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Ein Modellbild des ASH-Neubaus.
© Hans-Joachim Wuthenow/promo

Spatenstich an Hellersdorfer Hochschule: Ein Leuchtturm für das Studium der Care-Berufe in Berlin

Der Neubau der Alice-Salomon-Hochschule wird durch einen 42 Meter hohen Turm weithin sichtbar sein. Die Hochschule bekommt Platz für neue Studiengänge.

Bettina Völter, die Rektorin der Berliner Alice-Salomon-Hochschule, hatte für den Spatenstich des Neubaus ihrer Einrichtung extra einen leuchtend roten Regenschirm mitgebracht. Nicht etwa, weil es regnete. Sie trage den Schirm als Symbol, sagte Völter.

Als Symbol für einen Fallschirm etwa: „Weil so viele dazu beigetragen haben, dass das Projekt nie abstürzt.“ Als Sonnenschirm, weil der Neubau in Hellersdorf auch ein Sonnendeck haben werde. Und schließlich dann auch als Regenschirm: „Lassen Sie uns nicht im Regen stehen, sollte beim Bau mal was schief gehen – damit wir pünktlich im Jahr 2024 eröffnen können.“

Letzteres war an die versammelte Polit-Prominenz gerichtet: Der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) war da, ebenso Bausenator Sebastian Scheel und Kultursenator Klaus Lederer (Linke).

Müller sprach von einem „entscheidenden Projekt für die ganze Stadt“ – und nutzte die Gelegenheit, ein versöhnliches Fazit der Legislaturperiode zu ziehen. Die Koalition habe in der Wissenschaft „eine ganze Menge erreicht und den Wissenschaftsstandort deutlich besser positioniert“.

Ein bauliches Zeichen für die Wissenschaft im Außenbezirk

Deutlich sichtbarer wird auf jeden Fall die ASH: Das neue Gebäude wird von einem 42 Meter hohen Turm überragt, ein bauliches Zeichen, dass Wissenschaft auch prägend für den Außenbezirk sein soll. Die größte Hochschule in Deutschland für Soziale Arbeit ist die ASH ohnehin.

Um den Neubau hatte die ASH mehr als ein Jahrzehnt gekämpft. Vom Osten der Stadt aus sah man sich in der Berliner Politik nicht ausreichend beachtet, die damals neue Rektorin Völter sendete daher 2018 in einem Tagesspiegel-Interview einen Hilferuf: „Man kann richtig zusehen, wie der Neubau auf der Prioritätenliste der Landespolitik nach unten rutscht“, erklärte sie.

Hochschulleitung und Politiker haben sich auf einer Baustelle zum Gruppenfoto aufgestellt.
Rektorin Bettina Völter (mit Schirm) im September 2021 beim Festakt zum Spatenstich für den ASH-Neubau.
© Tilmann Warnecke/Tsp

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„Die Hochschule ist aber im Dauerstress, weil sie ohne Räume die Lehre nicht ausbauen und die Qualität nicht sichern kann. Das ist ein untragbarer Zustand.“ Mehrfach kam es zu Verschiebungen. Erst als der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses im April 2020 Mittel aus dem Siwana-Fonds genehmigte, kam das Projekt auf die Zielgerade. Insgesamt kostet der Bau rund 39 Millionen Euro, wovon die ASH gut zehn Millionen trägt und das Land Berlin den Rest.

"Enormes Wachstum" der Hochschule

Der Neubau soll das „enorme Wachstum“ der Hochschule tragen, wie Völter jetzt sagt: Bis Ende 2022 steige die Zahl der Studienplätze um 40 Prozent auf dann 5000. Unlängst erst ist ein neuer Bachelorstudiengang für die Pflege gestartet.

Nun wird es zusätzliche Räume für alle Studiengänge geben: Neben Seminarräumen sind das etwa Räume für die Ergo- und Physiotherapie, ein „Skills Lab“ für die Pflege sowie ein Ort, an dem Studierende Beratungsgespräche simulieren und einüben können. Die ASH bekommt zum ersten Mal eine Mensa, bisher verfügte sie nur über eine Cafeteria.

[Immer auf dem Laufenden. Das Ringen um den Neubau und seine Finanzierung war auch schon oft Thema in unserem Bezirksnewsletter für Marzahn-Hellersdorf.]

Während der Digitalisierung der Lehre in der Coronapandemie habe sie durchaus gedacht, dass man auch Raumkonzepte für die Hochschule der Zukunft noch einmal neu denken könnte, sagt Völter – das hätte allerdings die Planung zeitlich erneut zurückgeworfen. „Und in den Care-Berufen sind wir ja auch auf das persönliche Gespräch angewiesen.“

Völter schwärmt von dem neuen Campus, der für die Hochschule so in Hellersdorf entstehe. Neben dem Stammgebäude am Alice-Salomon-Platz und dem Neubau am Kokoschkaplatz gehören auch Anmietungen in einem ehemaligen Einkaufszentrum am Fritz-Lang-Platz und das Kinderforschungszentrum Helleum dazu, alles fußläufig gelegen.

Belebung für die "Helle Mitte"

„So wird auch die Helle Mitte belebt.“ In den Räumen am Fritz-Lang-Platz, die wegen des akuten Platzmangels angemietet wurden, sollen mindestens einige Labore für den Pflegestudiengang auch nach der Eröffnung des Neubaus erhalten bleiben.

Für die Zukunft hat die Hochschule bereits weitere neuen Studiengänge ins Gespräch gebracht, allen voran einen Master zur Pädagogik der Kindheit im Grundschulalter. Mit dem Abschluss könnten Absolventen auch ins Grundschulreferendariat gehen. Das starke Wachstum koste aber Geld, sagt Völter: „Wir geraten dadurch in eine Unterfinanzierung.“

Sie hofft darauf, das bei den Verhandlungen für die neuen Hochschulverträge anbringen zu können, was eine der ersten Aufgaben der nächsten Berliner Landesregierung sein wird: „Die Stärkung der Care-Berufe beginnt an den Hochschulen.“

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