Elektromobilität in Brandenburg : Spezialbatterien aus Ludwigsfelde

Neue Mobilität aus der Metropolregion: Nach Tesla kommt mit Microvast der zweite US-Konzern in die Mark Brandenburg.

Eichspitze heißt das Gewerbegebiet bei Ludwigsfelde, in dem Microvast eine Batteriefabrik baut. Jetzt wurde Richtfest gefeiert, im März beginnt die Produktion. .
Eichspitze heißt das Gewerbegebiet bei Ludwigsfelde, in dem Microvast eine Batteriefabrik baut. Jetzt wurde Richtfest gefeiert, im...Foto: ZB

Die US-Amerikaner entdecken die Mark Brandenburg. Tesla baut in Grünheide eine Fabrik für Elektroautos und Microvast richtet um die Ecke in Ludwigsfelde seine Europazentrale ein sowie ein Produktionswerk für Batterien, die Spezialfahrzeuge antreiben. Am Donnerstag beim Richtfest in Ludwigsfelde freute sich Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach über die „Schlüsselinvestition für moderne Mobilität“. Mit Tesla und Microvast, BASF, die in Schwarzheide Kathodenmaterial für Batteriezellen baut, sowie dem Testzentrum für autonomes Fahren der Dekra auf dem Lausitzring habe Brandenburg die Chance, „bei moderner Mobilität in der ersten Liga zu spielen“. Dazu setzt Steinbach auf Wasserstoff und will seine Landesstrategie mit den Programmen in Sachsen und Sachsen-Anhalt verknüpfen.

Produktion beginnt Anfang 2021

Wasserstoff und Brennstoffzelle sind die Zukunft, Batterieantriebe die Gegenwart. Die Nachfrage nach Batteriezellen, Modulen und Batteriepacks steigt kontinuierlich. Und damit auch das Geschäft der 2006 in Texas gegründeten Microvast. Das Unternehme will in Ludwigsfelde spezielle Batterien für Elektro- und Hybridbusse, Transporter und Geländewagen bauen. Knapp 50 Millionen Euro werden in der ersten Ausbaustufe investiert, Anfang kommenden Jahres soll die Produktion starten und dann nach und nach hochfahren.

Es beginnt mit 300 000 bis 500 000 Modulen für 10 000 bis 15 000 Fahrzeuge. In der Endstufe werden Batteriesysteme für etwa 50 000 bis 75 000 Transporter im Gewerbegebiet „Eichspitze“ gefertigt. „Zusammen mit dem großen DHL-Zentrum, Chefs Culinar und nun Microvast hat sich das Gewerbegebiet Eichspitze in kürzester Zeit zu einer Erfolgsstory entwickelt“, sagte Steffen Kammradt, Chef der Wirtschaftsförderung Brandenburg, und lobte Stadt und Kreis für flottes Behördenhandeln. „Gerade in diesen herausfordernden Zeiten sind wir mit dem Baufortschritt sehr zufrieden“, meinte dann auch Sascha Kelterborn, Chef von Microvast Deutschland. „Wir werden im März 2021 die erste Produktionsstraße einweihen und planmäßig die Lieferung von Batteriemodulen und Batteriepacks für unsere Kunden in Europa aufnehmen.“

Die Lage war entscheidend

Nach Angaben des Unternehmens gab vor allem die Lage den Ausschlag bei der Standortentscheidung für Ludwigsfelde. „Die hervorragende Verkehrsanbindung an Fernstraßen und das ÖPNV-Netz im Großraum Berlin-Brandenburg“, seien wichtige Faktoren gewesen. Dadurch werde der Zugang zu Kooperationen und der Know-how-Austausch mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen in der Metropolregion erleichtert. Gleichzeitig profitiere Microvast von der Nähe zu branchennahen Firmen. In Ludwigsfelde baut Daimler Transporter.

Eine Spezialität des Batteriesystemherstellers Microvast ist die hohe Wertschöpfungstiefe: Alle Rohstoffe der Batteriechemie werden überwiegend selbst gefertigt – dazu gehören Kathoden, Anoden, Elektrolyt und Separatoren. Bei der Zellfertigung kann Microvast Zellen nach Kundenwunsch mit unterschiedlicher Batteriechemie herstellen. Auch die Batteriemanagement-Systeme und die Leistungselektronik werden in eigener Fertigung produziert und vollständig in Standardmodule integriert. Module und Elektronik sind individuell konfigurierbar.

1000 Bussen in London ausgerüstet

Microvast produziert dabei für alle Bereiche des Nahverkehrs und des Transportwesens. Dazu gehören Busse, Sammeltaxis und Großraum-Pkw. In London hat das US-Unternehmen 1000 Doppeldecker-Gelenkbusse mit Hybridtechnik ausgerüstet. Nach eigenen Angaben zeichnet die Microvast-Batterien die schnelle Ladezeit (zwischen zehn und 20 Minuten) sowie die Lebensdauer aus; je nach Zellchemie seien bis zu 20 000 Ladezyklen möglich.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!

6Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben