Unser Countdown zum 50. Jahrestag der Mondlandung : "Go, Baby, go!"

Heute vor 50 Jahren startete Apollo 11. Doch nach wie vor gab es berechtigte Angst, dass die sowjetische Konkurrenz im letzten Moment dazwischen kommen könnte.

Da ist Neil Armstrong drin: Start von Apollo 11 auf einer Saturn-V-Rakete am 16. Juli 1969.
Da ist Neil Armstrong drin: Start von Apollo 11 auf einer Saturn-V-Rakete am 16. Juli 1969.Foto: Nasa

Unser Countdown begann am Tag "Minus 10" vor dem 50. Jahrestag des ersten Schrittes auf dem Mond. Jene folglich mit "10" nummerierte erste Folge ist hier gestartet. Ein Weltraumspaziergang zur zweiten ist hier möglich. Die traurige dritte ist hier im Orbit. Die eher erdige vierte findet sich hier. Die fünfte dreht ihre Loopings hier.

Wie beginnt eigentlich ein Countdown? Bei Apollo 11, dem ersten Raumschiff, das Menschen auf den Mond bringen sollte, war es unspektakulär. Ohne Brimborium und symbolisches Schalterumlegen wurde im „Firing Room 1“ des Kennedy Space Centers am 10. Juli 1969 eine Uhr in Gang gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt schalteten Startkontrolleure die Stromversorgung von Rakete und Raumschiff ein.

Ein Countdown mit Unwägbarkeiten

Unterbrochen wurde der Countdown nicht, gestört aber schon. Am 13. Juli, drei Tage vor dem geplanten Start, brachte die Konkurrenz aus der Sowjetunion die Mission „Luna 15“ auf den Weg zum Mond. Sie war unbemannt. Aber in einem entscheidenden Detail sollte sie die Amerikaner nach Willen der Führung und der Ingenieure in Moskau schlagen: ein Raumschiff auf dem Mond zu landen und Gesteinsproben zur Erde zu bringen.

Dazu kam bei den Amerikanern die Angst, Luna 15 könnte den Apollo-Kapseln auch physisch in die Quere kommen. Laut Weltraumvertrag von 1967 war die sowjetische Seite eigentlich verpflichtet, die genauen Missionsdaten mitzuteilen. Doch auch als der Countdown, heute vor 50 Jahren, nur noch in Sekunden gemessen wurde, lagen noch keine solchen Informationen vor.

Um 9.32 Uhr Ostküstenzeit war die Null erreicht. Die fünf Rocketdyne-F-1-Triebwerke der Saturn-V- Rakete hatten Sekunden zuvor gezündet. „Go, Baby, go!“ wurde in den Kontrollräumen geschrien, gesprochen, gemurmelt, zitternd geflüstert. Es sollte helfen, die auf 111 Meter (nur wenige Meter weniger als das Park Inn am Alexanderplatz) gestapelten mehr als 3800 Tonnen auf Rampe 39A in die Lüfte und dann bis zum Mond zu bringen.

Bis heute die größte und stärkste je gebaute Rakete

Ob diese oder eine ähnliche Rakete zu jenem Zeitpunkt möglich gewesen wäre, wenn die Nazis in den dreißiger und vierziger Jahren nicht intensiv militärische Raketenentwicklung in Kummersdorf, Peenemünde und Mittelbau-Dora betrieben hätten, darüber ist reichlich spekuliert worden. Fakt ist, dass die „Saturn V“ der Amerikaner nicht weniger das Werk des Raketenkonstrukteurs und SS-Sturmbannführers Wernher von Braun und Hunderter seiner mit ihm aus Deutschland gekommenen Kollegen war als die V2.

Diese hatte gegen Ende des Krieges vor allem in Antwerpen und London ihre Schrecken verbreitet. Die Hauptunterschiede waren - neben dem Format -, dass an der "Saturn V" keine KZ-Häftlinge und polnischen Zwangsarbeiter mitarbeiten mussten und dass ihre Zwecke friedlicher – oder zumindest nur kalt-kriegerischer – Natur waren.

Die dreistufige Saturn V ist bis heute die größte und stärkste je gebaute Rakete. 13 davon sind gestartet. Nicht jede Mission lief reibungslos, doch nie gab es einen Unfall oder Verlust von Nutzlast oder Leben.

Apollo 11 jedenfalls erhob sich in den Himmel über Florida. Um der Kraft der Saturn zu widerstehen, zogen sich die Fundamente der Startrampe 50 Meter durch den sandigen Boden in das darunterliegende Gestein, in das mehr als 4000 Stahlanker getrieben worden waren. Millionen Liter Wasser rauschten in den „Flammeneimer“ aus Beton, damit die Hitze nicht die ganze Rampe verdampfte. Geschätzt eine Million Touristen waren gekommen, um dem geschichtsträchtigen Moment beizuwohnen.

Nach John F. Kennedy, der das Mondprojekt ausgerufen hatte und 1963 ermordet worden war, war inzwischen der ganze Ort benannt: Cape Canaveral hieß seit 1963 offiziell Cape Kennedy. Der neue Präsident Lyndon B. Johnson hatte dies sechs Tage nach dem Attentat verfügt. Johnson selbst, seit 1969 Ex-Präsident, saß auf der Tribüne. Er war zum Nebendarsteller geworden.

Seine Bedeutung für das Mondprogramm war allerdings weit größer gewesen als die Kennedys. Als Mehrheitsführer im Senat hatte er 1958 in Reaktion auf den „Sputnik-Schock“ den „National Aeronautics and Space Act“ und damit die Gründung der Nasa durchgesetzt. Und als Kennedys Vize war er es gewesen, der den Präsidenten überzeugte, dass eine bemannte Mondlandung – und nicht etwa eine Raumstation oder unbemannte Monderkundung – das einzige prestigeträchtige Projekt wäre, mit dem man die sowjetische Konkurrenz würde schlagen können.

Als Präsident hielt er, obwohl Amerika wichtigere Probleme hatte, unbeirrt an Apollo fest. Am Tag des Starts sagte Johnson, er würde sich wünschen, dass Anstrengungen wie die des Rennens zum Mond auch „für den Frieden auf alle Zeit“ aufgebracht würden.

Späte Post aus Russland

Zwei Tage später, als die Crew dem Mond schon näher war als der Erde, kam zumindest ein kleines Signal aus Moskau: Luna 15 würde die Mission nicht stören, schrieb Mstislaw Keldisch, Präsident der sowjetischen Akademie der Wissenschaften. Den Brief erhielt nicht etwa Präsident Nixon, sondern der Kommandant von Apollo 8, Frank Borman, der kurz zuvor die Sowjetunion besucht hatte. Auch die Flugdaten wurden herausgegeben. Es war der erste Ansatz einer Kooperation der Weltraummächte, ohne die etwa die heutige Internationale Raumstation und die Langzeitaufenthalte dort undenkbar geblieben wäre.

Was aus Luna 15 wurde und was man damals im Westen überhaupt über das sowjetische Mondprogramm wusste, davon mehr in der nächsten Folge.

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