zum Hauptinhalt
Alles vernetzt: Bei vielen Telekom-Kunden müssen die Telefonanschlüsse umgestellt werden. In Zukunft sollen Verbraucher nicht mehr analog, sondern nur noch digital telefonieren – und zwar über das Internet.

© I-Stock

Digitale Technik: Telekom stellt alle Telefon- und Internetanschlüsse um

Bis 2018 will die Telekom ihre Technik umstellen. Kunden sollen dann übers Internet telefonieren. Der Anschlusswechsel kann gravierende Folgen haben.

Sind Sie Telekom-Kunde? Dann haben Sie vielleicht in den vergangenen Monaten einen Brief oder einen Anruf von der Deutschen Telekom erhalten. Falls nicht, steht Ihnen das noch bevor. Das Unternehmen stellt nämlich alle Telefon- und Internetanschlüsse seiner Millionen Kunden kontinuierlich auf sogenannte All-IP-Netze um und muss deshalb diejenigen, die noch analoge Anschlüsse haben, über den Wechsel informieren. Konkret heißt das: Telefonieren und Surfen geht künftig nicht mehr analog, anstelle der bisherigen analogen Telefontechnik tritt dann das VoIP („Voice over Internet Protocol“), also digitales Telefonieren über das Internet.

Die dazu erforderliche Umstellung der Netze ist bereits in vollem Gange. In 53 Großstädten, darunter auch Berlin, soll bis Mitte 2016 auf IP-Telefonie umgestellt werden, bis spätestens 2018 sollen dann alle deutschen Haushalte den neuen Anschluss haben.

DIGITAL STATT ANALOG

Die Telekom begründet die Umstellung damit, dass viele Ersatzteile für die alte, analoge Technik nicht mehr produziert werden. Langfristig könne die analoge Technik zudem nicht mehr die hohe Verbindungsqualität sicherstellen. Allerdings dürften auch finanzielle Faktoren eine Rolle spielen: Eine Umstellung auf ein einheitliches Netz spart Kosten. Die Konkurrenten der Telekom – also Vodafone, O2 oder 1&1 – schließen seit Jahren fast nur noch Digitalverträge ab.

Für die Verbraucher ist die Umstellung der Anschlüsse allerdings nicht unbedingt eine gute Nachricht, warnen Verbraucherschützer. Sie kritisieren versteckte Kosten und unnötige Mühen. Bereits die Kommunikation vonseiten der Telekom über die neuen digitalen Anschlüsse sei „intransparent und nicht kundenfreundlich“, bemängelt der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV). Die Kunden würden zwar per Telefonanruf oder Brief informiert. Dass es allerdings um einen konkreten Anschlusswechsel geht, werde dabei nicht klar genug herausgestellt. Dabei kann der Anschlusswechsel gravierende Folgen haben: Es handelt sich nämlich juristisch gesehen um einen neuen Vertrag, mit neuen Konditionen.

Hinzu kommt: Für Verbraucher fallen oft zusätzliche Kosten durch die Umstellung an. Denn in einem solchen Fall muss ein Handwerker den Anschluss für die digitale Telefonie präparieren – und das kostet Geld. Die Telekom selbst spricht von einer weitgehend reibungslosen Umstellung. In einer von den Verbraucherzentralen durchgeführten Umfrage gaben hingegen 70 Prozent der Beteiligten an, dass bei der Umstellung der Anschlüsse ein Techniker gerufen werden musste. Zudem beschwerten sich die Befragten über den unzureichenden Service.

Das Thema ist komplex. Viele wissen gar nicht, über welchen Anschluss sie aktuell verfügen, ob sie also von der Neuerung betroffen sind. Glaubt man den Verbraucherschützern, sind nicht nur die Zusatzkosten problematisch. Auch die neue Technik hat es in sich. Im Gegensatz zu der von der Telekom angepriesenen besseren Verbindungsqualität klagen Kunden über technische Störungen und lang andauernde Ausfälle der Verbindung. Was kann man in solchen Fällen tun, was genau kommt auf die Kunden zu?

WER IST BETROFFEN?

Betroffen sind früher oder später alle deutschen Haushalte, die einen klassischen Festnetz- oder ISDN-Anschluss der Telekom haben und zugleich Internetkunden des Konzerns sind. Verbraucher, die lediglich einen Telefonanschluss von der Telekom haben, aber keinen Internetzugang besitzen oder den Internetzugang von einem anderen Anbieter nutzen, haben mit der Umstellung nichts zu tun.

Weiß der Verbraucher nicht auf Anhieb, über welchen Anschluss er verfügt, kann er dies in seinem Telekom-Vertrag einsehen oder bei der Telekom anrufen. Von 21 Millionen betroffenen Anschlüssen seien derzeit bereits 8,5 Millionen umgestellt, heißt es bei der Telekom.

Was müssen Betroffene tun?

Alles vernetzt: Bei vielen Telekom-Kunden müssen die Telefonanschlüsse umgestellt werden. In Zukunft sollen Verbraucher nicht mehr analog, sondern nur noch digital telefonieren – und zwar über das Internet.

© I-Stock

Erst einmal nichts. Denn wenn Kunden von der Umstellung betroffen sind, meldet sich die Telekom von selbst bei ihnen. Das Unternehmen schreibt die Betroffenen mindestens vier Monate vor Ablauf des Vertrags an und informiert sie über die Umstellung. Als Kunde hat man nun die Möglichkeit, sich zu entscheiden: Wechselt man zu einem anderen Anbieter oder bleibt man bei der Telekom? Nur tot stellen geht nicht: Reagieren Telekom-Kunden gar nicht, schickt das Unternehmen noch einmal vorsorglich Briefe. Wer auf zwei weitere Briefe nicht reagiert, bekommt die Leitung abgestellt.

WIE FUNKTIONIERT DIE UMSTELLUNG?

Wenn der Kunde nach Ablauf des alten Vertrags mit der Telekom einen neuen abgeschlossen hat, muss man klären, ob man neue Geräte für die Umstellung braucht. Das kann durchaus sein. Im Zweifel können Telekom-Kunden beim Netzbetreiber anfragen, ob es nötig ist, einen Techniker kommen zu lassen, der die Geräte austauscht. In den meisten Fällen wird ein neuer W-Lan-Router für die digitale Telefonie gebraucht. Im Fachjargon muss der Router „IP-fähig“ sein.

Ob der eigene Router dafür zu alt ist, kann der Kunde bei der Telekom nachfragen. Dafür ist es wichtig, die Gerätenummer parat zu haben.

WIE BAUE ICH EIN NEUES GERÄT EIN?

Falls wirklich ein neues Gerät nötig ist, lohnt es sich, den Router direkt beim Anbieter, also bei der Telekom, zu kaufen. Dann ist sichergestellt ist, dass er mit der neuen Technik kompatibel ist. Für die Installation und das Anbringen des neuen Routers oder etwaiges Austauschen von Adaptern sind einzig die Telekom-Techniker zuständig. Andere Handwerker dürfen das nicht übernehmen.

KANN ICH DEN ANBIETER WECHSELN?

Läuft der Vertrag mit der Telekom aus, kann man natürlich auch den Anbieter wechseln. Vergleichen Sie jedoch die Konditionen. Die können nämlich je nach Region variieren und unterscheiden sich auch danach, ob Telefon und Internet im Vertrag mit inbegriffen sind. Bei einem Anbieterwechsel sollte man in jedem Fall die Telekom informieren, wenn Sie keinen Folgevertrag mit ihr wollen (Einschreiben, Rückschein!).

Sie können aber natürlich auch mit dem Wechsel drohen, um individuelle, günstige Angebote mit der Telekom auszuhandeln. Anschlussanbieter gehen erfahrungsgemäß offener auf Kunden zu, wenn sie von einem geplanten Wechsel hören.

WAS BRINGT DIE UMSTELLUNG?

Nicht viel – zumindest was die Verständlichkeit betrifft. Die von der Telekom angegebene verbesserte Sprachqualität bleibt nämlich nach wie vor fraglich.

Allerdings kann sich der Kunde nach der Umstellung einfacher mit mobilen Geräten vernetzen. Festnetzgespräche kann man nach der Umstellung auch mit dem Handy führen, wenn das Smartphone über W-Lan mit demselben Router verbunden ist wie das Festnetztelefon. Außerdem wird durch die Umstellung auch das Internet schneller. Durch die veraltete, analoge Telefonie wird nach Angaben der Telekom ein Großteil der Netzbandbreite genutzt. Die wird mit der Umstellung auf die neue VoIP-Technik frei und für mehr Daten aus dem Internet nutzbar.

Allerdings birgt das auch Tücken. Die Abhängigkeit von Router und Telefonanschluss bedeutet auch: Ist die Internetverbindung tot, ist auch der Telefonanschluss abgemeldet. Nutzen außerdem zu viele Geräte denselben W-Lan-Anschluss, kann auch die Gesprächsqualität leiden.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
true
isPaid:
showPaywallPiano:
false