Im Schnitt 34 Jahre alt : Spahn besorgt wegen vieler Neuinfektionen unter Jüngeren

Noch nie in der Pandemie waren die Infizierten in Deutschland so jung wie jetzt. Die Regierung ist beunruhigt, dass sich eine ganz neue Dynamik entwickelt.

Viele Jüngere tummelten sich am Wochenende auch an Seen in Duisburg.
Viele Jüngere tummelten sich am Wochenende auch an Seen in Duisburg.Foto: imago images/Reichwein

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angesichts der deutlich steigenden Zahl der Neuinfektionen darauf hingewiesen, dass aktuell besonders viele jüngere Menschen positiv getestet werden. Das sinkende Durchschnittsalter sei kein Grund zur Entspannung, sagte er im ZDF.

„Wir hatten letzte Woche mit im Schnitt, also Durchschnitt mit 34 Jahren das niedrigste Durchschnittsalter seit Beginn. Das heißt eben, dass vor allem unter Jüngeren im Moment viele Infektionen stattfinden.“ Bei dieser Gruppe gebe es zwar weniger schwere Verläufe und es seien auch weniger Behandlungen im Krankenhaus nötig.

Spahn warnte aber: „Das heißt trotzdem, sehr, sehr wachsam miteinander zu sein, weil es eben doch dann zu oft auch schwerste Verläufe geben kann und eben auch Todesfälle – wenn wir nicht aufpassen, in der Familie, im Freundeskreis, auf der Arbeit.“ Es bestehe auch die Gefahr, dass jüngere Infizierte ältere Menschen anstecken – etwa ihre Großeltern oder auch als Angestellte in Pflegeberufen Patienten.

Spahn mahnte: „Priorität sollte für uns alle jetzt haben, dass Schule, Schulbetrieb wieder starten kann und dass das wirtschaftliche Leben, um Arbeitsplätze zu sichern, starten kann.“ Im April hatte das Durchschnittsalter noch bei etwa 50 Jahren gelegen.

Am Mittwoch hatte bereits Regierungssprecher Steffen Seibert gewarnt. „Ich will für die Bundesregierung sagen, dass die Entwicklung dieser Zahlen uns Sorgen macht", sagte er in Berlin. Er verwies darauf, dass die Infektionen sich im ganzen Land verbreiteten und nicht nur an einzelnen Punkten.

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Es sei auch bemerkenswert, dass deutlich mehr Jüngere unter den Infizierten seien, die mobil seien und das Virus schnell weitertragen könnten. „Wenn wir jetzt nicht alle aufpassen und wachsam sind, dann kann dieses Geschehen noch eine ganz eigene Dynamik entfalten.“ Derzeit sei das Gesundheitssystem gut vorbereitet. „Aber wir müssen eine Verschärfung der Situation vermeiden.“

Zurückgeführt wird die Entwicklung vor allem auf die Rückkehr von Urlaubern aus dem Ausland und das anhaltend schöne Wetter in Deutschland, das vor allem junge Leute zu Partys im Freien animiert. Auch der Schulbeginn in zahlreichen Bundesländern stellt die Behörden vor Herausforderungen. In Berlin, wo die Schule am Montag begann, sind nach Tagesspiegel-Informationen bereits an mindestens acht Schulen einzelne Coronavirus-Fälle aufgetreten.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hatte die Zahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Donnerstagmorgen mit 219.964 angegeben – ein Plus von 1445 seit dem Vortag. Die in der US-Stadt Baltimore ansässige Johns-Hopkins-Universität (JHU) meldete 220.859 Infizierte.

Das RKI, das nur die elektronisch übermittelten Zahlen aus den Bundesländern berücksichtigt und seine Aufstellung einmal täglich aktualisiert, registrierte insgesamt 9211 Todesfälle und damit vier mehr als am Vortag. Die JHU zählte 9213 Tote. Die Zahl der Genesenen lag dem RKI zufolge bei etwa 199.500.

Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei mehr als 6000 gelegen. Die Zahl war nach den immer noch über 1000 liegenden Werten im Mai in der Tendenz gesunken, seit Ende Juli steigt sie wieder. Experten sind besorgt, dass es zu einem starken Anstieg der Fallzahlen kommen könnte, der die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Ansteckungsketten an Grenzen bringt.

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