• Ateliers in der Landsberger Allee 54?: Künstler kämpfen um ehemalige Schultheißbrauerei

Ateliers in der Landsberger Allee 54? : Künstler kämpfen um ehemalige Schultheißbrauerei

Ein Gebäude in Friedrichshain steht seit mehr als sieben Jahren leer. Nun sollen Büros für Start-Ups entstehen. Auch zehn Prozent für die Kunst?

Drei Künstlerinnen und Künstler des Kollektivs "LA54" vor dem Backsteinhaus.
Drei Künstlerinnen und Künstler des Kollektivs "LA54" vor dem Backsteinhaus.Foto: "LA54"

Die alte Brauerei an der Landsberger Allee 54 steht schon länger leer. Das Künstler-Kollektiv "LA54" hat früher in dem Gebäude gearbeitet. Vor sieben Jahren wurden sie rausgeworfen. Seitdem führen sie immer wieder Kunstaktionen durch, um auf den Leerstand hinzuweisen. So auch im Juni: Die Künstler, die auch aus Mitteln des Kulturfonds der Senatsverwaltung für Kultur und Europa von Klaus Lederer (Linke) finanziell unterstützt werden, hatten ein kleines Backsteinhaus vor der ehemaligen Schultheißbrauerei aufgebaut - aus Materialien, die von verfallenen und leerstehenden Gebäuden in Berlin und Brandenburg gesammelt wurden.

Mit der Kunstaktion wurde die Frage gestellt: "Wie kann öffentlicher Raum kollektiv genutzt werden?" Zudem wurde ein Bereich im Gebüsch hinter dem Backsteinhaus mit einem Waschbecken und Matratzen ausgestattet - hier und im Inneren der ehemaligen Brauerei fanden Obdachlose, unterstützt durch "LA54", zeitweise eine Unterkunft.

Die Polizei beendete die Aktion nach wenigen Tagen. Gustav Kleinschmidt, Sprecher der Gruppe, leitete eine Anfechtungsklage gegen die Räumung ein. Die Eigentümerin des Geländes, die Patzendorfer GmbH, hatte die Räumung beauftragt - jedoch ohne einen richterlichen Beschluss. Der Streitwert des Klageverfahrens wurde auf 5000 Euro festgesetzt.

Der Bebauungsplan des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg sieht ein Mischkerngebiet vor, die Patzendorfer GmbH möchte Gewerbe etablieren. Die Realisierung soll bis Sommer 2023 abgeschlossen sein, sagt Michael Alert, Sprecher von Investa, dem Mutterkonzern der Patzendorfer GmbH. Der Bauantrag soll im Herbst 2020 gestellt werden. Vorstellbar seien: Hotel, Büros für Start-Up-Unternehmen, Gastronomie, ein Ärztehaus - und Künstlerateliers.

Es sei natürlich nicht gut, dass die Liegenschaft so lange nicht genutzt worden sei, so Alert. In den letzten neun Jahren sei sie durch "mehrere Investorenhände gewandert". Die Investa habe mit den diversen Vorbesitzern nichts zu tun und die Liegenschaft im Juli 2017 erworben.

Steht schon länger leer: die ehemalige Brauerei in Friedrichshain.
Steht schon länger leer: die ehemalige Brauerei in Friedrichshain.Foto: Robert Klages

Die Klinkerbauten der ehemaligen Brauerei sind mehr als 100 Jahre alt und stehen unter Denkmalschutz. Alert sagt, es habe mit der Künstlergruppe um Kleinschmidt durchaus konstruktive Gespräche gegeben. Im Juni habe man die "unbefugte Besetzung" jedoch räumen lassen, da die Liegenschaft nicht sicher zu begehen und teilweise einsturzgefährdet sei. Trotzdem: "Wir können uns Künstleratelier auf der Liegenschaft durchaus vorstellen." Kleinschmidt sagte auf Nachfrage, dass er mit Alert telefoniert habe und weiterhin kommunizieren werde. Gespräche mit der Geschäftsführung habe Alert jedoch abgelehnt.

Künstlerinnen und Künstler an der ehemaligen Brauerei.
Künstlerinnen und Künstler an der ehemaligen Brauerei.Foto: "LA 54"

Laut dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat sich der Eigentümer zu Notreparaturen am Dach verpflichtet. Ebenso dazu, einen Wachschutz zu beauftragen. Florian Schmidt, Grünen-Baustadtrat des Bezirks, sagte im Juni, ein Konzept mit Atelier- und Ausstellungsflächen könnte umgehend ungesetzt werden, nachdem der Abstimmungsprozess mit dem Investor abgeschlossen sei. Die Eigentümer hätten angekündigt, "dass nichtkommerzielle Nutzungen Teil des noch in Entwicklung befindlichen Standortkonzeptes werden sollen".

Das Bezirksamt kann jedoch keine Forderungen in diese Richtung stellen. Das Gebäude fällt wohl unter das Gewerbemietrecht und der Bezirk hat dadurch kaum rechtliche Möglichkeiten.

Schmidt wies darauf hin, dass er einen Anteil von zehn Prozent von "dauerhaft nichtkommerziellen Nutzungen für dringend geboten halte, da Freiräume für Kunst und Kultur zunehmend verloren gingen, zum Schaden des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der kulturellen Vielfalt und Produktivität des Bezirks".

Das Backsteinhaus der Kunstgruppe wurde unterdessen wieder abgerissen. Die Kunstwerke, die noch in dem Gebäude waren, befinden sich nach der Räumung noch nicht wieder im Besitz der Künstler.

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