Stadtökologie : Mehr Kleingärten, mehr Bestäuber

Datschen und Gärten sind wichtige Refugien für Bienen, Hummeln und andere Bestäuber. Das zeigt eine umfangreiche Studie in vier britischen Städten.

Bienenoasen. Mehr Grün in der Stadt erhöht die Bestäubervielfalt.
Bienenoasen. Mehr Grün in der Stadt erhöht die Bestäubervielfalt.Foto: imago/Arnulf Hettrich

Arne Piepgras ist nicht der einzige Immobilienentwickler, der innerstädtische Kleingärten vor allem als potenzielles Bauland wahrnimmt. 400 000 Wohnungen könnten auf den 3000 Hektar Datschenland in Berlin entstehen, rechnet Piepgras in einem offenen Brief an den Senat vor und fordert, die Kleingärten ins Umland zu verbannen. Im Kanon der Argumente gegen diese Umsiedlungspläne spielen auch Bienen und andere Bestäubungsinsekten eine Rolle: Innerstädtische Kleingärten seien wichtige Rückzugsgebiete für Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere, teils bedrohte Insektenarten.

In gartenreichen Gegenden 52-mal mehr Bienen als in bebauten Arealen

Tatsächlich kommt nun eine großflächig angelegte Untersuchung von 360 Arealen in vier britischen Großstädten zu dem Schluss, dass städtische Regionen mit vielen Kleingärten „Hotspots“ für Bestäubungsinsekten sind, also dort zahlreicher und artenreicher als in anderen Stadtbezirken vorkommen, etwa auf Friedhöfen oder Parks. Bis zu 52-mal mehr Bienen zählten die Forscher in datschenreichen Regionen im Vergleich zu Arealen mit viel Industrieanlagen und Parkplätzen.

4996 Insekten aus 347 blütenbesuchenden Gattungen beobachtete das Forscherteam um Katherine Baldock von der Universität Bristol in den Jahren 2012 und 2013 beim Anfliegen von Blütenpflanzen aus 326 Gattungen. Daraus entwickelten sie für jedes der 360 untersuchten Areale in Edinburgh, Leeds, Reading und Bristol ein Netzwerk der dort lebenden Bestäuber und Blütenpflanzen.

Studienergebnisse gelten auch für andere Städte

„Die Ergebnisse aus den vier Städten sind bemerkenswert ähnlich, trotzdem sie geografisch so weit voneinander entfernt sind“, schreiben die Forscher im Fachblatt „Nature Ecology & Evolution“. Die Schlussfolgerungen gelten daher wohl auch für andere Städte, etwa dass bei Bebauungsstrategien ökologische Schlüsselfunktionen wie die Bestäubung berücksichtigt werden müssten – also mehr Kleingärten und mehr Blütenpflanzen in Parks und auf Brachflächen. „Angesichts der Bedrohung der Bestäuberinsekten auf dem Land werden für ihren Erhalt städtische Areale zunehmend wichtiger “, so die Forscher.

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