8K-Fernseher auf der Ifa : Der nächste Technologiesprung bei Fernsehgeräten

Auf der Ifa werden erstmals 8K-Geräte gezeigt, die Pixelzahl wird vervierfacht. Doch was bringt die Auflösung, wenn Inhalte fehlen?

Fernsehwand. Auf der Ifa zeigt Samsung den modularen Fernseher „The Wall“ mit einer Bilddiagonale von 3,7 Metern. Konkurrent LG könnte das sogar noch toppen.
Fernsehwand. Auf der Ifa zeigt Samsung den modularen Fernseher „The Wall“ mit einer Bilddiagonale von 3,7 Metern. Konkurrent LG...Foto: promo

221 Minuten verbringt jeder Bundesbürger im Schnitt täglich vor dem Fernseher. Dabei verändern sich zwar die Programme und deren Anbieter, Partygespräch sind heute die neuesten Serien bei Streamingdiensten wie Netflix. Doch auch wenn die mancher Fan direkt auf dem Laptop schaut, sind Fernsehgeräte aus deutschen Wohn- und Schlafzimmern noch lange nicht wegzudenken. Im Gegenteil: Der Anteil der Haushalte mit einem Fernseher ist laut Statistischem Bundesamt seit 2012 von 96,4 auf 97,8 Prozent gestiegen.

Und so werden auch auf der Ifa, die am kommenden Freitag in Berlin öffnet, neue TV-Geräte an vielen Ständen im Mittelpunkt stehen. Sony, Panasonic, Philips, LG oder Samsung zeigen ihre neuesten Flaggschiffe und wetteifern darum, die Bildqualität noch einmal zu steigern.

Doch diesmal geht es um mehr als ein paar Prozent mehr Kontrast, Helligkeit oder Farbbrillanz. Auf der Ifa werden erstmals auch 8K-Fernseher zu sehen sein. Die bieten eine Auflösung von 33 Millionen Pixeln. Gegenüber den heutigen 4K- Geräten ist 8K also nicht nur eine Verdoppelung sondern gleich eine Vervierfachung der Bildpunkte. „Der Markt ist reif für den nächsten Technologiesprung“, sagt Leif-Erik Lindner, der bei Samsung für das deutsche TV-Geschäft verantwortlich ist. Die Südkoreaner werden in Berlin ihr erstes 8K-Modell vorstellen. Der Schritt ist auf den ersten Blick erstaunlich, denn auch wer ein aktuelles 4K-Modell im Zimmer stehen hat, muss noch oft zappen, bis er Sendungen findet die auch so hochaufgelöst übertragen werden. ProSieben zeigte im Juli erstmals eine Galileo-Spezial-Sendung im 4K-Format Ultra-HD. Sat.1 plant in der zweiten Jahreshälfte seine Premiere mit zwei Filmen. Etwas größer ist das Angebot bei RTL, dort gibt es im UHD-Format die Formel 1, die Serie „Sankt Maik“, das Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ oder einzelne Fußballspiele. So zum Beispiel am Dienstag das Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger, bei dem der FC Bayern München gegen Chicago Fire antritt. „Für uns wird UHD in den kommenden Jahren wichtiger werden“, sagt Andre Prahl, Bereichsleiter Programmverbreitung bei RTL Deutschland. Um sich selbst ein Bild vom Bildunterschied zu machen, braucht man neben einem UHD-Fernseher jedoch auch einen Satellitenanschluss und HD+.

"Stiftung Warentest" über 4K und UHD-Fernseher

Der Bezahlsender Sky zeigt verschiedene Filme und pro Spieltag jeweils eine Bundesliga-Partie in UHD. Die Unterschiede sah sich die Stiftung Warentest auch während der Fußball-WM an. Das Fazit: „Die UHD-Übertragung punktete mit höherer Schärfe und mehr Details“. So waren Rückennummern und Namen auf den Spielertrikots aber auch die Fans auf der Tribüne deutlich schärfer zu sehen. „Überraschende Differenzen zeigten sich bei der Größe des Bildausschnitts“, schreiben die Warentester. Während es für ARD-Zuschauer an der Seitenauslinie endete, waren bei der UHD-Übertragung auf Sky auch noch die Trainersitze zu sehen. Bis UHD bei den Übertragungen Standard wird, dürfte es jedoch noch lange dauern. Vor allem die öffentlich-rechtlichen-Sender sind zurückhaltend. Treiber sind auch hier die Streamingdienste. „Bei Netflix sind inzwischen fast alle verfügbaren Serien in 4K“, sagt Lindner.

Doch auch wenn die Programme noch überschaubar sind, haben schon jetzt mehr als 70 Prozent der verkauften Geräte eine Auflösung von 4K. „Die Technik ist immer etwas voraus, aber die Inhalte werden kommen“, sagt Christopher Meinecke, Experte für Unterhaltungselektronik beim Digitalverband Bitkom. Ähnlich sieht es Ifa-Manager Dirk Koslowski. Fernseher haben in Deutschland im Schnitt eine Lebenszeit von acht Jahren. „Viele Verbraucher wollen daher eine zukunftssichere Investition und wenn in einigen Jahren mehr Inhalte geliefert werden, haben sie die passende Technik zu Hause“, sagt Koslowski.

Trend zu größeren und teureren Geräten

Und mit 8K kommt nun der nächste Sprung. Sharp hat kürzlich mit dem LV-70X500E bereits einen 8K-Fernseher auf den Markt gebracht. Kostenpunkt: Um die 10 000 Euro. Das Samsung-Gerät soll nach der Ifa im Oktober in den Handel kommen. Die genauen Details werden erst in der kommenden Woche verkündet, in der Branche rechnet man aber mit einem Preis, der um 2000 Euro über vergleichbaren 4K-Geräten liegt. Die Investition soll sich jedoch auch ohne Spezialinhalte lohnen. Denn die bisherigen Bilder werden hochskaliert. Dazu werden zusätzliche Bildpunkte errechnet und eingefügt, die Darstellung soll so generell optimiert werden. Doch die Entwicklung Richtung 8K hat noch einen anderen Grund: Die Hersteller hoffen so, noch einmal größere und damit teurere Geräte zu verkaufen. „Die volle Wirkung entfaltet 8K erst ab 75 Zoll“, sagt Samsung Manager-Lindner. Bei 65-Zoll-Geräten sei der „Wow-Effekt“ nicht ganz so groß. Auf 42 Zoll dürfte es dagegen den meisten schon schwerfallen, Unterschiede zwischen 4K und 8K zu sehen.

Allerdings können durch die höhere Auflösung generell größere Geräte verkauft werden. Denn normalerweise gilt: Je größer der Bildschirm, desto größer muss auch der Abstand der Couch dazu sein. Da die Wohnzimmer jedoch nicht mit den Fernsehern mitwachsen, muss die Auflösung steigen. Wenn die Pixel immer kleiner und zahlreicher werden, gibt es auch bei kleineren Abständen kein störendes Pixelraster.

Die Nachfrage nach XXL-Fernsehern zeigt sich schon jetzt. „Der Trend geht zu hochwertigeren und teureren Geräten“, sagt Meinecke. „Die Leute lassen sich Fernseher mehr kosten.“ Tatsächlich ist der Durchschnittspreis laut Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) zuletzt von 581 auf 626 Euro gestiegen. Ein Grund ist die Größe: Wurden 65-Zoll- Fernseher anfangs noch argwöhnisch beäugt, sind es inzwischen in den USA schon die am meisten verkauften Geräte. „Der Trend geht auch hierzulande zu 65-Zoll“, sagt Lindner. „Ich denke in den nächsten zwölf Monaten wird der Anteil auf 40 Prozent steigen.“ Ein weiterer Faktor beim Preisanstieg ist der Boom von OLED-Geräten, die mit einem Durchschnittspreis von 2200 Euro deutlich teurer sind. Hier gab es ein Plus bei den Verkaufszahlen von 156 Prozent. „Schon jetzt wurden fast so viele verkauft, wie im gesamten Vorjahr“, sagt Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratschef der gfu. Bei OLED-Geräten kommen statt einer Hintergrundbeleuchtung selbstleuchtende Dioden, die so genannten organischen LEDs zum Einsatz. Was das bringt, wollen beispielsweise LG, Metz oder Philips auf der Ifa anhand ihrer neuesten OLED-Fernseher demonstrieren.

XXL-Geräte: Auf der Ifa werden 146-Zoll-Fernseher gezeigt

Denn generell gilt, dass man die Effekte von neuen TV-Technologien - ob OLED, 8K oder HDR - nur schwer beschreiben kann. „Es ist individuell auch sehr unterschiedlich, wie stark man die Bildunterschiede wahrnimmt“, sagt Meinecke. Schon bei den jetzigen HD-Formaten gehen die Meinungen da weit auseinander. „Beim Fernsehen muss man die Innovationen wirklich selber sehen“, sagt Koslowski. Die Ifa bietet dafür eine gute Gelegenheit.

Auch die weltgrößten Fernseher kann man bestaunen. So zeigt Samsung sein Modell „The Wall“ mit einer Bilddiagonale von 146 Zoll, also 3,7 Meter. Er ist aus 32 einzelnen Kacheln zusammengesetzt und wird zunächst an Geschäftskunden vermarktet, eine Konsumentenversion soll 2019 herauskommen. Konkurrent LG könnte das aber noch steigern. Es wird spekuliert, dass die Koreaner einen 175-Zoll-Fernseher zeigen, also mit einer Diagonale von 4,44 Metern.

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