Innovationen der Deutschen Bahn : Bei der Bahn heißt es nun „Servus“ statt „Sänk ju“

Die Deutsche Bahn präsentiert ihre Neuheiten: Spontane Ansprache, Lieblingsspeisen im Bord-Bistro, Mode vom Designer und digitale Helfer.

Gerichte to go. Die Bahn hat ihre Speisekarte aufgeräumt und lockt mit Aktionspreisen. Kunden können das Essen auf Papptellern mit an den Platz nehmen.
Gerichte to go. Die Bahn hat ihre Speisekarte aufgeräumt und lockt mit Aktionspreisen. Kunden können das Essen auf Papptellern mit...Foto: B. Pedersen/dpa

Das schafft nur die Deutsche Bahn: „Ankommen beim Einsteigen“. Unter diesen Leitspruch stellt das Konzern- Marketing eine neue Serviceoffensive, in deren Genuss Reisende kommen sollen. Von der Currywurst-Variation im Bordbistro über die Dienstkleidung bis zur Kundenansprache im Zug – die Bahn wolle „ein herzlicher und moderner Gastgeber sein“, sagte die Leiterin der Service- Strategie im Fernverkehr, Ramona Fellner, am Donnerstag in Berlin bei einer Neuheiten- Schau der Bahn. Vom Schaffner zum Gastgeber – für manchen Mitarbeiter ist das eine lange Reise. „Das muss verinnerlicht werden“, räumte Ramona Fellner ein. Intensiv arbeite man noch am neuen Selbstverständnis.

Die Zeiten von „Sänk ju for träwelling wis Deutsche Bahn“ sollen jedenfalls vorbei sein. Stattdessen ist Spontaneität gefragt, auch bei den Durchsagen. Eine Lautsprecher-Begrüßung mit „Moin moin“ oder „Servus“ sollte künftig also niemanden überraschen. Das ist, was Ramona Fellner „Sprache, die aus dem Bauch kommt“ nennt. Vorgetragen von Mitarbeitern, deren „Uniformen“ von Mode-Designer Guido Maria Kretschmer entworfen wurden und die noch den „Tragetest“ durchlaufen. „Die Kolleginnen und Kollegen sollen sich wohlfühlen“, sagt Fellner.

"Zwischen Tradition und Moderne"

Der „Genuss auf ganzer Strecke“ soll für die Kunden im Mittelpunkt stehen, die ab Dezember eines der 650 Zug-Restaurants oder -Bistros besuchen. Künftig wird zwar weniger auf der Karte stehen, dafür wird es mehr „Lieblingsspeisen“ geben, wie die Bahn hervorhebt – Klassiker wie Currywurst oder Chili con Carne, die Wurst garniert mit Tortilla-Streuseln, das Chili mit einem Klecks Schmand. Schon „vor dem ersten Bissen“ will die Bahn, die einst über die Abschaffung der Restaurantswagen nachdachte, mit einem ansprechend gedeckten Tisch den Appetit anregen. Aktionspreise – etwa 2,50 Euro für den Pott Kaffee (statt drei Euro) – sollen die Kunden anlocken. Mehr Qualität zu stabilen Preisen, kündigt die Bahn an. Und: Alle Speisen kann man künftig auch zum Platz mitnehmen – im Pappgeschirr.

„Zwischen Tradition und Moderne“ bewege sich die Deutsche Bahn mit ihrem neuen Serviceversprechen, sagte Michael Peterson Marketing-Vorstand im Fernverkehr der Bahn. Der Schienenkonzern präsentierte am Donnerstag im Motorwerk in Weißensee 50 Produkt- und Serviceinnovationen, die in den kommenden sechs bis zwölf Monaten bei den Kunden ankommen sollen. Darunter nicht nur Gastronomisches und Modisches, sondern auch neue digitale Dienstleistungen und Helfer, bessere Informations-Systeme im Zug und am Bahnsteig, „Anschlussmobilität“ mit Elektro-Shuttles und Lastenrädern oder ein „Ideenzug“ mit Kinderspielplatz und Arbeitskabinen.

Bahn-Chef sieht System an der Belastungsgrenze

In den 382 neuen Waggons der Berliner S-Bahn, die ab 2021 fahren sollen, wird die Bahn zum Beispiel ihr eigenes, modernes Informationssystem einsetzen. Dann werden der Fahrtverlauf in Echtzeit auf dem Streckenplan visualisiert oder Anschlussverbindungen und Störungen angezeigt.

Vor allem Verspätungen und Ausfälle machen Bahnkunden aktuell schwer zu schaffen. Jeder vierte Zug kommt aktuell zu spät. Bahn-Chef Richard Lutz, der kürzlich in einem internen Brandbrief die Konzernführung zu größeren Anstrengungen und mehr Effizienz aufgefordert hatte, räumte am Donnerstag ein: „Das Gesamtsystem Bahn gerät an die Grenzen der Belastung.“ Wolle man die Attraktivität des umweltfreundlichen Verkehrsträgers steigern, müsse die Kapazität dringend ausgebaut werden. „Das ist der Schlüssel zur Lösung“, sagte Lutz. Deshalb investierten der Bund als Eigentümer der Bahn und das Unternehmen Milliarden in neue Züge und die Infrastruktur. Die Bahn wird auch im laufenden Jahr eine Rekordzahl an Reisenden transportieren.

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