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Eine Intensivpflegerin betreut im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe einen Covid-19-Patienten (Symbolbild).
© picture alliance/dpa
Update

3028 Menschen starben: Tödlichster Juli seit Beginn der Corona-Pandemie

Durch das Ende vieler Corona-Maßnahmen stellt sich immer mehr Normalität ein. Dabei war der vergangene Monat der tödlichste Juli seit Beginn der Pandemie.

Im öffentlichen Raum gibt es kaum noch Corona-Regeln, viele Maßnahmen beruhen auf freiwilliger Basis. Die Politik begründet das zum einen mit der hohen Anzahl an verabreichten Impfdosen – mehr als 51 Millionen Menschen in Deutschland erhielten bisher eine Auffrischimpfung – zugleich gilt die Omikron-Variante des Coronavirus als harmlos im Vergleich zu ihren Vorgängern.

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Betrachtet man allerdings die absoluten Todesfälle im Monat Juli in den vergangenen drei Jahren, stellt sich ein anderes Bild ein: Waren im ersten Jahr der Corona-Pandemie noch 135 Menschen infolge einer Covid-19-Erkrankung gestorben, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 274. Im Juli 2022 machte die Statistik noch einmal einen Sprung: Im vergangenen Monat starben 3028 Menschen. Das geht aus den Daten des Robert Koch-Institutes (RKI) hervor.

Im aktuellen Wochenbericht schreibt das RKI: „In der fünften Welle kam es trotz mehrheitlich vergleichsweise milder Erkrankungsverläufe aufgrund der hohen Infektionszahlen wieder zu einem Anstieg der Todesfälle.“

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RKI meldet 180-mal mehr Fälle als noch im Juli 2020

Ist die Omikron-Variante also doch nicht so harmlos, wie man allgemein glaubt? Setzt man die Todeszahlen ins Verhältnis zu den gemeldeten Infizierten, zeigt sich ein komplett anderes Bild. Im ersten Corona-Jahr waren die Testkapazitäten noch nicht so ausgebaut, trotzdem meldeten die Gesundheitsämter im Juli 2020 14.743 Neuinfizierte. Zwei Jahre später, mit deutlich aufgestockten Kapazitäten meldeten die Ämter mehr als 180-mal so viele Fälle – 2.658.725 – an das RKI.

Prozentual starben im Juli 2022 deutlich weniger Menschen an Covid-19 als noch im Vergleichsmonat 2020, nämlich nur etwa 20-mal so viele. Wäre der prozentuale Anteil der Sterbenden gleich geblieben, hätte Deutschland im vergangenen Monat 24.460 Corona-Tote zu beklagen gehabt.

Das Statistische Bundesamt schätzt, dass im Juli 2022 insgesamt 85.285 Menschen gestorben sind. „Wie bereits im Juni waren die Sterbefallzahlen dabei vor allem in Phasen sehr hoher Temperaturen erhöht“, heißt es in einer Pressemitteilung. Insgesamt liege die Zahl der Toten im Juli 2022 12 Prozent über dem mittleren Wert der Vorjahre.

Infizierten sich im Juli 2020 noch vorwiegend die 20- bis 34-Jährigen, zeigen die Daten des RKI, das sich im Juli 2022 überwiegend die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen ansteckt. Die meisten Corona-Todesfälle im Juli 2020 waren unter den 80- bis 89-Jährigen gemeldet worden (34). Auch im Juli 2022 starben in der Altersgruppe die meisten Personen. Mit 1255 sind es aber deutlich mehr als noch vor zwei Jahren.

Unter den Verstorbenen seien jedoch auch viele Menschen, die zwar an der Omikron-Variante erkrankt waren, aber aus anderen Gründen verstoben seien, sagt Christian Karagiannidis, Mitglied der Corona-Expertenrats der Bundesregierung und Intensivmediziner, auf Anfrage des Tagesspiegels. Derzeit werde daran gearbeitet, die Todesumstände besser zu differenzieren. „Trotzdem versterben viele vor allem Ältere und hochaltrige und Immunsupprimierte auch an Omikron.“

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In anderen Ländern zeigen sich ähnliche Steigerungen der Todeszahlen. Großbritannien etwa hatte im Juli 2020 noch 693 Todesfälle an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet. Im Vergleichsmonat 2022 waren es 4687 Todesfälle infolge einer Covid-19-Erkrankung. Auch Italien und Spanien, Länder, die die erste Corona-Welle besonders hart getroffen hatte, meldeten im Juli 2022 deutlich höhere Zahlen an die WHO (Italien: 3709, Spanien: 2497) als noch im Sommermonat 2020 (Italien: 388, Spanien: 185).

Karagiannidis rät vor allem Risikogruppen zur vierten Impfung. Besonders vulnerable Patient:innen müssten zudem so früh wie möglich mit antiviralen Medikamenten behandelt werden. „Das wird die Todeszahlen senken.“

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