletzten.
An der Medizinischen Universität Lausitz - Carl Thiem in Cottbus behandelte die Notaufnahme Brüche an Sprunggelenken und im Arm, wie das Krankenhaus mitteilte. „Es werden aktuell mehr Leute mit Knochenbrüchen behandelt, die aufgrund des Wetters der vergangenen Tage gestürzt sind.“ (dpa/Tsp/Agenturen)
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