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Die Berliner Cluster kommen nicht nur aus der Medizin und den Natur- und Technikwissenschaften.
© TU Berlin/Dahl

Universitäten in Berlin: Nach der Exzellenz-Entscheidung: Berliner Unis beflügelt

Die Berliner Unis fühlen einen "neuen Spirit". Auch Michael Müller ist begeistert - warnt aber vor Selbstzufriedenheit. 320 Millionen Euro Förderung fließen nach Berlin.

„Das ist ein richtiger Hammer und ein großartiger Erfolg“: Ungewöhnlich emotional zeigte sich der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD), als er am Freitag die Exzellenzergebnisse der Berliner Universitäten bilanzierte. Er trat im Roten Rathaus gemeinsam mit den Unipräsidenten auf, die sich ebenfalls hoch zufrieden zeigten. „Wir haben jetzt Rückenwind, und Rückenwind hilft beim Fliegen“, sagte FU-Präsident Günter M. Ziegler. Von einem „neuen Spirit“ der Berliner Wissenschaft sprach Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité.

Sieben von neun eingereichten Exzellenzclustern – also großen, fachübergreifenden Forschungsvorhaben – konnte Berlin am Donnerstag bei der ersten Entscheidung der „Exzellenzstrategie“ gewinnen, wie der Elitewettbewerb der deutschen Universitäten jetzt offiziell heißt. So viele Cluster brachte sonst kein anderer Standort durch, gefördert werden bundesweit insgesamt 57 Vorhaben. Rund 320 Millionen Euro Fördergeld fließen dadurch in den kommenden sieben Jahren in die Stadt. Müller rechnet mit mehr als tausend neuen Arbeitsplätzen, die dadurch in der Wissenschaft entstehen.

Die Stärke Berlins in den Geisteswissenschaften fällt auf

TU-Präsident Christian Thomsen unterstrich die Bedeutung auch für die Wirtschaft: Exzellente Unis würden viele junge Leute anziehen, „und Unternehmen kommen gerne nach Berlin, weil sie hier exzellente Absolventen finden“. Ganz zu schweigen von den Patenten und Start-Ups, die aus solchen Projekten ebenfalls entstehen.

Bei den Clustern geht es gleichwohl zuallererst um Grundlagenforschung. Müller hob hervor, dass Berlin als einer der wenigen Standorte mit seinen Erfolgen das ganze Spektrum der Wissenschaft abdeckt, Geistes- und Sozialwissenschaften genauso wie Natur- und Technikwissenschaften sowie die Medizin: „Das hat in der Exzellenzkommission viel Beachtung gefunden.“ Insbesondere die Berliner Stärke in den Geistes- und Sozialwissenschaften sei aufgefallen. Die sind ansonsten in dem Wettbewerb unterrepräsentiert: Nicht mal ein Fünftel der bewilligten Projekte stammen bundesweit aus dem Bereich.

Berlin schneidet stärker als Bayern ab

Nicht so in Berlin. An der FU soll künftig Literatur auf ganz neue Art und Weise erforscht werden. In einem weiteren Vorhaben wollen FU-Politikwissenschaftler der Krise der liberalen Demokratien auf den Grund gehen. „Aktueller geht es kaum“, sagte FU-Präsident Ziegler. Und die HU will mit einem Cluster über die Visualisierung verschiedenster Materialien auch die Basis für ihr „Lab“ im Humboldt-Forums legen, wie HU-Präsidentin Sabine Kunst sagte. Bei den weiteren Clustern geht es um Neurowissenschaften, Mathematik, Chemie und Intelligenzforschung (hier finden Sie eine Übersicht über die Berliner Vorhaben). Kunst würdigte die „großartige Zusammenarbeit“ der Universitäten bei allen Vorhaben.

Auffällig ist in der Gesamtschau der Ergebnisse auch, dass Berlin im Vergleich der Bundesländer sogar stärker als Bayern abschnitt, das insgesamt sechs Cluster gewann (vier davon gehen nach München). Mehr Vorhaben als Berlin warben nur NRW und Baden-Württemberg ein.

Eine große Hürde steht noch bevor

Auf die Konkurrenz schaue man jetzt aber nicht, sagten die Unipräsidenten und der Regierende. Überhaupt warnte Müller bei aller Begeisterung vor Selbstzufriedenheit. Denn eine große Hürde steht in der Exzellenzstrategie ja noch bevor. Erst im kommenden Jahr wird entschieden, welche Hochschulen als „Exzellenzuniversitäten“ ausgezeichnet werden, was noch einmal viel Geld bringen würde. Die Berliner Unis, die als Verbund antreten, haben sich mit der Clusterentscheidung für dieses Finale qualifiziert und müssen bis Dezember ihren gemeinsamen Antrag finalisieren. Sie treffen dabei auf 18 Konkurrentinnen. Ausgewählt werden bis zu elf Unis beziehungsweise Hochschulverbünde.

„Das ist kein Selbstläufer“, sagte Müller: „Wir sind noch nicht ganz da, wo wir sein wollen.“ Der Anspruch müsse jetzt natürlich sein, „auch den letzten Sprung zu machen“.

Berlin, Stadt der Exzellenz - lesen Sie hier den Leitartikel von Anja Kühne zur Entscheidung in der Exzellenzstrategie.

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