Warnungen werden lauter : Droht eine neue Schuldenkrise?

Investitionen in Bildung und Gesundheit sind dringend notwendig, meint die Weltbank. Zudem wachse die Gefahr einer erneuten Finanzkrise.

Der pakistanische Finanzminister Asad Umar.
Der pakistanische Finanzminister Asad Umar.Foto: AFP

Von einer neuen Schuldenkrise ist zwar keine Rede. Trotzdem liegt das Thema auf der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank auf Bali in der Luft. Schließlich sind die privaten und öffentlichen Schulden nach Berechnungen des IWF weltweit mit 182 Billionen Dollar so hoch wie nie zuvor und 60 Prozent höher als 2007. Und die Risiken haben zugenommen, wie Weltbank-Chef Jim Yong Kim und IWF-Chefin Christine Lagarde in den zahlreichen Meetings zu betonen: Handelsstreitigkeiten, steigende (Dollar-) Zinsen, eine immer stärkere US-Währung und schwächere Währungen in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern.

Die Rekordschulden könnten - bei steigenden Zinsen - zu neuen Verwerfungen auf den Finanzmärkten führen, Staaten in Schwierigkeiten bringen. Wo es notwendig sei, werde der IWF Finanzhilfe leisten, sagt Lagarde. Auch die Finanzminister der 24 wichtigsten Schwellen- und Entwicklungsländern warnen vor steigenden Schulden und einer neuen Schuldenkrise, bedingt durch einen möglichen Abfluss von Kapital.

Mit Sorgen betrachten Weltbank und IWF auch die Folgen des Klimawandels. „Das ist eine existentielle Bedrohung für die globale Entwicklung. Wir haben viel weniger Zeit als gedacht“, sagt Kim. Der Weltbank-Präsident fürchtet, dass all diese Faktoren und Belastungen den Kampf gegen die Armut bremsen und damit das Ziel verfehlt wird, die Armut bis zum Jahr 2030 zu überwinden.

 Kinder können ihr Potenzial nicht ausschöpfen

Dabei schöpfen vor allem die ärmeren Länder längst nicht das Potential ihrer Bevölkerung aus, wie eine neue, in Bali vorgelegte Analyse der Weltbank zeigt. Hauptgrund: Sie investieren zu wenig in die Ausbildung der jungen Menschen und in das Gesundheitswesen. Mehr als die Hälfte aller Kinder auf der Welt, die heute geboren werden, kann ihre Entwicklungschancen allenfalls zur Hälfe ausschöpfen. Das liegt, sagt Weltbank-Präsident Kim, unter anderen an chronischer Unterernährung und an Krankheiten, die eine normale körperliche Entwicklung verhindern. Das beeinflusse ihre Auffassungsgabe, ihre Leistungen in der Schule und letztlich die Chance für ein späteres auskömmliches Einkommen.

„Geld in die Entwicklung der Kinder und damit in die Entwicklung von Humankapital zu stecken sind die klügsten Investitionen, die ein Land vornehmen kann“. Eine gute Ausbildung und eine gute Gesundheitsversorgung sind nach Ansicht Kims auch entscheidende Kriterien für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und damit auch für eine wirksame Armutsbekämpfung. „Bislang wurde Investitionen in Gesundheit und Bildung nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt“.

Ausgaben für Bildung verhindern nicht Ungleichheit

Um ihre Bedenken zu untermauern und Regierungen zu animieren, mehr für Gesundheit und Bildung zu tun, hat die Weltbank auf der Jahrestagung erstmals einen Index für Humankapital vorgelegt. Er misst, welches Niveau an Bildung und Gesundheitsversorgung ein heute geborenes Kind bis zu seinem 18. Lebensjahr erwarten kann. Wird es das Schulalter überleben? Welches Niveau an Bildung wird es erhalten? Wird das Kind die Schule gesund verlassen?

Für 157 Länder haben die Weltbank-Experten den Index berechnet. Am schlechtesten stehen demnach der Tschad, Süd-Sudan sowie Mali und Liberia da, am besten Singapur, Japan und Finnland. Deutschland rangiert unter den 20 Nationen mit dem höchsten Wert.

Hohe Ausgaben für Bildung und Gesundheit verhindern aber nicht immer Ungleichheit auch in reichen Ländern. Dies belegt eine ebenfalls in Bali vorgelegte Studie der Entwicklungsorganisationen Oxfam und Development Finance International, die die Bemühungen der Regierungen zur Beseitigung der Unterschiede zwischen Arm und Reich im Blick auf die Steuerpolitik, die Sozialausgaben und die Entwicklung von Löhnen und Gehältern analysiert. Dabei schneidet Dänemark vor Deutschland und Finnland am besten ab. Am Ende der Skala finden sich Haiti, Usbekistan und Nigeria. Aber auch der reiche Stadtstaat Singapur. Grund: Vergleichsweise niedrige Sozialausgaben, es gibt keinen Mindestlohn und kein Gesetz für die gleiche Entlohnung und gegen die Diskriminierung von Frauen.

Unterdessen hält die deutsche Entwicklungsorganisation Urgewald der Weltbank vor, dass sie bei 40 Prozent ihrer Entwicklungsprojekte, etwa beim Straßen- und Bergbau und bei Agrarvorhaben, Menschen umsiedelt oder umsiedeln will. Das gelte insbesondere für Vorhaben in Afrika, Ostasien und im Pazifik-Raum.

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