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Ein Porträtbild von Geraldine Rauch.
© privat
Update

Mit absoluter Mehrheit im ersten Wahlgang: Geraldine Rauch wird neue TU-Präsidentin

Der Dreikampf um die Spitze der TU Berlin ist entschieden: Die Charité-Prodekanin Geraldine Rauch wird neue Präsidentin. Amtsinhaber Thomsen fällt durch.

Das Superwahljahr an den großen Berliner Unis beginnt mit einem Paukenschlag. Bereits im ersten Wahlgang hat sich an der Technischen Universität Berlin die Herausforderin Geraldine Rauch durchgesetzt.

Rauch, Prodekanin für Lehre an der Charité, wird damit neue Präsidentin der TU. Sie erhielt im ersten Wahlgang genau die nötige absolute Mehrheit von 31 Stimmen des 61 Mitglieder umfassenden Wahlgremiums.

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Amtsinhaber Christian Thomsen, der seit acht Jahren Präsident ist und zum dritten Mal gewählt werden wollte, erhielt 21 Stimmen. Er ist damit abgewählt. Die Physikerin und ehemalige TU-Vizepräsidentin Ulrike Woggon bekam sieben Stimmen, zwei im Erweiterten Akademischen Senat abgegebene Stimmen waren ungültig. Im Februar stehen dann auch an der Humboldt-Universität und an der Freien Universität Präsidentenwahlen an.

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Im Vorfeld hatten viele an der TU noch damit gerechnet, dass im ersten Wahlgang keine:r der Kandidat:innen die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang erhalten würde. "Ich hätte nie gedacht, dass es schon jetzt entschieden wird", war denn auch die verblüffte Stimme eines Wahlmannes zu hören, als das Ergebnis nach doppelter Auszählung feststand. Der Erfolg von Rauch ist umso bemerkenswerter, weil die TU ihre Präsidenten bisher üblicherweise aus der eigenen Professorenschaft rekrutiert hat.

Massive Probleme in der TU-Verwaltung

Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote (Grüne) gratulierte Rauch zur Wahl. In der kommenden Amtsperiode würden große Aufgaben für die Universität anstehen, gab Gote Rauch mit: "Dazu zählen die Verhandlungen zu den Hochschulverträgen, aber auch die Gestaltung der Universität nach der Pandemie." Kurzum gehe es darum, Antworten zu finden auf die Frage, "wie wir künftig lehren, lernen, forschen und arbeiten wollen, und was wir aus der Pandemiezeit lernen".

Die Technische Universität Berlin. Intern gab es massive Kritik am Amtsinhaber.
Die Technische Universität Berlin. Intern gab es massive Kritik am Amtsinhaber.
© IMAGO / Rolf Kremming

Dass es für Amtsinhaber Christian Thomsen nicht einfach werden würde, war indes klar. Zwar steht die TU nach außen gut da, unter anderem wurde sie unter Thomsen Exzellenzuniversität. Nach Innen sieht es dagegen anders aus. In der Verwaltung gibt es massive Probleme, zu hören ist etwa von Personalmangel, der zu einem großen Rückstau bei Einstellungen führte. Ein anderes Beispiel: Studierende sollen monatelang darauf gewartet haben, dass ihre Noten in Datenbanken eingetragen werden.

Mehr Applaus für Rauch und Thomsen

Schon in den zahlreichen Vorstellungsrunden, etwa im Uni-Triell, hatte sich Rauch (39) als Alternative zu Thomsen präsentiert. Sie hielt dem Präsidenten Schwachpunkte deutlich fokussierter Schwachpunkte vor als die zweite Herausforderin Ulrike Woggon. Rauch ist seit 2017 Professorin für Biometrie an der Charité und seit 2020 dort Prodekanin. Davor hatte sie Stationen unter anderem in Hamburg, Heidelberg, Cardiff und Bremen.

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Vor dem Wahlgang hatten sich die Kandidat:innen noch einmal in zehnminütigen Vorträgen den Wahlleuten vorgestellt. Schon dort war auffällig, dass Rauch und Thomsen deutlich mehr Applaus nach ihren Ausführungen erhielten als Woggon. Diese hatte als erste gesprochen und betont, dass die TU einen Perspektivwechsel nötig habe.

Thomsen wiederum ging vor allem zu Beginn seiner sehr engagierten Rede deutlich auf Kritik an seiner bisherigen Amtszeit ein. "Es kam in den vergangenen Jahren zu Versäumnissen", gab er zu: Die Verwaltung sei "ins Schlingern" geraten, Schwierigkeiten hätten früher und besser bewältigt werden müssen.

Rauch appelliert an das Wir-Gefühl

"Trauen Sie uns zu, die gestellten Ziele zu erreichen?", fragte er in die Runde - um dann nicht nur auf erste Erfolge bei der Neustrukturierung der Verwaltung hinzuweisen, sondern andere konkrete Schritte für die Zukunft zu erläutern. Auch versprach er "unkonventionelle Wege" bei der Lösung von Problemen.

Rauch stieg ebenfalls damit ein, gleich zu Beginn den größten Vorbehalt ihr gegenüber als jüngste und externe Bewerberin zu thematisieren. Wer sie und ihr Team wähle "braucht ein wenig Mut für den Neuanfang", sagte sie. Rauch fuhr dann relativ grundsätzlich fort: Die TU habe eine wegweisende Rolle, um die großen gesellschaftlichen Probleme zu lösen: "Politik und Gesellschaft kommen nicht an der TU vorbei, diese Chance müssen wir nutzen." Rauch appellierte an das Wir-Gefühl der Gremienmitglieder: "Die TU Berlin, das sind Sie und Ihr alle, die etwas bewegen wollen."

Direkt nach der Wahl sagte die künftige Präsidentin: "Ich werde versuchen, Sie nicht zu enttäuschen." Dass es auch für sie nicht leicht werden dürfte, zeigte direkt im Anschluss die Wahl zum Ersten Vizepräsidenten. Der Kandidat aus Rauchs Team, Stephan Völker, erhielt im ersten Wahlgang anders als Rauch nicht die nötige absolute Mehrheit und muss sich in der kommenden Woche einer zweiten Runde stellen.

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