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Datenskandal : Schon wieder Ärger mit Facebook

Das Netzwerk hat großen Firmen wie Microsoft, Netflix oder Spotify umfangreichen Zugriff auf Nutzerdaten gegeben.

Neue Vorwürfe gegen Facebook's CEO Mark Zuckerberg - hier bei einer Anhörung zum Datenskandal um Cambridge Analytica
Neue Vorwürfe gegen Facebook's CEO Mark Zuckerberg - hier bei einer Anhörung zum Datenskandal um Cambridge AnalyticaFoto: Francois Lenoir/REUTERS

Facebook kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Laut einem Bericht der „New York Times“ hat das Netzwerk Firmen wie Microsoft, Netflix oder Spotify umfangreichen Zugriff auf Nutzerdaten gegeben, ohne dass diese davon wussten oder eingewilligt hätten. Die Informationen basieren auf internen Unterlagen und Gesprächen mit Facebook-Mitarbeitern.
Nach dem Bericht habe beispielsweise Microsofts Suchmaschine Bing Zugriff auf die Namen von Facebook-Freunden eines Nutzers gehabt und die Streamingdienste Netflix und Spotify auf die privaten Nachrichten. Facebook erklärt, dabei ging es lediglich um eine Funktion, bei der sich Spotify-Nutzer, die den Musikstreamingdienst mit ihrem Facebook-Account verknüpft haben, ihren Freunden Lieder empfehlen konnten. Netflix erklärte, man habe 2014 eine Funktion gestartet, die den Kunden ermöglichte, Facebook-Freunden Serien und Filme über den Messenger oder Netflix zu empfehlen. „Da das Feature nicht gut ankam, haben wir es 2015 wieder abgeschaltet“ hieß es weiter. Und: „Zu keinem Zeitpunkt haben wir auf private Nachrichten von Personen auf Facebook zugegriffen oder um die Möglichkeit dazu gebeten.“
Aus dem Bericht der „New York Times“ geht allerdings in vielen Fällen auch nicht genau hervor, ob und in welcher Form die Unternehmen die Daten genutzt haben.
Apple wurde die Möglichkeit gegeben, vor Facebook-Nutzern zu verbergen, dass Geräte nach Daten fragen. Vertreter von Apple und anderen Unternehmen sagten, ihnen sei nicht bewusst gewesen, dass sie entsprechenden Zugriff hatten.

Firmendaten genutzt, um mögliche Freunde vorzuschlagen

Laut dem Bericht hat auch Facebook Daten von Partnerfirmen wie Amazon, Yahoo oder dem chinesischen Smartphone-Anbieter Huawei erhalten, so zum Beispiel Kontaktlisten. Diese Informationen wurden von Facebook genutzt, um mögliche Freunde oder „Personen, die Du kennen könntest“ vorzuschlagen.
Facebook verteidigte sich und betonte, die Schnittstellen seien dazu gedacht gewesen, Nutzern den Kontakt zu ihren Facebook-Freunden auf den anderen Plattformen zu ermöglichen. Zugleich bestätigte Facebook, dass die entsprechenden Schnittstellen zum Teil noch 2017 verfügbar gewesen seien, obwohl der Datenzugang eigentlich 2014 eingestellt wurde. Das hätte nicht passieren dürfen, räumte der zuständige Manager Konstantinos Papamiltiadis ein.
Die Stellungnahme von Facebook klinge „nur noch hohl“, sagte der digitalpolitischen Sprechers der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann. „Es müssen jetzt alle Fakten auf den Tisch: Wer hatte und hat wann welchen Zugang zu welchen Daten?“, sagte Zimmermann. Er kündigte an, das Thema Anfang 2019 erneut auf die Tagesordnung des Digitalausschusses zu setzen. „Facebook muss öffentlich Rede und Antwort stehen.“ Als „besorgniserregend“ bezeichnete die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff den Bericht: „Offensichtlich scheinen sich die Befürchtungen zu bewahrheiten, dass der Cambridge-Analytica-Skandal nur die Spitze des Eisbergs war“. Die europäischen Datenschutzaufsichtsbehörden müssten nun tätig werden.

Schwarzes Jahr für Facebook


Die neuen Vorwürfe sind ein weiterer Höhepunkt in einem schwarzen Jahr für Facebook. Im März schlitterte der Konzern in seine schwerste Krise mit dem Skandal um Cambridge Analytica. Es wurde bekannt, dass die britische Datenanalyse-Firma, die im US-Wahlkampf 2016 auch für den späteren Präsidenten Donald Trump arbeitete, sich vor Jahren unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Nutzern verschafft hatte.
Der eigentlich erfolgsverwöhnte Konzernchef Mark Zuckerberg musste sich immer wieder entschuldigen. Nicht nur für den Skandal um Cambridge Analytica, sondern auch generell für das Versagen im Kampf gegen Propaganda und Missbrauch und für Schmutzkampagnen gegen Kritiker.
Inzwischen leidet nach den Krisen auch das Geschäft, in Europa verlor Facebook in zwei Quartalen in Folge jeweils eine Millionen Nutzer. Und in der Politik werden Rufe nach einer Abspaltung von Diensten wie Instagram und WhatsApp lauter. Kann es Zuckerberg gelingen, das weltgrößte Online-Netzwerk 2019 wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen? Mit den jüngsten Vorwürfen ist das sicher nicht einfacher geworden. mit sech/dpa

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