Alexanderplatz : „Wird demnächst eröffnet“

„The Office Group“ will am Pressehaus Coworking-Flächen schaffen.

Das Erdgeschoss teilt sich der Coworkinganbieter „The Office Group“ mit dem denkmalgeschützten Gebäude. Im ersten Stock des Anbaus gibt es einen Veranstaltungsbereich. 2021 soll alles bezugsfertig sein.
Das Erdgeschoss teilt sich der Coworkinganbieter „The Office Group“ mit dem denkmalgeschützten Gebäude. Im ersten Stock des Anbaus...Visualisierung: gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner, The Office Group

The Office Group (TOG) gehört seit 17 Jahren zu den erfolgreichsten Anbietern von „flexiblen Workspaces“ in Großbritannien. Gemeinsam mit der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Blackstone expandiert das Unternehmen. Die Blackstone Group L.P. ist eine an der Börse notierte US-amerikanische Investmentgesellschaft mit Hauptsitz in New York City.

Im Spätsommer 2020 will TOG sein erstes Gebäude in Deutschland eröffnen: Mit dem „Kontorhaus“ (Kronenstraße 63, 10117 Berlin) soll Unternehmen verschiedener Größe und Branche eine innovative Alternative zum klassischen Büro angeboten werden. Nach dem Launch in Berlin eröffnen schon zum Ende des Jahres weitere Gebäude in Frankfurt und Hamburg und vergrößern so das Portfolio von TOG mit dann mehr als 50 Gebäuden in Großbritannien und Deutschland.

In Berlin sind weitere Standorte geplant, wird über die Homepage von TOG angekündigt: Unter den Linden 40 und direkt am Pressehaus, Karl-Liebknecht- Straße 40. In welchem bauplanungs- und baurechtlichen Stadium sich das Pressehaus-Projekt befindet, war über die Pressestelle des Bezirks trotz eintägigen zeitlichen Vorlaufs zunächst nicht in Erfahrung zu bringen. „Die Abteilung Stadtentwicklung hat sich nicht bei mir noch nicht gemeldet“, sagte Sprecher Christian Zielke. Tatsächlich hat der Bau schon begonnen – unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Das Pressehaus auf dem Alexanderplatz soll nach seiner Fertigstellung der größte TOG-Standort in Deutschland sein. „Mehr als 9000 Quadratmeter Bürofläche sind auf acht Stockwerke verteilt“, heißt es in den Unterlagen des Unternehmens. Errichtet werden sieben Ober- und ein Untergeschoss. Das Design der neuen Innenflächen, die an das ursprüngliche Gebäude aus den 1970ern angebaut werden, sei eigens für TOG von dem Universal Design Studio (London) entworfen worden. Baubeginn war nach Angaben der TOB betreuenden PR-Agentur bereits am 1. Juli 2019. Die Fertigstellung ist bis 2021 geplant.

Das Gebäude hat eine Höhe von zirka 29 Meter über dem Gelände. Die augenscheinliche Besonderheit des Gebäudes ist die doppelt geneigte Dachfläche oberhalb der Traufhöhe mit ihrer auf die Winkelecke zulaufenden Diagonalen und die sehr schlanken, spitz­förmig ausgebildeten Giebelflächen – so die am Bauvorhaben beteiligten Ingenieure Hartwich Bernhardt HBI. Die Architektur der Außenhülle stammt von gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner.

Die Besonderheit des Gebäudes ist die doppelt geneigte Dachfläche oberhalb der Traufhöhe mit ihrer auf die Winkelecke zulaufenden Diagonalen und die sehr schlanken, spitz­förmig ausgebildeten Giebelflächen.
Die Besonderheit des Gebäudes ist die doppelt geneigte Dachfläche oberhalb der Traufhöhe mit ihrer auf die Winkelecke zulaufenden...Visualisierung: The Office Group, gmp

Neben einer großen Auswahl an vielseitigen Arbeitsplätzen soll das Pressehaus auch über ein hochmodernes Fitnessstudio, ein Café und diverse Wellness-Einrichtungen verfügen. Die Inspiration für die Inneneinrichtung stammt aus der ursprünglichen Nutzung des Gebäudes, das ein Verlagshaus in der DDR war. Der Entwurf nimmt Bezug auf die Ideen der Archivierung, Lagerung und Ausstellung. Im Obergeschoss wird es eine Bar und im Erdgeschoss ein öffentlich zugängliches Café geben. Es gibt auch einen Hofbereich im ersten Stock, der für Veranstaltungen im Freien vorgesehen ist.

„Es ist es uns wichtig, die Architektur, den Standort und den Kontext jedes Gebäudes in unser Designkonzept miteinzubeziehen. Nur so können sich die Menschen, die darin arbeiten, zuhause fühlen und es entsteht ein wahres Gemeinschaftsgefühl“, sagen Olly Olsen und Charlie Green, Gründer und Co-CEOs von TOG.

Direkt am Pressehaus entsteht "The Podium"

Das historische Pressehochhaus mit dem Flachbau „Pressecafé“ wurde bereits rekonzipiert und komplett revitalisiert. Direkt anliegend soll der Neubau „New Podium“ entstehen, teilt die German Estate Group (GEG) mit. Das bestehende ehemalige „Haus des Berliner Verlages“ wird separat vermietet. TOG teilt sich hier nur das Erdgeschoss des denkmalgeschützte Gebäudes.

Der Frankfurter Immobilien-Investor GEG erwarb das Pressehaus im Frühjahr 2019, nicht einmal zweieinhalb Jahre nach dem Ankauf durch das US-amerikanische Immobilienunternehmen Tishman Speyer. Tishman Speyer wiederum hatte das Hochhaus im Herbst 2016 vom Medienriesen Bertelsmann erworben. Soweit die Verkaufshistorie. Die GEG German Estate Group, Frankfurt, zahlte nach eigenen Angaben zuletzt 365 Millionen Euro für die Immobilie. Für den Ankauf stellte die Deutsche Pfandbriefbank GEG rund 150 Millionen Euro zur Verfügung. Die Fertigstellung des Neubaus (10 300 Quadratmeter) werde Tishman Speyer „bis 2021 verantwortlich“ begleiten, so die GEG.

Das zum Teil unter Denkmalschutz stehende Ensemble sei langfristig an erstklassige Mieter wie den amerikanischen Möbelkonzern „Wayfair“, den Co-Working-Anbieter „The Office Group“ oder den südafrikanischen Medienkonzern „Naspers“ vermietet, so die GEG.

Das so genannte Pressehaus entstand als „Haus des Berliner Verlags“ zu DDR-Zeiten – in den Jahren 1970-1973. Bis 2017 war es auch Sitz des Berliner Verlags, zu dem die „Berliner Zeitung“ gehört. Das 16-stöckige Gebäude sollte zum Zeitpunkt seiner Planung die Neugestaltung des Alexanderplatzes mitprägen; seit 2015 steht es unter Denkmalschutz.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen unter Katrin Lompscher (Die Linke), Hüterin des Alexanderplatzes, kann zum Projekt „New Podium" nichts sagen. „Mit dem Anbau hatten wir hier leider gar nichts zu tun“, sagt Lompschers Sprecherin Katrin Dietl: „Für das Baugenehmigungsverfahren war nur der Bezirk zuständig.“