Bockbrauerei-Areal : „Aufschiebertis“ in Kreuzberg

Bauausschuss des Bezirks vertagt Empfehlung zur „Bockbrauerei“ erneut.

So oder so ähnlich könnte es nach den Planungen der Bauwert AG auf dem Gewerbeareal der alten Bockbrauerei einmal aussehen.
So oder so ähnlich könnte es nach den Planungen der Bauwert AG auf dem Gewerbeareal der alten Bockbrauerei einmal aussehen.Grafik: Bauwert AG/Bonanni Architekten

Marlene Heihsel, Bezirksverordnete der FDP in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg kann es nicht fassen. Wieder vertagte sich der Bauausschuss des Bezirks auf das nächste Mal, wieder kommt das Projekt „Alte Bockbrauerei“ nicht einen Schritt weiter, werden hier keine neuen Wohnungen gebaut – eigentlich ein Fall für die Wohnungsbauleitstelle des Senats. „Wir haben in Kreuzberg eine chronische Aufschieberitis“, sagt Heihsel resigniert.

Dabei hatte es in den vergangenen Wochen hinter den Kulissen erhebliche Fortschritte in den Gesprächen von Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) mit Investor Jürgen Leibfried (Bauwert AG) gegeben.

Das alte Schwankhaus soll an eine Genossenschaft gehen

Einig ist man sich inzwischen, das alte Schwankhaus der ehemaligen Bockbrauerei Fidicinstraße 3 einer Genossenschaft (oder Stiftung) zuzueignen. Diese Fläche soll so nachhaltig zukünftigen Mietspekulationen entzogen werden.

Auch eine bestimmte Baugenossenschaft wurde bereits dafür ins Auge gefasst: Die „Besser genossenschaftlich Wohnen von 2016 eG“. Thomas Bestgen, Aufsichtsrat dieser Genossenschaft, würde das Bestandsgebäude erwerben und bestimmte Verpflichtungen übernehmen, so der Plan: den Mietvertrag mit dem Archiv für Jugendkultur, die Verlängerung des Mietvertrages Thikwa Theaters und vor allem, die kostenlose Überlassung der Flächen in Untergeschoss für die Erinnerungsstätte der Zwangsarbeit. Über den Kaufpreis sowie die sonstigen Rahmendaten herrscht bereits eine grundsätzliche Einigung.

Die Kellerflächen waren unter Denkmalschutz gestellt worden und sollen auf Kosten der Bauwert AG zur Erinnerungsstätte umgebaut werden. Hier geht es um 550 bis 900 Quadratmeter. Die laufenden Kosten der Einrichtung würde – auch darüber wurde Einigkeit erzielt – das Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ übernehmen. Eine mündliche Zusage von Direktor Andreas Nachama liegt Leibfried nach Informationen dieser Zeitung vor. Auch mit Blick auf den sozialen Wohnungsbau auf dem Gewerbeareal ist man einen Schritt weiter: Die Howoge würde 3500 Quadratmeter Neubau für eine Kindertagesstätte, Gewerbe und Wohnen erwerben. Ein bereits bestehender Vorvertrag mit der Howoge über zirka 2200 Quadratmeter Fläche würde vor diesem Hintergrund aufgehoben werden.

50 Prozent der Flächen sind für Wohnen vorgesehen

Das aktuelle Bestandsgebäude hat nach Informationen der Bauwert eine Gesamtnettofläche inkl. der Untergeschossflächen von 4770 Quadratmetern, hinzukommen weitere überdachte Flächen sowie die Flächen des Neubaus, der an die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft verkauft wird. Insgesamt würden somit zirka 8370 Quadratmeter Nettofläche an das Land Berlin bzw. an eine Genossenschaft übergeben werden können. Die aktuelle Gesamtnettofläche inklusive der Bestandsgebäude beträgt zirka 28 760 Quadratmeter. Nach den Vorstellungen von Baustadtrat Schmidt sollen von dieser Fläche maximal fünfzig Prozent als Wohnfläche gebaut werden.

Trotz dieser Rahmenbedingungen konnte sich der Bauausschuss nicht zu einer Empfehlung an die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) durchringen. Man wolle nun erst einmal eine Stellungnahme des Denkmalschutzes zu dem geplanten Gedenkstättenprojekt und Teilabriss der Kellerflächen haben, so wurde verlangt. Es müsse geklärt werden, ob den Forderungen des Denkmalschutzes in den bisherigen Planungen Genüge getan worden sei und die restlichen Kellerflächen somit Neubauten weichen können.

Volker Härtig begrüßte für die SPD im Bauausschuss zwar am Mittwoch, dass es Fortschritte bei der Bockbrauerei gäbe und dass eine landeseigene Gesellschaft einen Teil übernehmen würde. Prinzipiell finde er mehr Wohnen aber besser als Gewerbe, notierte ein Sitzungsteilnehmer. Härtig sei stutzig über den Kontakt mit Thomas Bestgen bzw. mit der Genossenschaft anstatt ein Konstrukt mit der Howoge anzustreben. Die Rechtsform der Genossenschaft gäbe keinen Inhalt über die Gemeinnützigkeit preis. Somit müsse man mit der Thematik kritisch umgehen. In Summe sei das Ergebnis nicht ideal, aber im Kern durchaus positiv, meinte Härtig weiter. Fortsetzung folgt in der Maisitzung. Vielleicht.

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