Rätsel um Herkunft des Coronavirus : Stammt das Virus aus dem Marderhund?

Virologe Christian Drosten hat ein weiteres Tier als Zwischenwirt von Sars-CoV-2 im Blick. Erforscht wird diese Hypothese zu seinem Erstaunen noch nicht.

Das Coronavirus könnte vom Marderhund auf den Menschen übergesprungen sein, vermutet der Virologe Drosten.
Das Coronavirus könnte vom Marderhund auf den Menschen übergesprungen sein, vermutet der Virologe Drosten.Foto: DPA/Uwe Anspach

Der Virologe Christian Drosten hat weitere Tierarten als möglichen Zwischenwirt des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 im Blick. Das Coronavirus könnte vom Marderhund oder auch von einer Schleichkatze auf den Menschen übergesprungen sein, so der Leiter des Instituts für Virologie an der Charité. In Interviews mit der britischen Zeitung „Guardian“ und mit der „Süddeutschen Zeitung“ brachte er diese Hypothese über den Ursprung der Pandemie ins Spiel.

Bislang gelten Fledermäuse und Schuppentiere als wahrscheinlichste Quelle des neuartigen Coronavirus, die ersten Übertragungen vom Tier auf den Menschen sollen auf einem Tiermarkt in Wuhan stattgefunden haben. Auch die unbestätigte Hypothese, dass ein Unfall in einem chinesischen Forschungslabor Ursache für die weltweite Pandemie gewesen sein könnte, fand weite Verbreitung.

Christian Drosten hält beide Theorien für wenig plausibel. Man könne eigentlich nichts zum Ursprung des Virus sagen, wenn man ihn nicht untersuche, sagte Drosten im Interview mit der SZ. „Solche Viren kochen nicht auf einem Markt hoch, sondern dort, wo die Tiere gezüchtet oder gefangen werden.“

Er sehe „keinen Grund, anzunehmen, dass das Virus auf seinem Weg zum Menschen durchs Schuppentier gegangen sei“, sagte er im Interview mit dem „Guardian“. Alte Literatur zum 2002 auf den Menschen übergesprungenen Sars-Virus berichte von Schleichkatzen und Marderhunden als Trägern des Virus. Die Zucht von Marderhunden sei ein riesiger Wirtschaftszweig in China, so Drosten.

Wegen ihres Fells werden die Marderhunde kommerziell gezüchtet oder auch in der Wildnis gejagt. „Wenn mir jemand ein paar hunderttausend Euro und freien Zugang zu China geben würde, um die Quelle des Virus aufzuspüren, würde ich an Orten suchen, wo Marderhunde gezüchtet werden“, so Drosten. Man könnte Tiere direkt in den Zuchtbetrieben beproben, die auch Märkte belieferten. Er verstehe nicht, warum es noch keine entsprechenden Daten gebe.



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