Antisemitismus in Berlin : Judenhass in der Schule? Nicht verschweigen, raus damit!

Ein neuer Fall von Antisemitismus an einer Grundschule wirft Fragen auf. Die Bildungsverwaltung spielt den Fall herunter – genau das falsche Signal. Ein Kommentar.

Eine junge Frau mit Kippa nimmt in Berlin an einer Demonstration teil.
Eine junge Frau mit Kippa nimmt in Berlin an einer Demonstration teil.Foto: dpa/Britta Pedersen

Über einen weiteren schweren Fall von Antisemitismus an Schulen hat am Wochenende die „Berliner Zeitung“ berichtet – demnach wurde in Tempelhof eine Grundschülerin mehrfach massiv gemobbt und sogar mit dem Tod bedroht, „weil sie nicht an Allah glaubt“, wie ihr Vater berichtet – und wer das nicht tue, „werde verbrannt“.

Intern wurden die Angriffe, die sich über Jahre hinweg wiederholten, zwar thematisiert, aber als der Schulausschuss des Bezirks zu Besuch war, verschwieg der Schulleiter die Probleme. Autor Martin Klesmann zitiert ihn mit den Worten: „Grundsätzlich werden bei Streitigkeiten die Schüler angehört und danach entsprechende Schritte eingeleitet.“

Foto: Arne Dedert/dpa

Bei „Streitigkeiten“? Bemerkenswerte Beurteilung von religiös motiviertem Mobbing durch einen Pädagogen. Die „entsprechenden Schritte“ bestanden übrigens aus einer „Gegenüberstellung“ der Schüler und einem „Projekt zum Thema Toleranz“.

Erfolg der Aktion: Das Mädchen wurde mit „Jude, Jude“-Rufen schikaniert. Auch die Bildungsverwaltung kennt die Vorfälle seit langem, weist aber darauf hin, den Zweitklässlern sei „die Bedeutung der Wörter nicht bekannt gewesen“. Für die Verbreitung von IS-Enthauptungsvideos in WhatsApp-Gruppen hat’s aber gerade noch gereicht.

Ein Muster, das bei ähnlichen Fällen erkennbar ist: Die Verantwortlichen versuchen, die Sache herunter zu spielen, zu „vermitteln“ und den Deckel drauf zu halten, denn „eigentlich“ ist die Schule ja gut, bemüht, tolerant, gewaltfrei – da schadet so ein Fall doch dem schönen Bild.

Dabei wäre das Gegenteil richtig: Raus damit – wir haben ein Problem! Wer noch? Und: Den Opfern klar zu Seite stehen, damit sie sich nicht verlassen fühlen – und den Mobbern (ganz egal, was ihre Motive sind) und ihren Eltern klar zeigen: So nicht, nicht hier.

Dieser Kommentar erschien im täglichen Tagesspiegel-Morgennewsletter "Checkpoint". Zur Bestellung geht es hier.

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