Wie Kubitschek den „Flügel“ in der AfD beeinflusst

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Verleger : Götz Kubitschek - der Stratege der Neuen Rechten

Mit dem Aufkommen der AfD wächst Kubitscheks Bedeutung. Der Verleger erkennt, dass sich mit der AfD die Möglichkeit bietet, die Agenda der Neuen Rechten in die Politik hineinzutragen. Den Wunsch nach einem starken Staat, nach Homogenität des Volkes, die Kritik am Islam, an Parteien und Eliten. Schon kurz nach der Gründung der AfD, im März 2013, notiert er, das Thema Euro sei das „feine Thema, das Türöffner-Thema, und unsere Themen kommen hinterdreingepoltert, wenn wir nur rasch und konsequent genug den Fuß in die Tür stellen“.

Und als 2015 die Frustration bei den AfD-Nationalisten um seinen Freund Höcke wächst, weil Parteigründer Bernd Lucke ihnen keinen Raum in der AfD einräumt, ergreift Kubitschek die Chance. Er entwirft ein Manifest, die „Erfurter Resolution“, als dessen Autor er aber nicht in Erscheinung tritt. Höcke bringt es in die Partei ein, Hunderte unterzeichnen es, der „Flügel“ ist geboren. Von ganz rechts trägt er damals dazu bei, Lucke zu stürzen. Bis heute ist er ein wichtiger Machtfaktor in der AfD. Der „Flügel“ will verhindern, dass die Partei zu schnell im Establishment ankommt. Kubitschek nennt ihn den „impulsiven Teil“ der Partei.

Daheim in Schnellroda steuert der Verleger nach einem kurzen Spaziergang jetzt sein Anwesen an, am Tor prangt das Symbol seines Verlages: eine sich windende Schlange. Kubitschek und seine Frau Ellen Kositza haben das ehemalige Rittergut vor Jahren erworben und renoviert. Wobei der Begriff ein wenig zu bombastisch klingt für das große, gelblich gestrichene Haus, umgeben von einem Garten. Hier pflanzt die Familie viel von dem an, was sie selbst isst.

Einflussreicher Taktiker

Dieses Lebensmodell als Selbstversorger spiegelt Kubitscheks Verachtung für die Konsumgesellschaft, es trägt gleichzeitig zu seiner Selbstvermarktung bei. Dass in kaum einem größeren Beitrag über Kubitschek die Beschreibung des Ritterguts fehlt, nimmt er spöttisch zur Kenntnis. Aber er weiß, dass es ihm nutzt.

„Kubitschek hat es geschafft, sich als Vordenker der Neuen Rechten wirkungsvoll in Szene zu setzen. Er ist aber vor allem ein einflussreicher Taktiker“, sagt der Magdeburger Rechtsextremismus-Experte David Begrich. Eine Erklärung dafür liegt in Kubitscheks Vergangenheit. Er studierte auf Lehramt, nahm als Offizier der Reserve an einem Bundeswehreinsatz in Bosnien teil. Dass ihn die Zeit beim Militär geprägt hat, merkt man. An der oft militärischen Sprache in Reden, an seinem Hang zu Autorität und Ordnung, auch an seiner Neigung zum Strategischen.

In seinem wohl wichtigsten Werk geht es vor allem um Strategie. Es ist ein kleines Büchlein namens „Provokation“, erschienen im Jahr 2007. Der Soziologe Thomas Wagner bezeichnet es als eine der „einflussreichsten Publikationen der radikalen Rechten der jüngeren Zeit“. Darin propagiert Kubitschek das Unerwartete, den gezielten Regelverstoß. Er wendet die Methode damals auch selbst an, gründet die „Konservativ Subversive Aktion“, stört 2008 zusammen mit anderen etwa eine Lesung von Günter Grass. Im Grunde ist es die rechte Adaption linker Proteststrategien. Seine Überlegung sei gewesen, „wie sich eine in wesentlichen Feldern machtlose Gruppe Gehör verschaffen kann“, sagt Kubitschek im Gespräch.

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