Fusion der Nuss-Nougat-Cremes : Großangriff von Rewe, Aldi, Lidl und Edeka auf Nutella

Die Nuss-Nougat-Cremes der deutschen Supermärkte kommen künftig alle vom selben Produzenten. Können sie dem Platzhirsch Nutella gefährlich werden?

Nutella ist bei den meisten Kunden beliebter als die Eigenmarken des Supermärkte.
Nutella ist bei den meisten Kunden beliebter als die Eigenmarken des Supermärkte.Foto: Thilo Rückeis

Das Bundeskartellamt hat am Montag eine Übernahme genehmigt, deren Beschreibung den Wettbewerbshütern üblicherweise gar nicht gefallen dürfte. Durch den Zusammenschluss entsteht der mit Abstand führende Hersteller von Nuss-Nougat-Cremes im Auftrag von Dritten in Deutschland, teilte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts mit. Doch warum hat das Kartellamt mit einem "mit Abstand" größten Hersteller kein Problem?

Die Antwort liegt in Alba, Italien. Denn in der 30.000-Einwohner-Stadt hat Ferrero seinen Sitz. Und bekanntlich gehört auch Nutella zum Portfolio des Lebensmittel-Konzerns. "Durch starke Rivalen wie Nutella mit zwei Dritteln Marktanteil ist trotzdem genügend Wettbewerb gewährleistet", kommentierte Mundt weiter. Frei übersetzt könnte man diesen Satz auch so deuten: Neben Nutella kann sich ohnehin kein Monopol bilden.

Alle Nutella-Alternativen aus einem Konzern

Tatsächlich ist die Allianz durchaus breit, die durch die jüngste Übernahme entsteht. Die Krüger-Gruppe aus Bergisch-Gladbach übernimmt dabei die niederländische Peeters-Gruppe. Mögen diese beiden Namen zwar vergleichsweise unbekannt sein, sind sie für den deutschen Handel doch essenziell. Krüger produziert die Nuss-Nougat-Cremes unter anderem für Lidl (Mister Choc, Choco Nussa),  Edeka (Gut & Günstig, Nussetti), und Aldi Süd (Nutoka). Die wesentlich kleinere Peeters-Gruppe produziert insbesondere für  Rewe (Ja, Bio) und Aldi Nord (Trader Joe’s). Das bedeutet: Fast alle Nuss-Nougat-Creme-Eigenmarken deutscher Supermärkte kommen künftig aus demselben Konzern.

Eigenmarken haben in den vergangenen Jahren an Bedeutung für den Handel gewonnen. Sie werden von Kunden immer häufiger als günstigere Alternative zu Markenprodukten gesehen, ihre Marktanteile stiegen kräftig an. So hat Rewe beispielsweise mit Ja, Feine Welt, Beste Wahl oder auch Today (Drogerieartikel) in zahlreichen Segments und Preisklassen Eigenmarken kreiert. Bei anderen Ketten sieht es ähnlich aus. Nicht immer ist die Unternehmenszugehörigkeit auf den ersten Blick zu erkennen. So zum Beispiel beim Label Wilhelm Brandenburg, unter welchem Rewe Fleisch produziert.

Verändert sich jetzt der Preis?

Angesichts dieser Entwicklung dürfte die Fusion der Nuss-Nougat-Hersteller in Alba mit Interesse verfolgt werden. Zwar entfallen auf Handelsmarken insgesamt lediglich rund elf Prozent des Umsatzes mit Nuss-Nougat-Cremes in Deutschland. Doch auch in anderen Segmenten lag der Eigenmarken-Anteil vor einigen Jahren noch deutlich tiefer als heute.

Dennoch könnte die Fusion sogar einen Nachteil für die Lebensmittelhändler haben. Die Auswahl der Produzenten für Nuss-Nougat-Cremes wird durch den Zusammenschluss deutlich verringert, gibt das Bundeskartellamt zu bedenken. Allerdings gehen die Wettbewerbshüter davon aus, dass Produzenten, die bisher Markenhersteller beliefern, problemlos umschwenken und ebenfalls für Rewe, Edeka und Co. produzieren könnten.

Auf den Preis im Supermarktregal hat die Übernahme aus Sicht des Kartellamts jedenfalls keine Auswirkungen. "Die Bedeutung von Nutella auf dem Endverbrauchermarkt ist so groß, dass dadurch auch der Verhaltensspielraum der beiden fusionierenden Hersteller sowie der Preissetzungsspielraum bei Handelsmarken beschränkt werden", heißt es in einer Mitteilung. Auch hier darf man wohl wieder frei übersetzen: Die Marktmacht von Nutella ist so groß, dass die Eigenmarken den Preis ohnehin nicht beeinflussen können.

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