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Wirtschaft im Taumel : Handel an der Wall Street wegen starker Kursverluste ausgesetzt

Coronavirus und saudisch-russischer Preiskrieg: Der Dax verliert sieben Prozent, der Ölpreis fällt um 30 Prozent, der Dow Jones bricht ein.

Die Wall Street in New York.
Die Wall Street in New York.Foto: Heikki Saukkomaa/Lehtikuva/dpa

Der dramatische Ausverkauf an den Börsen hat sich am Montag beschleunigt. Zu den Sorgen um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie kommt die Furcht vor einem Ölpreiskrieg. Der Preis für Rohöl brach um 30 Prozent ein. Händler sprachen angesichts des Crashs von einem „schwarzen Montag“.

An der New Yorker Wall Street ist der Dow-Jones-Index zu Handelsbeginn am Montag um 7,2 Prozent auf 24.026,41 Punkte eingebrochen. Das ist der größte Kursrutsch seit zehn Jahren. Der Handel am weltweit wichtigsten Börsenplatz wurde daraufhin ausgesetzt.

Der Dax sackte gleich zum Handelsstart deutlich unter die Marke von 11.000 Punkten. Rund eine Stunde nach Handelsbeginn lag der deutsche Leitindex 6,95 Prozent im Minus bei 10.739,97 Punkten. Die gesamten Gewinne aus dem vergangenen Jahr sind damit weg. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel büßte 5,93 Prozent auf 23,280,44 Punkte ein. Der EuroStoxx 50, der Leitindex der Eurozone, sackte um 7,11 Prozent ab. Zuvor waren die Börsen in Asien eingebrochen. Der japanische Leitindex Nikkei verlor gut 5 Prozent.

Die Ölpreise rutschten nach den gescheiterten Verhandlungen über eine Drosselung der Fördermenge um 30 Prozent ein und damit so stark ein wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

„Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat“

Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners sprach von einem „regelrechten Blutbad. Zum Kampf gegen Corona kommt jetzt noch der Ölkrieg dazu“, sagte er. „Anleger fliehen aus allem, was Risiko hat.“ Die Kurse von Bundesanleihen stiegen dagegen deutlich, und auch der Euro legte zu, denn auch er gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten.

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An der Leitbörse in Tokio stürzte der Nikkei-Index für 225 führende Werte am Montag um mehr als 1000 Punkte unter die Marke von 20.000 Punkten auf den tiefsten Stand seit 14 Monaten. Zum Handelsende notierte das Börsenbarometer einen Abschlag von 1050,99 Punkten oder 5,07 Prozent beim Stand von 19.698,76 Zählern.

Preiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland

Nach dem Beginn des Preiskrieges zwischen Saudi-Arabien und Russland ist der Ölpreis am Montag um etwa 30 Prozent gefallen. Der Absturz der Sorte Brent um 31,5 Prozent auf 31,02 Dollar je Barrel war der größte Rückgang seit Januar 1991 zu Beginn des ersten Golfkrieges. Dies galt auch für US-Leichtöl, das sich zunächst um etwa 27,5 Prozent auf 30 Dollar je Fass verbilligte.

Auf Talfahrt: Der Dax bricht ein.
Auf Talfahrt: Der Dax bricht ein.Foto: Andreas Arnold/dpa

Experten sagten einen Wochen oder Monate dauernden Konflikt voraus. „Saudi-Arabien und Russland sind in einen Öl-Preiskrieg eingetreten, der begrenzt und taktisch sein dürfte“, schrieb die Eurasia Group in einer Analyse.

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Zu Jahresbeginn lag der Barrel noch bei 65 Dollar

Bereits am vergangenen Freitag waren die Ölpreise kräftig gesunken. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Nachmittag zeitweise weniger als 45,50 US-Dollar - und damit mehr als 9 Prozent weniger als am Vortag. Auslöser war die Nachricht, dass sich das Ölkartell Opec und seine Kooperationspartner nicht auf eine weitere Beschränkung der Rohölproduktion einigen konnten. Zu Jahresbeginn lag der Brent-Preis pro Barrel noch bei mehr als 65 Dollar.

Historisch niedrig: Der Ölpreis bricht ein.
Historisch niedrig: Der Ölpreis bricht ein.Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Der saudiarabische Öl-Konzern Saudi Aramco kündigte darauf hin an, den offiziellen Verkaufspreis für alle Öl-Sorten und alle Abnehmer zu senken. So sollten sich Lieferungen nach Nordwest-Europa um acht Dollar je Barrel verbilligen.

Das Königreich - der weltgrößte Öl-Exporteur - will zudem seine Förderung hochfahren, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag von zwei Insidern erfuhr. Der Ölpreis steht bereits wegen der Sorge vor einem Abschwung der Weltwirtschaft im Zuge der Coronavirus-Epidemie unter Druck.

Aramco mit dem größten Börsengang

Zahlreiche Experten und Organisationen gehen inzwischen davon aus, dass die Nachfrage nach Rohöl deutlich langsamer steigen wird als erwartet oder sogar sinken könnte. Bei gleichbleibender Produktion dürfte das den Ölpreis weiter unter Druck setzen.

Aramco hatte vor knapp drei Monaten den bisher größten Börsengang hingelegt und das Technologie-Schwergewicht Apple als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst. Am ersten Handelstag an der saudischen Wertpapierbörse Tadawul wurden die Aktien des Staatskonzerns zum höchstmöglichen Preis von 35,2 Riyal gehandelt.

Aramco nahm durch den Verkauf von lediglich 1,5 Prozent seiner Anteile zunächst 25,6 Milliarden Dollar ein. Damit brach das Unternehmen den Rekord der chinesischen Handelsplattform Alibaba aus dem Jahr 2014 für den größten Börsengang. (Reuters, dpa)

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