Echtzeit-Funktion : Die Deutsche Bahn macht die BVG-App zum Navi

Eine neue Funktion soll Fahrgäste in Echtzeit begleiten und auf aktuelle Störungen reagieren. Auch Sharing-Dienste wie Car2Go sollen integriert werden.

In Zukunft soll die BVG-App auch Angebote wie Car2Go, Coup oder Leihfahrräder in die Routenplanung miteinbeziehen können.
In Zukunft soll die BVG-App auch Angebote wie Car2Go, Coup oder Leihfahrräder in die Routenplanung miteinbeziehen können.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Am Ende seiner Präsentation wurde Berthold Huber doch noch pathetisch. Es freue ihn, sagte der Vorstand für Personenverkehr der Deutschen Bahn, wenn Unternehmen des öffentlichen Verkehrs „als Branche zusammenstehen“. Mit dem neuen gemeinsamen Projekt der Deutschen Bahn und der BVG würden die Firmen „eine Revolution ausrufen“.

Zuvor hatte Huber in nüchternen Worten und gemeinsam mit der Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und BVG-Chefin Sigrid Nikutta am Mittwoch eine Technologie vorgestellt, die die drei als „Navi für den ÖPNV“ bezeichneten. Dafür sollen in den kommenden Monaten neue Software-Bausteine in die BVG-App integriert werden. Neben den bekannten Fahrtempfehlungen soll dann eine Echtzeit-Funktion angeboten werden, die unter Berücksichtigung aktueller Daten die beste Verbindung auswählt – wie ein Navigationsgerät im Auto.

„Das ist mehr als nur eine Empfehlung, dass man von A nach B die U-Bahn nehmen könnte“, erklärt Huber. „Das System weiß immer, wo man ist, mit welchem Verkehrsmittel man gerade fährt, und es zeigt an, wie der schnellste Weg zum Ziel ist.“ Tagesaktuelle Störungen oder Baustellen würden in die Berechnung mit einbezogen. Ab Anfang 2019 wird die neue Funktion getestet, im Sommer des kommenden Jahres soll sie für alle Fahrgäste optional zugänglich sein.

Auch Car2Go, Coup und Leihfahrräder sollen integriert werden

Dabei beschränkt sich die App zunächst auf die öffentlichen Verkehrsmittel. In den nächsten Schritten sollen zudem Carsharing-Angebote, Leihfahrräder oder Mietroller in den Routen berücksichtigt werden. Auch eine Bezahlfunktion in der App ist angedacht. Huber schwebt dabei ein Zahlungsvorgang vor, bei dem der Fahrpreis automatisch bestimmt wird – kein Problem, die App weiß ja ohnehin stets, wann der Fahrgast ein Verkehrsmittel betritt oder verlässt.

Die neue Technologie sei zudem ein lernendes System. „Wenn Sie nie mit Mietrollern fahren, wird das System Ihnen auch keine Mietroller mehr vorschlagen“, so Huber. Ramona Pop nannte die Funktion einen „weiteren Schritt zur Mobilitätswende“. Gerade vor dem Hintergrund der Diesel-Fahrverbote sei es „umso wichtiger, nachhaltige Mobilität zu fördern“.

Von hübsch bis hässlich: Berlins U-Bahnhöfe
Viel Licht und Stahl. Postmoderner Treppenaufgang am U-Bahnhof Prinzenstraße, Kreuzberg. - Foto: Gunnar Klack (CC: BY-SA 2.0) Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Berlin-Fotos an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
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09.07.2018 08:47Viel Licht und Stahl. Postmoderner Treppenaufgang am U-Bahnhof Prinzenstraße, Kreuzberg. - Foto: Gunnar Klack (CC: BY-SA 2.0)...

Für Sigrid Nikutta wiederum beweist das Feature, dass die BVG auch „schnell und cool“ sein könne. „Wir wollen damit zeigen, dass auch die großen Unternehmen etwas Großes zustande bringen“, sagte sie mit Blick auf die vielen Start-ups der Mobilitätsbranche, die in den vergangenen Jahren in Berlin Fuß gefasst haben. „Bald können Sie sich auch unkonzentriert durch Berlin bewegen“, so die BVG-Chefin. „Ihr Handy sagt Ihnen schon, wo sie hinwollen.“

Auch andere Städte sollen die Funktion bekommen

Es ist nicht das erste Mal, dass die Deutsche Bahn und die BVG zusammenarbeiten. Im Frühjahr wurde bereits ein autonom fahrender Bus der beiden Unternehmen auf dem Euref-Campus in Schöneberg vorgestellt. Die nun präsentierte Software wurde von Mobimeo entwickelt, einem Anfang des Jahres gegründeten Tochterunternehmen der Bahn. Es erstellt sogenannte White-Label-Apps für die Mobilitätsbranche. Das bedeutet, dass die Anwendungen von Mobimeo kein eigenes Design haben, sondern jeweils in bestehende Apps integriert werden können.

So soll das „Navi für den ÖPNV“ auch nicht nur in die BVG-App eingebaut werden, sondern auch den Verkehrsbetrieben in anderen Großstädten zur Verfügung gestellt werden. Für Huber ist Berlin allerdings die ideale Stadt für den Start: „Wenn man es in Berlin kann, kann man es überall.“

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