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Stiftung Warentest : Gutes Olivenöl kostet mindestens 24 Euro

Schlechte Nachrichten für Feinschmecker. Spitzenolivenöl ist teuer, sagt die Stiftung Warentest. Edeka und Aldi bieten aber vernünftige Kompromisse.

Olivenöl: lecker, aber auch teuer.
Olivenöl: lecker, aber auch teuer.Foto: Fotolia/Angel Simon

Es war ein vergiftetes Lob, das Franz Beckenbauer der Stiftung Warentest vor zwölf Jahren gemacht hatte. Die Tester hatten die Stadien untersucht, in denen 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen werden sollte und hatten dabei erhebliche Sicherheitsmängel gefunden. Beckenbauer, damals Präsident des deutschen WM-Organisationskomitees, trieb das auf die Palme: „Die Stiftung Warentest kennt sich vielleicht mit Gesichtscreme, Olivenöl und Staubsaugern aus. Dabei sollen sie bleiben“, ätzte Beckenbauer seinerzeit.

Von 27 Ölen schmecken drei "sehr gut"

Vielleicht wäre daher das jüngste „Test“-Heft eine gute Lektüre für den Fußball-Kaiser. Denn die Stiftung Warentest hat darin Olivenöle untersucht. 27 Öle der höchsten Güteklasse waren im Test, für Feinschmecker ist das Ergebnis aber eher ernüchternd. Denn glaubt man den Verbraucherschützern, muss man mindestens 24 Euro pro Liter auf den Tisch legen, um ein Öl zu bekommen, das „sehr gut“ schmeckt. Gerade einmal drei Produkte können sich über diese Auszeichnung für ihren Geschmack freuen, das bereits erwähnte Bio-Olivenöl „Soler Romero“, das ebenfalls aus Spanien stammende „Castillo de Canena“ (36 Euro) und das italienische „Farchioni“-Öl (26 Euro). Diese drei erhielten auch in der Gesamtnote, in die neben dem Geschmack auch die Deklaration, die Schadstoffbelastung, die chemische Qualität und weitere Kriterien einfließen, ein „gutes“ Urteil.
Neben den drei Hochpreisölen hat das nur ein weiteres Produkt geschafft: das „Cucina“ native Olivenöl extra von Aldi Süd. Mit einem Literpreis von zehn Euro wäre dieses die klare Kaufempfehlung, wenn es das Produkt noch im Laden gäbe. Doch leider hatte der Discounter das Öl nur im Sommer vorübergehend als Aktionsware angeboten. Schade.


Was tun?


Wer nicht tief in die Tasche greifen will, muss sich mit „befriedigenden“ Ölen zufrieden geben – kann dabei allerdings eine Menge sparen. Mit 5,35 Euro pro Liter schaffen Edeka („Gut&Günstig“, natives Olivenöl extra), Aldi Nord („Casa Morando“, Olivenöl nativ extra) und Aldi Süd („Cantinelle“) das beste Preis-Leistungsverhältnis. Das native Bio-Olivenöl von dm („dmBio), das zwar auch eine befriedigende Gesamtnote, aber ein „gutes“ Geschmacksurteil holen konnte, ist mit 15,90 Euro deutlich teurer. Wer Bio möchte, sollte stattdessen zu „GutBio“-Olivenöl nativ extra von Aldi Nord greifen, das insgesamt „befriedigend“ abgeschnitten hat, mit 6,65 Euro aber kaum mehr kostet als konventionelle Produkte.

Was man nicht kaufen sollte


Dem „Rapunzel“-Bioöl (13,30 Euro) attestierten die Tester dagegen „altes Öl“ oder eine unzulässige Wärmebehandlung. Gesamturteil: „ausreichend“. Auch die viel verkauften Öle von Bertolli „Gentile“ und „Originale“ schafften nur ein „Ausreichend“, genauso wie das „Ja“-Öl von Rewe. Noch schlechter schnitt die Bio-Variante des zweitgrößten deutschen Lebensmittelhändlers ab. Das Öl schmecke „ranzig“ nach Oliven, die Frostschäden erlitten haben, begründeten die Verbraucherschützer ihr „mangelhaftes“ Urteil für Rewe Bio P.D.O. (zehn Euro), genauso schlecht kam das 18,90 Euro teure Öl von Gaea („Kritsa“) aus Greichenland weg. „Ein hoher Preis und eine konkrete Herkunftsangabe garantieren noch keine gute Qualität“, so die Stiftung Warentest.

Weniger Schadstoffe


Dennoch ist das Test-Urteil insgesamt besser als vor einem Jahr. 2017 war kein einziges Olivenöl gut, 2016 nur eins. Fehler im Geschmack, Schadstoffe, falsche Herkunftsangaben und andere Probleme mit der Kennzeichnung hatten reihenweise zu „mangelhaften“ Urteilen geführt. Die gute Nachricht: „Wegen Schadstoffen schneidet dieses Mal kein Öl mangelhaft ab“, betonen die Tester. Kein Öl war nennenswert mit Pflanzenschutzmitteln, Lösemitteln oder polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen belastet. Anders sieht es bei den Mineralölen aus. Alle getesteten Produkte enthielten gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe (Mosh), die sich im Körper anreichern können. Bedenklicher sind die aromatischen Mineralöl-Kohlenwasserstoffe (Moah), die als potenziell krebserregend gelten. Die Tester fanden diese in mehr als jedem dritten Produkt, allerdings nicht in hohen Konzentrationen. Mineralöle können über Abgase, Maschinen oder über das Paraffinöl, das als Pflanzenschutzmittel zugelassen ist, ins Öl gelangen. Nahezu schadstofffrei war das teure „Farchioni“-Öl.

Muss man das teure Olivenöl kaufen?


Lohnt es sich, das teure Öl zu kaufen? Das hängt davon ab, sagt die Stiftung Warentest. Wer Fleisch oder Gemüse anbraten will oder Pizza selber backt, kann getrost Öl nehmen, das weniger als zehn Euro pro Liter kostet. Für Dressings, Pestos oder um Gegrilltes zu beträufeln, sollte man mehr ausgeben.

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