"Glyphosat ist das Feindbild schlechthin"

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Bayer-Vorstand : "Glyphosat ist das Feindbild schlechthin"

Ein französischer Bauer sprüht Glyphosat auf sein Feld
Ein französischer Bauer sprüht Glyphosat auf sein FeldFoto: AFP/Jean-Francois MONIER

Monsanto-Vertreter haben früher vor den Farmern Glyphosat getrunken, um zu zeigen, dass das Unkrautvernichtungsmittel unschädlich ist. Wollen Sie das nicht auch mal machen?

Nein. Aber ich würde ja auch keine Seife essen, um zu zeigen, dass sie harmlos ist.

Glyphosat killt in der Pflanze alles Grün, das mit ihm in Berührung kommt. Insekten und Vögel finden keine Nahrung und sterben. Deshalb will die Bundesregierung den Einsatz von Glyphosat einschränken. Zu Recht?

Nein, Glyphosat ist das Feindbild schlechthin für alle, die die moderne Landwirtschaft grundsätzlich ablehnen. Einzelne Politiker versuchen daher mit diesem sehr emotional aufgeladenen Thema einfache Punkte bei den Wählern zu machen. Glyphosat ist ein sicheres, effizientes und seit Jahrzehnten etabliertes Mittel für Landwirte, um Ernten zu sichern. Ohne Glyphosat wäre die Unkrautbekämpfung schwieriger und weniger nachhaltig – Landwirte müssten mehr pflügen, was den Boden und damit die Biodiversität schädigt. Wer für mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft ist, müsste sich für Glyphosat einsetzen, anstatt den Ausstieg zu fordern. Dass viele derjenigen, die Ernteschutzmittel wie Glyphosat ablehnen, auch gegen Gentechnik oder die Digitalisierung der Landwirtschaft vorgehen, zeigt ja die Absurdität der Debatte. Beide Bereiche können zu einer deutlichen Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln beitragen, werden aber trotzdem bekämpft.

Bayer, ein deutsches Traditionsunternehmen, produziert im Agrargeschäft Pflanzenschutzmittel und gentechnisch verändertes Saatgut, das die Gesellschaft ablehnt. Passen Sie noch nach Deutschland?

Ja, denn Deutschland braucht innovative Unternehmen, die mehr Nachhaltigkeit fördern. Aber in der Tat sind die Menschen zum Beispiel in den USA sehr viel offener für Innovationen. Auch in Lateinamerika und Asien wollen die Bauern unsere Produkte, weil sie damit ihre Erträge steigern können. In Deutschland wird dagegen viel über moderne Landwirtschaft gestritten, obwohl nur noch ein Prozent der Menschen in der Landwirtschaft arbeitet und kaum jemand wirklich weiß, mit welchen Herausforderungen die Bauern Tag für Tag kämpfen. Ähnlich wie beim Fußball. Alle meinen, mitreden zu können, aber nur wenige kennen sich wirklich aus. Viele Menschen in Deutschland verlangen richtigerweise nach mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft, kaufen aber dann zugleich Lebensmittel, die mit großem Aufwand aus dem Ausland importiert werden.

Was meinen Sie?                        

95 Prozent der Biopaprika und 88 Prozent der Biotomaten kommen aus dem Ausland, meist aus Südspanien oder Nordafrika. Der Anbau benötigt wahnsinnig viel Wasser, aber Wasser ist in diesen Ländern knapp. Also wird das Grundwasser aus großer Tiefe hochgepumpt. Dann werden Obst und Gemüse mit Lastwagen oder sogar per Flugzeug auf den langen Weg nach Deutschland geschickt, und  die Anhänger von Bio-Lebensmitteln kaufen sie mit gutem Gewissen im Supermarkt. Das ist doch absurd und auf jeden Fall nicht nachhaltig.

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