• Stressfreier Studienbeginn trotz Coronakrise: Wie man jetzt an die Infos zum Traumstudium kommt

Stressfreier Studienbeginn trotz Coronakrise : Wie man jetzt an die Infos zum Traumstudium kommt

Viele Abiturienten suchen gerade nach dem passenden Studiengang. Wie geht das ohne Beratung vor Ort? Ein Überblick.

Neue Wegweiser. In Zeiten von Corona spielen digitale Orientierungsmöglichkeiten bei der Studienwahlentscheidung eine deutlich größere Rolle als zuvor. Auch den Campus kann man über Online-Besichtigungen erkunden.
Neue Wegweiser. In Zeiten von Corona spielen digitale Orientierungsmöglichkeiten bei der Studienwahlentscheidung eine deutlich...Foto: Bernd Wannenmacher

Normalerweise würden Abiturientinnen und Abiturienten gerade die Strände von Calella oder Novalja füllen, und darüber sinnieren, was einmal aus ihrem Leben werden soll. Nach ihrer Rückkehr würden sie in verschiedene Städte reisen, sich dort die Unis anschauen und vielleicht in ihrer Heimatstadt eine Berufsmesse besuchen.

Doch in diesem Jahr, in dem der Abispruch mancherorts das Label vom Corona-Bier zeigt und darunter die vorsichtige Frage „Abi 2020?“ steht, können Abiturienten froh sein, wenn sie überhaupt eine Abiverleihung im kleinen Kreis feiern dürfen.

Auch die Suche nach einem passenden Studiengang wird anders verlaufen als sonst: Studienmessen, Beratungsgespräche vor Ort oder Campustage fallen aus. „Das Beratungsbedürfnis ist naturgemäß hoch“, sagt Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Dennoch ist keine Panik geboten, denn viele Hochschulen finden kreative Lösungen, um die Fragen von Studierwilligen zu klären und ihnen einen möglichst detaillierten Einblick in den Hochschulalltag zu geben. Die Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin (HWR) etwa bietet auf dem sozialen Netzwerk Instagram einen digitalen Rundgang an, bei dem eine Studentin die Zuschauerinnen und Zuschauer durch das Gebäude führt.

Kreative Lösungen für den Studieneinstieg

„Die Nachfrage nach Beratungen ist in diesem Jahr, ähnlich wie im letzten – und vielleicht sogar gestiegen“, sagt Susanne Jeß vom Studierendenservice der HWR. Die neuen Formate für Interessierte, die teilweise über soziale Netzwerke verbreitet und häufig von Studierenden selbst entwickelt würden, „bergen mitunter sogar niedrigere Hemmschwellen.“

Auch viele andere Hochschulen ziehen mit, bieten Online-Besichtigungen und Online-Beratungen an. Der Informationsdienst Wissenschaft führt zum Beispiel einige solcher Campustage von Hochschulen hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg auf, die alle in diesen Tagen stattfinden.

Wen es zum Studieren in den Osten zieht, wird auf der Seite „Pack dein Studium. Am besten in Sachsen“ gut informiert. Hier werden alle Online-Informationstage von Hochschulen in dem Bundesland aufgeführt. Zudem sind in Sachsen noch immer knapp 65 Prozent der Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung (NC). Damit sind die Aussichten auf einen Studienplatz weit günstiger, als beispielsweise in Berlin, wo gerade mal 31,8 Prozent der Studiengänge ohne Zulassungsbeschränkung sind.

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Die optimalsten Voraussetzungen, den gewünschten Studienplatz wirklich zu ergattern, haben Bewerberinnen und Bewerber in Thüringen, dort sind laut HRK mehr als 80 Prozent der Studiengänge ohne Beschränkung. Insgesamt waren im vergangenen Wintersemester bundesweit 42,3 Prozent der rund 10.500 Studienangebote zulassungsbeschränkt – die Mehrzahl also zulassungsfrei. Corona werde in absehbarer Zeit keine Auswirkung auf eine Veränderung der Zulassungsbeschränkungen haben, sagt Alt.

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Die Seite „Parentum“ bietet Berufsmessen für Eltern und Jugendliche an. Angeboten vom Institut für Talententwicklung (IfT) lautet das Motto: „Eltern sind wichtige Ratgeber*innen bei der Berufswahl ihrer Kinder.“ Auf einer Onlineplattform können Aussteller, wie Ausbildungsbetriebe oder Hochschulen, angewählt und über einen Video-Chat Beratungsgespräche geführt werden.

„Auch vor Corona spielte das Internet als Informationsquelle für Studieninteressierte bei der Studienwahlentscheidung bereits eine sehr große Rolle“, sagt Jeß von der HWR. Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) hat herausgefunden, dass ein Großteil der Studienberechtigten (93 Prozent) bereits ein halbes Jahr vor Schulabgang beginnt, Informationen über Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten einzuholen.

Eigenverantwortung wurde im Studium – und bei der Suche danach – schon immer großgeschrieben, und zu Coronazeiten scheint sie noch ein kleines bisschen wichtiger zu sein. Doch es gibt Internetseiten, die den Studienanwärtern unterstützend zur Seite stehen. Der Hochschulkompass, ein Angebot der HRK, bietet einen kostenlosen Studium-Interessenstest.

Am Ende der 15-minütigen Befragung erscheinen neben einem persönlichen Interessenprofil passende Studiengänge an geeigneten Hochschulen. Die Seite bietet außerdem ab Spätsommer freie Studienplätze an. Hier können Studierwillige, die im ersten Anlauf abgelehnt wurden, eine Übersicht von Restplätzen einsehen.

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Erstmals haben aber alle Neuabiturienten ohnehin mehr Zeit für die Suche und Einschreibung. Das zentrale Bewerbungsportal Hochschulstart nimmt ab dem 1. Juli Bewerbungen entgegen, die Frist endet nicht wie sonst am 15. Juli, sondern für Neuabiturienten am 20. August.

Semesterbeginn ist dann für die Studienstarter erst der 2. November. „Der Vorlesungsbeginn verzögert sich um einen Monat, weil coronabedingt das Abitur in manchen Bundesländern nach hinten verschoben wurde“, sagt Alt. Für das Sommersemester 2021 sei zu hoffen, dass sich dann alles wieder normalisiere, so der Präsident der HRK.

Trotzdem fürchten viele Erstsemester einen Studienbeginn auf dem heimischen Sofa, statt im vollen Hörsaal. „Es ist klar, dass für Erstsemester eine Betreuung im Präsenzbetrieb besonders wichtig ist“, sagt Alt. Dabei müsse sichergestellt werden, dass für Risikogruppen auch im kommenden Semester kein Nachteil entstehe. „Für die Personengruppe muss auch künftig eine digitale Lehre möglich sein.“

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Die HRK hat sich auf eine Mischung aus Präsenzlehre und Digitalbetrieb im Wintersemester verständigt. Also kein „Fernstudium“? Susanne Jeß geht derzeit davon aus, dass die Studierenden immer wieder zu Veranstaltungen erscheinen müssen, auch wenn die Anwesenheitspflicht schon lange abgeschafft sei.

Bleibt noch die Sorge vor der Einsamkeit von Erstsemestern, die für das Studium in eine neue Stadt ziehen und statt Ersti-Wochen mit Pub-Crawl und Bierpong gediegene Zoom-Kennlerntreffen erwarten. An der HWR werden Ersti-Lotsen, Studierende aus höheren Fachsemestern, für Fragen parat stehen, sagt Jeß.

Außerdem werde gerade an einer Möglichkeit gefeilt, die Orientierungstage zu Semesterbeginn interaktiv online zu gestalten. „Damit sich die Erstsemester schon zu Beginn des Studiums miteinander vernetzen und zum Beispiel Lern-Tandems bilden können.“ Mit einer Kneipentour aber ist wohl nicht zu rechnen.

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