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Hoffnungsmittel im Corona-Kampf : Remdesivir zeigt auch bei Corona-Infizierten Affen Erfolg

Eine Studie zeigt Erfolge bei der Behandlung von Covid-19-Patienten mit einem Ebola-Medikament. Auch ein Experiment mit Affen ist erfolgreich.

Fläschchen mit dem eigentlich gegen Ebola entwickelten Medikament Remdesivir.
Fläschchen mit dem eigentlich gegen Ebola entwickelten Medikament Remdesivir.Foto: Ulrich Perrey/Pool via REUTERS

Ein Medikament des US-Pharmakonzerns Gilead Science zeigt laut einem Medienbericht Erfolg bei der Behandlung von Covid-19-Patienten. Laut einer Studie der Universitätsklinik Chicago führte das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Mittel Remdesivir zu einer schnellen Fiebersenkung und einem Rückgang der Symptome der Lungenkrankheit, so dass fast alle Patienten in weniger als einer Woche entlassen werden konnten.

Das geht aus einem am Donnerstagabend veröffentlichten Bericht der US-Onlineplattform für Medizinnachrichten, STAT, hervor. Dem Bericht zufolge könnte es sich bei dem Arzneimittel um das erste schon zugelassene Medikament gegen die Lungenkrankheit handeln.

Patienten mit schweren Verläufen nach sechs Tagen entlassen

"Wir haben gesehen, wie Menschen einen Tag nach Beginn der Therapie von den Beatmungsgeräten weg konnten", zitiert das Medizinportal Kathleen Mullane, Spezialistin für Infektionskrankheiten an der Universität von Chicago, die die Remdesivir-Studien für das Universitätsklinikum in Chicago betreut.

Die meisten Patienten hätten die Klinik nach sechs Tagen verlassen. Es seien nur "sehr wenige", die bis zu zehn Tage stationär behandelt werden mussten, sagte Mullane.

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Wie die Nachrichtenplattform STAT mitteilt, wurden an der Universität von Chicago 125 Menschen im Rahmen der Studie behandelt. Davon hatten 113 Menschen einen schweren Krankheitsverlauf. Alle Patienten erhielten täglich Remdesivir-Infusionen.

Wirkung noch nicht endgültig nachgewiesen

Gilead gab jedoch zu Bedenken, dass die Daten noch näher analysiert werden müssten, um daraus Schlüsse ziehen zu können. Die Uniklinik wies in einer E-Mail daraufhin, dass Teildaten von einer laufenden Studie nicht genutzt werden sollten, um daraus Ergebnisse herzuleiten. Informationen aus einem internen Forum für Wissenschaftler seien ohne Erlaubnis veröffentlicht worden.

Nach der unerlaubten Veröffentlichung legte die Aktie von Gilead um knapp 20 Prozent zu. Auch der Dow Jones legte knapp 2,3 Prozent zu.

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Ähnliche Studien zu dem Arzneimittel werden derzeit auch an anderen Kliniken durchgeführt. Bislang wurden keine weiteren klinischen Daten aus den Gilead-Studien publiziert.

Auch Mullane mahnte trotz der erfreulichen Nachrichten zur Vorsicht, weil die Studie keine Placebo-Gruppe zum Vergleich enthalte. Eines sei aber sicher, sagte sie: "Wenn wir beginnen, das Arzneimittel zu verabreichen, sehen wir die Fieberkurve fallen", sagte sie.

Eric Topol, Direktor des Scripps Research Translational Institute in Kalifornien, bezeichnet die Daten als "ermutigend". Wie das Nachrichtenportal STAT berichtet, sei es aber wichtig, mehr Daten aus randomisierten kontrollierten Studien zu bekommen.

WHO testet Remdesivir in einer groß angelegten Studie

Remdesivir gilt schon länger als vielversprechender Wirkstoff für die Behandlung von schwer erkrankten Covid-19-Patienten. Tests in Zellkulturen hatten gezeigt, dass das Medikament das Coronavirus angreift. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) testet in einer groß angelegten Studie namens „Solidarity Trial“ Remdesivir und vergleicht es mit Standardbehandlungen und Virenhemmern aus der Aidstherapie. 

Auch in Deutschland gab es schon erste Erfolge mit dem Medikament: Am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) etwa wurden Patienten mit Remdesivir behandelt. Die Infektiologin Marylyn Addo sprach von ermutigenden Ergebnissen. „Was man bisher sagen kann, ist, dass die Medikation sehr gut vertragen wurde, und wir sind sehr zufrieden mit den Behandlungsverläufen“, sagte die Oberärztin. Aber es seien Einzelfallbeobachtungen – wie eben auch die anderen Beispiele, bei denen sehr starke Verbesserungen unter Remdesivir eingetreten seien.

Der Pharmakonzern Gilead Science rechnet nun damit, erste Ergebnisse aus der laufenden Phase-3-Studie Ende des Monats bekanntgeben zu können. Die Universitätsklinik in Chicago ist eines von 152 Krankenhäusern, die an der Gilead-Studie mit schwer erkrankten Covid-19-Patienten teilnehmen.

Auch bei einem Affen-Experiment schlägt Remdesivir an

Bei einem klein angelegten Experiment an Affen haben sich erste Behandlungserfolge des Mittels Remdesivir gegen die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 gezeigt. Wie von der US-Regierung beauftragte Wissenschaftler am Freitag mitteilten, verbesserte sich der Gesundheitszustand der mit dem virushemmenden Mittel behandelten Affen bereits nach zwölf Stunden deutlich. Die vorläufigen Studienergebnisse wurden noch nicht unabhängig begutachtet.

Für das Experiment infizierten die Wissenschaftler zwei Gruppen von je sechs Rhesusaffen absichtlich mit dem Krankheitserreger Sars-Cov-2. Einer der beiden Gruppen wurde zwölf Stunden nach der Infektion das vom Pharmakonzern Gilead Sciences entwickelte Mittel Remdesivir verabreicht, der Kontrollgruppe nicht.

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Die Forscher verabreichten den Affen aus der Behandlungsgruppe das Medikament kurz vor dem Moment, an dem die Viruskonzentration in der Lunge ihren Höchststand erreichte. Den Wissenschaftlern zufolge verbesserte sich der Gesundheitszustand der behandelten Affen bereits zwölf Stunden, nachdem sie die erste Dosis Remdesivir erhalten hatten, deutlich. Dieser Trend setzte sich dem Studienbericht zufolge über den gesamten einwöchigen Studienzeitraum fort.

Eines der Tiere aus der Behandlungsgruppe hatte den Forschern zufolge trotz der Remdesivir-Therapie leichte Atembeschwerden. In der Kontrollgruppe verschlechterte sich dagegen der Gesundheitszustand aller sechs Affen rapide. Alle hatten demnach schwere Atembeschwerden.

In den Lungen der mit Remdesivir behandelten Affen fanden die Forscher eine deutlich geringere Viruskonzentration vor als bei den nicht behandelten Affen. Auch die Lungenschäden waren bei den Tieren in der Behandlungsgruppe geringer. (mit AFP und Reuters)

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