• Interview mit dem Chef der Ullrich-Supermärkte in Berlin: "Frau Merkel trägt ihre Einkaufstüten immer selbst"

Interview mit dem Chef der Ullrich-Supermärkte in Berlin : "Frau Merkel trägt ihre Einkaufstüten immer selbst"

Im Supermarkt an der Mohrenstraße genießt die Kanzlerin keine Vorzugsbehandlung, sagt Gert Schambach. Sein Lieblingsladen ist der Ullrich am Zoo.

Bundeskanzlerin Angela Merkel kauft ein. An ihrer Seite: der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang, geschehen am 10. Oktober 2014 im Verbrauchermarkt an der Mohrenstraße.
Bundeskanzlerin Angela Merkel kauft ein. An ihrer Seite: der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang, geschehen am 10. Oktober...Foto: Tim Brakemeier/dpa/picture alliance

Herr Schambach, in der kommenden Woche eröffnen Sie in der Schloßstraße in Steglitz Ihren vierten Ullrich-Markt in Berlin. Hat Berlin denn nicht schon genug Supermärkte?


Es geht nicht um Quantität, sondern um echte Vielfalt. Bei uns können Sie den schnellen, preisgünstigen Einkauf machen, aber auch den Großeinkauf. Wir haben die großen Marken, aber auch viele regionale Produkte und legen besonderen Wert auf Bio und Frische.


Aber das macht die Konkurrenz doch auch.

Gert Schambach (50) war früher im Vorstand bei Edeka und leitet jetzt die Dohle Handelsgruppe mit Hauptsitz in Siegburg.
Gert Schambach (50) war früher im Vorstand bei Edeka und leitet jetzt die Dohle Handelsgruppe mit Hauptsitz in Siegburg.Foto: Kai-Uwe Heinrich


Wir werden in Steglitz 30.000 Artikel auf 2200 Quadratmeter Fläche haben, das ist schon ein Mehrwert für die Kunden.


Fünf Fußminuten von Ihrem neuen Markt entfernt sind drei Edekas, zwei Rewes, ein Aldi und ein Lidl. Was wollen Sie da noch?


Die Schloßstraße ist die zweitmeist frequentierte Einkaufsstraße Berlins. Klar gibt es dort mehrere Supermärkte in Fußnähe, aber die sind alle viel kleiner als unser neuer Markt. Es gibt einen starken Verdrängungswettbewerb im Handel, aber vor dem haben wir keine Angst. Wir sind zwar ein mittelständisches Unternehmen, aber wir arbeiten mit hochmodernen, vollintegrierten SAP-gestützten Prozessen, die viele der größeren Konkurrenten in dieser Form noch nicht haben. Wir sind aber gleichzeitig klein genug, dass jeder Markt individuell auf die jeweiligen Kunden ausgerichtet sein kann.


Das heißt in Ihrem Markt am Bahnhof Zoo gibt es deutlich mehr Billigbier als in Steglitz?


Sie unterschätzen die Kundschaft am Zoo. Ich liebe diesen Standort. Es ist faszinierend und wäre in keiner anderen Stadt möglich, dass wie bei uns sonntags bedeutende Schauspieler mit Obdachlosen in einer Schlange stehen. Das ist eine Liberalität, die man wirklich lieben muss. Man darf nicht immer auf die vermeintlichen Problemthemen schauen. Der Laden ist doch Kult.


Aber würden Sie sich dort freiwillig an die Kasse setzen? Die Verkäufer und Verkäuferinnen brauchen schon starke Nerven.


In dem Laden gibt es ganz geregelte Abläufe. Wir haben natürlich auch Sicherheitsvorkehrungen, falls mal was passieren sollte. Aber es passiert tatsächlich nicht viel. Es ist doch so: Unabhängig von ihrer sozialen Situation können sich doch alle Leute gleich vernünftig benehmen. Der Laden am Zoo ist unser Lieblingsladen in Berlin.


Der bringt ja auch am meisten Umsatz, oder?


Ja. Der Markt hat große Akzeptanz. Und wir freuen uns, wenn sonntags die Schlangen trotz vollbesetzter Kassen lang und die Gänge voll sind.


Haben Sie im Ullrich am Zoo mehr Security als in Ihrem Laden an der Mohrenstraße?


Ja, sicherheitshalber. Wenn Frau Merkel zu uns in die Mohrenstraße kommt, um einzukaufen, bringt sie ihr Sicherheitspersonal ja selber mit (lacht). In der Mohrenstraße ist es schon ruhiger.

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