Batteriezellen für die Elektromobilität : Altmaier plant Großinvestition in der Lausitz

Die Bundesregierung will die Fertigung von Batteriezellen für die Elektromobilität mit Milliarden fördern. Davon könnte die Lausitz profitieren.

Auch beim Besuch von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Polen und seinen Gesprächen mit Kollegin Jadwiga Emilewicz vergangene Woche war die Batteriezelle ein Thema.
Auch beim Besuch von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Polen und seinen Gesprächen mit Kollegin Jadwiga Emilewicz...Foto: dpa

Jetzt will es Peter Altmaier wissen. Seit langem ärgert sich der Wirtschaftsminister über die deutsche Autoindustrie, die sich bei einer Schlüsselkomponente der Elektromobilität auf die Asiaten verlässt: Sowohl Hersteller als auch Lieferanten wollen bislang nicht in die Fertigung von Batteriezellen einsteigen, sondern dieses Basisprodukt der Batterie weiter von chinesischen, japanischen und koreanischen Firmen kaufen. Des Wartens auf die Industrie überdrüssig hatte Altmaier vor rund einem halben Jahre im kleinen Kreis angekündigt, „wir bauen eine Zellfertigung“.

Jetzt wird er konkret: In der Lausitz möchte die Regierung eine großindustrielle Fertigung ansiedeln und dazu eine Milliarde Euro bereitstellen. Als Altmaier in der vergangenen Woche seine polnische Kollegin Jadwiga Emilewicz besucht, war die Batteriezelle ein Thema. Womöglich kommt es zu einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bei dem Großprojekt.

Eine halbe Milliarde Euro hat die Regierung investiert

Mit rund einer halben Milliarde Euro hat die Regierung in den vergangenen zehn Jahren die Zellforschung hierzulande in Schwung gebracht und ferner einige Versuche unternommen, eine Zellfertigung auf die Beine zu stellen. Ohne industrielle Fertigung und begleitende Forschungsaktivitäten gebe es keine komplette Wertschöpfungskette mehr in der Autoindustrie, weshalb auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) seit Jahren für eine Zellfertigung in Deutschland wirbt. Die Hersteller lehnen das bislang ebenso ab wie der weltweit größte Autozulieferer Bosch. Und die Nummer zwei, Continental, scheut ebenso das Risiko einer Milliardeninvestition als Neueinsteiger auf einem Markt, der von etablierten Firmen dominiert wird.

Doch nun macht die Bundesregierung Tempo. Altmaiers Bundeswirtschaftsministerium hat gemeinsam mit dem Bundesforschungsministerium ein Batteriezellenkonzept entwickelt, das am 19. Oktober vom Kabinett gebilligt werden soll: Mit jeweils einer Milliarde will die Regierung den Aufbau von zwei Fertigungsstätten fördern, eine davon in der Lausitz. Weitere 600 Millionen Euro sind für eine Forschungsfabrik vorgesehen, die – angesiedelt bei der Fraunhofer Gesellschaft – in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Industrie bei der Weiterentwicklung von Zellen und Batteriekonzepten unterstützt.

Die so genannte Industriealisierungsplattform Batteriezellfertigung „wirkt als ,Enabler’ für den Aufbau von Zellen-Großserienfertigungen und langfristig als Innovationsmotor, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Zellfertiger zu sichern“, heißt es in einem Positionspapier von acht Zellenherstellern, die es bereits in Deutschland gibt. Aber eben nicht für die Autoindustrie, die als großer Nachfrager im nächsten Jahrzehnt auftreten wird. Allein VW braucht die Kapazität von vier riesigen Zellfabriken, um die drei Millionen Stromautos auszurüsten, die der Konzern 2025 bauen will.

Die Lausitz könnte von der Batteriezellenfertigung profitieren

VW-Chef Herbert Diess hat bislang eine eigene Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen ausgeschlossen und diese Aufgabe den Zulieferern zugewiesen. Indes wird in der Branche nicht ausgeschlossen, dass sich VW mit Conti verbünden könnte und die Partner dann eine der beiden von der Regierung vorgesehen Pilotanlagen in Niedersachsen bauen könnten. Wer für die Anlage in Lausitz in Frage kommt, ist noch Altmaiers Geheimnis. Auf die Lausitz kommt der Minister wegen des Endes der Braunkohlewirtschaft. Mit Hilfe der Batteriezelle könnte in der Region eine industrielle Alternative zur klimaschädlichen Kohle entstehen, über deren Ende eine Regierungskommission bis Mitte Dezember Vorschläge entwickeln will.

Das Bemühen um eine „deutsche“ Zellfertigung hatte vor kurzem einen ersten Erfolg gezeitigt, als der chinesische Hersteller CATL den Aufbau einer entsprechenden Anlage in der Nähe von Erfurt mitteilte. Grundlage für die Investitionsentscheidung war ein langfristiger Vertrag mit BMW. Die Münchener kaufen für 1,5 Milliarden Euro Zellen aus dem neuen Werk und haben insgesamt bis 2022 milliardenschwere Liefervereinbarungen mit CATL und Panasonic getroffen. Für rund 200 Millionen Euro baut sich BMW ferner ein Kompetenzzentrum für Zellen und Batterien.

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Sehr zurückhaltend agiert dagegen Daimler. Und nicht nur das. Vorstandschef Dieter Zetsche torpedierte in den vergangenen Jahren Versuche von Firmenkonsortien oder einzelnen Unternehmen und der Politik, eine Zellfertigung in Angriff zu nehmen. Vor sechs Jahren hatte Daimler gemeinsam mit Evonik im sächsischen Kamenz Zellen produziert, die sich aber nicht am Markt durchsetzten. Womöglich ist Zetsche auch deshalb der profilierteste Bremser einer Batteriezellenfertigung. Aber nicht mehr lange: Der Vertrag des Daimler-Chefs läuft im kommenden Jahr aus.

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