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 Hat mächtig Unruhe bei Twitter ausgelöst: Elon Musk.
© REUTERS / Dado Ruvic

Steht Twitter vor dem Kollaps? : Weitere Kündigungswelle trifft betriebsrelevante Teams

Wieder sollen Hunderte Mitarbeiter den Kurznachrichtendienst verlassen haben. Experten warnen vor der Möglichkeit, dass sensible Nutzerdaten an die Öffentlichkeit gelangen.

Mit seiner Forderung, dass Mitarbeiter künftig deutlich mehr Überstunden machen sollen, stößt der neue Twitter-Eigentümer Elon Musk offenbar zahlreiche Beschäftigte des Kurznachrichten-Dienstes vor den Kopf.

In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der App Blind wollten 42 Prozent der 180 Teilnehmer das Unternehmen verlassen. Ein weiteres Viertel bleibe nur widerwillig. Über Blind können sich Arbeitnehmer über ihre Firmen-E-Mail registrieren und anschließend anonym untereinander austauschen. Ob die Ergebnisse repräsentativ sind, ist aber unklar.

Musk, der unter anderem auch den Elektroautobauer Tesla leitet, hatte die Twitter-Mitarbeiter vor einigen Tagen vor die Wahl gestellt, „lange Arbeitszeiten mit hoher Intensität“ zu akzeptieren oder mit einer Abfindung das Unternehmen zu verlassen.

230
Millionen aktive Nutzer hat der Kurznachrichtendienst weltweit.

Wie viele Mitarbeiter tatsächlich gekündigt haben, ist noch nicht offiziell bekannt. Das renommierte amerikanische Tech-Portal „The Verge“ und die Zeitung „Washington Post“ berichten jedoch von hunderten Kündigungen.

Der britische Sender „BBC“ zitiert einen ehemaligen Mitarbeiter mit den Worten: „Ich denke, wenn sich der Nebel heute lichtet, werden wahrscheinlich weniger als 2.000 Leute übrig sein.“ Vor der Übernahme durch Musk hatte Twitter noch 7500 Mitarbeiter, in einer ersten Kündigungswelle wurde mehr als die Hälfte der Angestellten bereits entlassen.

Sowohl Angestellte als auch Ex-Mitarbeiter gehen aufgrund der Kündigungswelle von einem zeitnahen Zusammenbruch der Plattform aus.

„Es fühlt sich so an, als ob all die Leute, die diesen Ort unglaublich gemacht haben, nun gehen“, sagte ein Twitter-Mitarbeiter zu „The Verge“. „Es wird für Twitter extrem schwer, sich davon zu erholen, egal wie hart die übriggebliebenen Mitarbeiter arbeiten werden.“ In den vergangenen Tagen habe man beobachten können, wie „legendäre Entwickler“ einer nach dem anderen das Unternehmen verlassen hätten, zitiert das Tech-Portal einen anderen Twitter-Mitarbeiter.

Der personelle Aderlass bringt die Grundfesten des Kurznachrichtendiensts offenbar ins Wanken. Viele der für den Betrieb „absolut notwendigen“ Teams hätten ganz oder zumindest teilweise gekündigt, berichtet ein Mitarbeiter. Darunter offenbar auch das sogenannte „Command Center“, eine Abteilung von Programmierern, die sich rund um die Uhr um interne technische Schwierigkeiten gekümmert haben soll.

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„Wenn alles in sich zusammenbricht, gibt es niemanden, den man um Hilfe bitten kann“, sagte eine Person, die mit den Abläufen im Team vertraut ist zu „The Verge“.

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Twitter-Chef Elon Musk, der sich offenbar selbst aus den Büroräumen des Unternehmens ausgeschlossen hatte.

Das könnte auch mögliche Sicherheitslücken betreffen, die durch den Datenmissbrauch frustrierter Ex-Mitarbeiter entstehen könnten.

„Aufgrund der vielen Veränderungen besteht definitiv ein erhöhtes Risiko“, erklärte der frühere NSA-Mitarbeiter und Cyber-Security-Experte David Kennedy gegenüber dem US-Computermagazin „Wired“. Besonders heikel wäre ein Vorfall, der Nutzer gefährdet, die Aktivisten, Dissidenten oder Journalisten aus oder in einem Land eines repressiven Regimes sind.

Mit seinen mehr als 230 Millionen aktiven Nutzern weltweit könnte ein Datenleck bei Twitter zudem Identitätsdiebstahl, Belästigung und andere Schäden für Nutzer auf der ganzen Welt nach sich ziehen, analysieren die Experten von „Wired“.

Twitter verfüge über einen riesigen und potenziell äußerst wertvollen Fundus an Nutzerdaten, einschließlich der Inhalte ihrer Direktnachrichten und des „Social Graph“, der zeige, mit wem Nutzer auf der Plattform kommuniziert und interagiert haben, sowie Telefonnummern, E-Mail-Adressen und andere nicht-öffentliche private Details.

Ein Kollaps der Plattform wäre auch für investigative Open-Source-Portale wie beispielsweise das Recherchenetzwerk Bellingcat ein schwerer Schlag. Twitter ermögliche einen intensiven Informationsaustausch und Zusammenarbeit, was bei investigativen Recherchen einen großen Einfluss habe, twitterte der Gründer der Plattform, Elliot Higgins.

„Nutzer konnten sich an Recherchen beteiligen und dabei kleine und große Beiträge leisten, die einen echten Unterschied gemacht haben. Vorfälle, die andernfalls unbeachtet geblieben wären, bekamen so die nötige Aufmerksamkeit“, schreibt Higgins (mit Agenturen).

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass Twitterchef Musk vor verschlossenen Türen stand, weil der Beauftragte für die Zulassungskarten das Unternehmen verlassen habe. Das stimmt nicht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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