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"Unser Lied für Lissabon" : Ballade für toten Vater soll Deutschland beim ESC nach vorn bringen

Drei Jurys wurden beim deutschen ESC-Vorentscheid aufgeboten, um ein erneutes Debakel zu verhindern. Am Ende gab es eine eindeutige Entscheidung für Michael Schulte aus Buxtehude.

Michael Schulte wird Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten.
Michael Schulte wird Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten.Foto: Jörg Carstensen/dpa

Der 27-jährige Michael Schulte aus Buxtehude wird Deutschland beim 63. Eurovision Song Contest in Lissabon vertreten. Mit seinem Song "You Let Me Walk Alone" über seinen vor 13 Jahren gestorbenen Vater setzte er sich am Donnerstagabend beim deutschen Vorentscheid in Berlin gegen seine fünf Mitbewerber durch. Um ein erneutes ESC-Debakel wie in den drei Vorjahren zu verhindern, hatte die ARD als Organisator in Deutschland ein ausgeklügeltes Auswahlsystem mit insgesamt drei Jurys installiert - was bei Michael Schulte offenbar gar nicht nötig gewesen wäre, da er sowohl von der internationalen Fachjury, den deutschen ESC-Hardcore-Fans als auch von den Fernsehzuschauern zum Sieger des Vorentscheids gekürt wurde.

Michael Schulte hat bereits jetzt auf Youtube und Spotify eine große Fan-Gemeinde. Er habe die Qualität von Ed Sheeran erreicht, lobte Kommentator Peter Urban den Sänger nach seinem Auftritt in Berlin. Die drei Jurys lagen indes nicht nur bei Schulte dicht beieinander. Auf dem zweiten Platz folgte Xavier Darcy vor Ryk und der Berlinerin Ivy Quainoo. Die aktuelle Siegerin von "The Voice of Germany", Natia Todua aus Georgien, schnitt beim Vorentscheid am schlechtesten ab. Sie landete noch hinter der Volksmusikband voXXclub, die vom TV-Publikum immerhin die zweitmeisten Stimmen bekam.

Eine Platzierung in den Top Ten, nichts weniger soll der deutsche Teilnehmer beim Eurovision Song Contest (ESC) am 12. Mai in Lissabon erreichen. Nach drei Jahren, in denen die deutschen ESC- Finalisten nicht über einen vorletzten Platz hinauskamen, setzt die ARD als nationaler Organisator nun auf einen „radikalen Neuanfang“, wie es Unterhaltungschef Thomas Schreiber formulierte. Um den besten Kandidaten zu finden und mit dem aussichtsreichsten Song nach Portugal zu schicken, wurde der Vorentscheid komplett umgekrempelt, inklusive generalstabsmäßiger Planung, externer Hilfe, aber eben auch ohne Stefan Raab.

Die ARD setzte diesmal auf absolute Professionalität und insgesamt drei Jurys. Ihre Voten flossen zu je einem Drittel in den Vorentscheid ein. Neben den TV-Zuschauern gab es eine Jury mit ausgewählten ESC-Fans. Für diese sogenannte Eurovisions-Jury wurden zunächst 100.000 Personen angesprochen. Über ein Fragebogensystem wurden am Ende 100 Jurymitglieder ausgewählt, deren Musikgeschmack den Vorlieben in möglichst vielen anderen ESC-Teilnehmerländern entsprechen sollte. Hinzu kamen eine internationale Expertenjury, die aus 20 europäischen Musikern und Künstlern besteht, die alle schon einmal in einer ESC-Jury gesessen haben.

Zur Entwicklung der Fragebögen und der mathematischen Analysen, mit deren Hilfe zunächst die Jurys bestückt und danach die Kandidaten und Songs ausgewählt wurden, wurde eigens eine Unternehmensberatung beauftragt. Nie zuvor sei man so analytisch an einen Vorentscheid gegangen, sagte Schreiber.

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