Elektroautos : VW baut Batteriezellen in Salzgitter

In einem Gemeinschaftsunternehmen mit Northvolt fertigt VW Zellen für rund 300 000 Elektroautos.

Kleine Lithium-Ionen-Zellen für Hörgeräte und Kopfhörer baut Varta auf der Schwäbischen Alb. In den nächsten Jahren sollen auch größere Formate für Autozellen dazu kommen.
Kleine Lithium-Ionen-Zellen für Hörgeräte und Kopfhörer baut Varta auf der Schwäbischen Alb. In den nächsten Jahren sollen auch...Foto: dpa

Volkswagen geht einen weiteren Schritt in Richtung elektromobiles Jahrzehnt. Gemeinsam mit dem schwedischen Unternehmen Northvolt baut VW eine Batteriezellenfabrik im niedersächsischen Salzgitter. Spätestens Anfang 2024 sollen die ersten Zellen für Autobatterien zur Verfügung stehen. Geplant ist anfänglich eine Jahresproduktion von 16 Gigawattstunden (GWh). Die deckt indes nur einen Bruchteil des Bedarfs: Allein in Europa braucht der Konzern mit seinen zahlreichen Marken rund 150 GWh und in Asien ebenfalls 150 GWh. Es werden also noch viele Gigafactorys gebraucht, damit die Elektrifizierungsstrategie von VW-Chef Herbert Diess aufgeht.

Northvolt baut Schweden

Northvolt war 2016 unter anderem von ehemaligen Tesla-Managern in Stockholm gegründet worden, um in Schweden eine Zellenfertigung aufzubauen. Mit Partnern wie VW, Scania, ABB, BMW, Siemens, Vattenfall, Vestas und Goldman Sachs und einem 350-Millionen-Euro-Kredit der Europäischen Investitionsbank wird das Projekt umgesetzt. 1,5 Milliarden Euro wurden eingesammelt, um ein Entwicklungszentrum und eine Produktion mit einer Kapazität von 16 Gigawatt aufzubauen. Also genau die Größenordnung, die Northvolt mit VW in Salzgitter anstrebt.

Riesiger Flächenbedarf

Wenn in Schweden alles nach Plan läuft, beginnt bereits in knapp zwei Jahren die Produktion. Nach Angaben von Northvolt sind die 16 Gigawatt bereits an Autohersteller verkauft, sodass inzwischen die Planungen für eine Verdopplung der Kapazität laufen. Neben Geld und Know-how braucht eine Zellenfertigung viel Platz: Die Northvolt-Fabrik in Schweden erstreckt sich über eine Fläche von 100 Fußballfeldern.
Nach Angaben von VW steht auch in Salzgitter ausreichend Platz zur Verfügung. Der Wolfsburger Konzern hat bislang 900 Millionen Euro an seinen Partner Northvolt überwiesen. Ein Teil des Geldes fließt in das Joint Venture und damit nach Salzgitter. Ein weiterer Teil ging direkt an die Northvolt AB. Im Gegenzug hat Volkswagen rund 20 Prozent der Anteile an dem schwedischen Start-up bekommen sowie einen Aufsichtsratssitz.

VW plant 70 E-Autos

Der ehemalige Chief Strategy Officer von Northvolt, Fredrik Hedlund, wird das neue Joint Venture in Salzgitter führen. Eine seine vordringlichsten Aufgaben ist die Beschaffung weiterere Mittel von Partnern oder Investoren. Womöglich baut Northvolt mit VW noch weitere Gigafactorys in Europa, die Wolfsburger sind aber auch mit anderen Lieferanten im Gespräch, darunter der koreanischen SKI. VW will nach eigenen Angaben in den nächsten zehn Jahren fast 70 neue E-Modelle auf den Markt bringen. Damit steigt die Zahl der für die nächste Dekade angepeilten E-Fahrzeuge, die auf den E-Plattformen des Konzerns gebaut werden sollen, auf 22 Millionen Stück.
Mit den 16 GWh aus Salzgitter können gut 300 000 Autos mit Batterien mittlerer Größe und Leistung ausgestattet werden. Die Gigafactory von Tesla in Nevada versorgt mit ihrer Kapazität von 35 GWh gut 600 000 Autos. Noch gigantischer sind die Pläne der chinesischen CATL mit rund 100 GWh. China ist der größte Automarkt der Welt, und der VW-Konzern mit seinen Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley und Lamborghini Marktführer in China.

30 Milliarden für Elektromobilität

Nach eigenen Angaben will Volkswagen bis 2023 mehr als 30 Milliarden Euro in die Elektrifizierung der Autos investieren. Der größte Autohersteller Europas beschäftigt derzeit weltweit 665 000 Mitarbeiter, die an jedem Arbeitstag 44 567 Fahrzeuge herstellen – derzeit noch fast alle angetrieben mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren.

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