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Ein Viertel im Dunkeln, von Ferne ist das Licht des Nothilfepunktes der Behörden zu sehen.

© Jennifer Schimpitz

Tagesspiegel Plus

Rekonstruktion des Berliner Blackouts: „Am Anfang haben wir noch gedacht, das können wir ganz gut managen“

Vier Tage ohne Strom, in Finsternis und klirrender Kälte: Durch einen Sabotageakt erkennt die Hauptstadt ihre Grenzen. Sie rückt zusammen. Und der Senat entzweit sich. Anatomie einer Krise.

Blackout. Worst Case. Nichts geht mehr. Man fühlt sich hilflos und alleingelassen. Und erfährt, dass es den Nachbarn ebenso geht. Letztlich auch den Verantwortlichen der ganzen Stadt.

So erleben es am Samstagmorgen vor einer Woche die Menschen im Südwesten Berlins. Kurz vor sechs Uhr werden Stromausfälle gemeldet. Erst spielen in 45.000 Wohnungen von Lichterfelde, Zehlendorf, Dahlem und Wannsee die elektronischen Geräte verrückt. Alarme schlagen an, Licht flackert auf und erlischt wieder, automatische Apparate kalibrieren sich aus unerklärlichen Gründen neu. Dann, kurz nach sechs, wird es dunkel – und still.

Was tut man da? Man wartet ab.

Müsste bald wiederkommen, der Strom, denken viele, wie sie später dem Tagesspiegel berichten werden. Aber nichts passiert. Es wird der längste Stromausfall in der Berliner Nachkriegsgeschichte.

Obwohl der Strom Mitte der Woche, nach vier langen Tagen, 100 Stunden, zurückgekehrt ist, versucht die Stadt sich immer noch ein Bild davon zu machen, was genau geschehen ist. Einiges ist klar. Ursache des Stromausfalls war ein von Linksextremisten verübter Brandanschlag. Es gibt Täter, die sich dazu bekannt haben.

Aber ansonsten ist sehr viel unklar. Hat das System der Nothilfe funktioniert? War der Katastrophenschutz vorbereitet? Sind sich die Verantwortlichen auf den Verwaltungsebenen der in dieser Hinsicht überkomplexen Stadt in die Quere gekommen, agierten sie aneinander vorbei? War der Samstag ein verlorener Tag?

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