Sieben Jahre nach der Katastrophe in Bangladesh : Ausbeutung in der weltweiten Textilindustrie bleibt

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Seit dem  bisher schwersten Katastrophe in der asiatsichen Textilindustrie, dem Brand der Rana Plaza-Fabrik von April 2013, haben sich Brandschutz und die Löhne der Arbeiterinnen teils verbessert, nicht aber das Geschäftsmodell der Produktion von  Wegwerfmode und den hohen Konkurrenz- und Preisdruck in der Branche. Das hat eine internationale Studie festgestellt, die über mehrere Jahre Liefer- und Abnehmerfirmen, Arbeiter und Gewerkschafterinnen dazu befragte. Teilergebnisse der auf englisch veröffentlichten Studie "Bekleidungslieferketten nach Rana Plaza. Strukturen und ihre Folgen für die Beschäftigten" waren bereits zuvor bekannt worden.

Der Einsturz von Rana Plaza hatte weltweit Entsetzen ausgelöst und den Blick auf die sozialen und Umweltkosten der schnellen Mode gelenkt, die im Westen billig verkauft wird. Die neunstöckige Fabrik nahe Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh war zum großen Teil illegal gebaut worden und später auch noch aufgestockt worden. Als der Bau in sich zusammenfiel, kostete dies 11326 Menschen das Leben, die meisten Arbeiterinnen. 2500 wurden verletzt. Zuvor waren Risse im Gebäude entdeckt worden; dennoch hatte der Besitzer seine Angestellten gezwungen, darin weiterzuarbeiten. Auftraggeberinnen waren unter anderem die britische Kette Primark und das spanische Modelabel Mango. Zwei Jahre später begann ein internationales Forschungsteam, darunter Fachleute der London School of Economics, der austsralischen University of New South Wales, der Berliner Freien und der Linzer Universität, damit, Daten über die Auswirkungen auf die Lieferkette zu sammeln - in Bangladesh als Herstellerland und in Schweden, Deutschland, Großbritannien und Australien, vier Ländern der Kunden.

Demnach hat der öffentliche Druck in den Abnehmerländern offenbar dazu geführt, dass die großen Marken ihrerseits Druck auf ihre Zulieferbetriebe ausgeübt haben, um sie zu Investitionen in die Sicherheit der Gebäude zu zwingen. Die Studie zitiert einen Fabrikmanager mit den Worten, seit Rana Plaza könne man seine "Abnehmer verlieren, wenn man die Frage der Gebäudesicherheit nicht löst". Zugleich, so hat das Forschungsteam festgestellt, bänden sich die Abnehmer tendenziell länger an ihre Zulieferfirmen, einmal um die Kosten zu reduzieren, die solche Wechsel verursachten, anderersits aber auch um die Einhaltung von Mindestanforderungen an die Arbeitsbeziehungen in den Fabriken sicherzustellen. Das habe dort "mehr Arbeitsplatzsicherheit und ein rasch wachsende Einkünfte möglich gemacht", allerdings auf der Basis weiter niedriger Gewinnmargen. Und obwohl die westlichen Abnehmerinnen auf Bauqualität in den Zulieferfabriken drängten, so die Studie, gäben sie kaum oder kein Geld dafür. Auch höhere Preise für die Produkte würden nicht gezahlt, wenn die Partnerfirmen in Sicherheit und bessere Arbeitsbedingungen investierten. Im Gegenteil: Seit Rana Plaza hätten sogar "zwischen Auftraggebern und Produzenten das Machtgefälle und der Lieferdruck zugenommen".

Zu einer positiven Lohnentwicklung haben die großen Weltmarken anscheinend - selbst unter Druck in ihren Heimatländern - allerdings beigetragen: So gehen nach der Studie mehrere Erhöhungen des gesetzlichen Mindestlohns in Bangladesh, die letzte im Sommer 2018, direkt auf ausländischen Druck zurück. Der durchschnittliche Lohn einer Textilarbeiterin - die meisten Beschäftigten sind Frauen - von 5300 Taka pro Monat liege deutlich über dem Minimum. Das seien aber immer noch lediglich 53 Prozent desssen, was die "Global Living Wage Coalition" (GLWC) für existenzsichernd hält. GLWC ist ein weltweiter Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen, die sich für Umwelt- und Sozialstandards engagieren. In der Studie ist mehrfach davon die Rede, dass sich alle, die Verbesserungen wollen, dem Widerstand der Regierung Bangladeshs wie auch des Arbeitgeberverbands der Textilindustrie des Landes BGMEA gegenübersehen. So führte erst eine Boykottdrohung der schwedischen Modekette H&M und anderer Großer der Branche dazu, dass 2017 Aktivistinnen eines Streiks freigelassen wurden, die die Regierung in Haft genommen hatte, als sie deren Streik brutal zusammenschlagen ließ. Insgesamt stellen die Forscherinnen udn Forscher fest, dass es seit Rana Plaza "deutlichen Fortschritt bei der Bezahlung von Überstunden, Boni, Arbeitsplatzsicherheit, sozialen Rechten, Gesudheit und Sicherheit" gegeben habe, aber "wenig bei Grundgehältern, Arbeitszeiten und erzwungenen Überstunden". Misshandlungen durch Aufseher gebe es weiter, die Beschäftigten würden angeschrien oder geschlagen. Gewerkschaften und Tarifverhandlungen "fehlen weitgehend". Tatsächlich berichteten in den Interviews mit Beschäftigten nur fünf Prozent von ihnen, dass es in ihren Firmen Gewerkschaften gebe. Befragt wurden - jeweils fern ihres Arbeitsplatzes - 1500 Personen, 1000 Frauen und 500 Männer, aus 200 unterschiedlichen Fabriken.

Die Studie macht auch deutlich, dass auch die Schritte vorwärts gefährdet seien, sollte der Druck auf die Abnehmerfirmen durch eine aufmerksame Öffentlichkeit vor allem im Weltnorden nachlassen: ((Zitat)) Und Verantwortung für die Verhältnisse in ihren Zulieferbetrieben lehnen viele Auftraggeberinnen im Westen ohnedies ab: Im Januar 2019 scheiterte ein Prozess in Dortmund, der Präzedenzcharakter hätte haben können. Das Dortmunder Gericht lehnte die Klage überlebender Opfer eines Fabrikbrandes in der pakistanischen Hauptstadt Karatschi ab, der 2012 258 Menschen das Leben gekostet hatte. Hauptabnehmerin von "Ali Enterprises" war die deutsche Billigkette KiK. Sie zahlte zwar sechs Millionen an die Hinterbliebenen, lehnte aber Verantwortung für den Brand ab. Die Bundesregierung will 2020 prüfen, ob es ein Gesetz braucht, um deutsche Firmen zur Umsetzung von sozialen und ökologischen Mindeststandards in ihren Zulieferfirmen zu verpflichten.

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