Soforthilfe in der Coronakrise : Die ersten Berliner Gastronomen haben schon Geld bekommen

Damit hatte wohl kaum jemand gerechnet: Die versprochenen Hilfen für Gastronomen und Freiberufler werden schnell und unbürokratisch ausgezahlt.

Gestapelte Stühle und leere Tische von geschlossenen Cafes und Restaurants sind auf dem Hackeschen Markt zu sehen.
Gestapelte Stühle und leere Tische von geschlossenen Cafes und Restaurants sind auf dem Hackeschen Markt zu sehen.Foto: Jens Kalaene / dpa

Der Mittwoch war ein Tag, der vielen Berliner Gastronomen und anderen Selbstständigen ein wenig Hoffnung gegeben hat. Die ersten Zahlungen der Soforthilfe II sind auf den Konten angekommen, und das viel schneller als erwartet. Viele bestätigten: Am Sonnabend oder Sonntag mit viel Ausdauer online beantragt, zwei oder drei Tage später auf dem Konto. Allerdings gibt es auch viele, die noch warten, was aber wohl am Buchungsablauf der jeweiligen Hausbank liegt.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop versprach Hilfe von der IBB und hielt Wort: Die ersten Gelder für existenzbedrohte Freiberufler wurden schnell und unbürokratisch angewiesen
Wirtschaftssenatorin Ramona Pop versprach Hilfe von der IBB und hielt Wort: Die ersten Gelder für existenzbedrohte Freiberufler...Foto: Frank May/dpa

So berichtet Fabian Fischer vom Restaurant „Bricole“ in Prenzlauer Berg: „Samstag wurde das Geld beantragt und am Montag ausgezahlt - in voller Höhe. Für unser Restaurant war das lebensnotwendig und erspart uns fürs erste langfristige Kredite aufzunehmen. Chapeau IBB!“.

Und auch Anja Stiba vom „Bass“ in Wilmersdorf schreibt: Wir haben den Antrag Sonntagabend ausgefüllt, und gestern kam das Geld. Wir sind auch über die Schnelligkeit erstaunt. Hut ab!“

Zu den Begünstigten zählt auch Bini Lee vom „Kochu Karu" in Prenzlauer Berg, die ihrem Herzen sofort auf Facebook Luft machte: „Von dem unglaublichen Bearbeitungstempo bin ich wahnsinnig überrascht. Am Montagmorgen um 7.15 Uhr nach 72-stündiger Meditationsstunde mit Warteschlange-Männchen ging unser Antrag endlich durch. Und das Geld war schon heute auf unserem Konto. WOW!!!! Danke an IBB und an die Wirtschaftssenatorin #Ramonapop für die Hilfe. Wir sind wirklich erleichtert und können endlich besser schlafen.“

Bini Lee und José Miranda Morillo aus dem "Kochu Karu" sind überrascht, über die schnelle und unkomplizierte Soforthilfe
Bini Lee und José Miranda Morillo aus dem "Kochu Karu" sind überrascht, über die schnelle und unkomplizierte SoforthilfeFoto: Mike Wolff TSP

Auch dem Weinhandel und anderen Freiberuflern wird geholfen

Nicht nur Restaurants waren begünstigt, sondern auch Weinhändler wie Jan Kiegeland vom „Divinum Weinkontor“ und Andreas Rink von der „Ottorink Weinbar“ profitierten vom IBB-Geld, der „EatBerlin“-Gründer Bernhard Moser hatte nach zwei Tagen Geld für den Betrieb seiner Weinschule. „Das Verweilen in der Warteschlange hat fast länger gedauert als die Auszahlung“, schreibt er.

Genuss statt Frust - Tipps für die Coronakrise:

Schließlich sind auch schon Gelder bei Freiberuflern aus Journalismus und PR angekommen. „Sensationell, was die IBB hier leistet. Antrag als freiberuflicher Journalist gestern Vormittag gestellt, Geld heute morgen auf dem Konto“, berichtet Ronald Battistini von der Agentur "Goldmund Kommunikation".

[Behalten Sie den Überblick: Jeden Morgen ab 6 Uhr berichten Chefredakteur Lorenz Maroldt und sein Team im Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint über die aktuellsten Entwicklungen rund um das Coronavirus. Jetzt kostenlos anmelden: checkpoint.tagesspiegel.de.]

Wer bekommt Hilfe?

Wichtig ist allerdings: Das Paket II hilft nur Solo-Selbstständigen und Betrieben bis zu maximal zehn Mitarbeitern. Und da die Summe, gestaffelt zwischen 5000 und 15.000 Euro, geschenkt ist, sind die formalen Abläufe kurz und knapp. Anders ist mit den Liquiditätsdarlehen der Soforthilfe I, die grundsätzlich für alle konzipiert, gegenwärtig aber nach ersten Bewilligungen gestoppt ist.

Nachbesserungen werden nötig sein

Hier gibt es eine ganze Reihe von Stolpersteinen, wie beispielsweise Björn Nitz vom Restaurant „Zum dritten Mann“ in Prenzlauer Berg berichtet. Sein Antrag wurde schon in der vergangenen Woche aus einem komplizierten formalen Grund abgelehnt: Er hatte seiner GmbH ein Darlehen gewährt, das nun, obwohl nachrangig, als „negatives Eigenkapital“ bewertet wird – und das ist ein prinzipieller Ausschlussgrund, wohl, um überschuldeten Unternehmen nicht noch Geld hinterherzuwerfen.

Doch davon kann hier offenbar keine Rede sein. Nitz hat sich bereits durch eine Reihe von Büros telefoniert und äußert den Eindruck, dass Nachbesserungen der Bedingungen in Arbeit seien. Er kann zudem Darlehen der KfW beantragen, die aber verzinst werden, anders als die Soforthilfe der IBB, die bis 500 000 Euro zinslos ausgereicht wird.